Zuflucht Shanghai

Erinnerungen1938 -1948

Marlies Schmidl
ISBN: 978-3-944101-39-2
Veröffentlicht: September 2014, Einband: Hardcover, Abbildung und Tabellen: Mehrere Abbildungen, zum Teil farbig, Seiten 92, Format DIN A5, Gewicht 0.25 kg
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Marlies Schmidl

Zuflucht Shanghai

Erinnerungen1938 -1948.

Nach Aufzeichnungen des jüdischen Arztes Dr. Siegfried Philippson


2014. 92 Seiten. Hardcover. Format DIN A5. Mehrere Abbildungen, zum Teil farbig. ISBN 978-3-944101-39-2. Preis: 17,90 Euro. Rhombos-Verlag, Berlin


Zum Buch:


„Ich sah morgens gegen 5 Uhr Chinesen mit Handkarren fahren, auf denen eine sargähnliche Kiste montiert war. Ich fragte im Haus, was das für ein Trauerwagen sei. Da ich keine Antwort erhielt, nahm ich an, daß es Leichen von Chinesen waren, die vom Health Departement von der Straße aufgelesen wurden. Es waren, wie sich jetzt bei meinem Einzug ins Ghetto herausstellte, Behälter, die Fäkalien des ohne Abwasserleitung stehenden Stadtviertels Honkew, auf das Land als Dünger transportierten. Die Leichenabfuhr war eine Fäkalienabfuhr.“

Dr. Siegfried Philippson


Als mir Siegfried Philippson seine Aufzeichnungen über sein Leben in Shanghai übergab, sagte er, vielleicht kannst Du was daraus machen. Das muß ungefähr 1983 gewesen sein. Den Gedanken, darüber zu schreiben, hatte ich überhaupt nicht. Erst jetzt habe ich den Versuch unternommen. Ob es mir gelungen ist, muß der Leser entscheiden. Siegfrieds Erinnerungen spiegeln unter anderem eine Zeit wieder, die die Menschen hier in Berlin mit Bombenangriff Trümmer und Brand erlebten. Wer dachte da an Asien, an Shanghai?

Marlies Schmidl

Vorwort

Als mir Siegfried Philippson seine Aufzeichnungen über sein Leben in Shanghai übergab, sagte er, vielleicht kannst Du was daraus machen. Das muß ungefähr 1983 gewesen sein. Den Gedanken, darüber zu schreiben, hatte ich überhaupt nicht. Erst jetzt habe ich den Versuch unternommen. Ob es mir gelungen ist, muß der Leser entscheiden. Siegfrieds Erinnerungen spiegeln unter anderem eine Zeit wieder, die die Menschen hier in Berlin mit Bombenangriffen, Trümmer und Brand erlebten. Wer dachte da an Asien, an Shanghai? Sicher nur die, die jüdische Freunde oder Verwandte dort hatten, denen es gelang, noch in letzter Minute auszuwandern.
Das ist für mich das Interessante, zu erfahren, wie sie dort lebten, unter welchen sozialen und kulturellen Bedingungen in einer von den Japanern besetzten Stadt.
Mit meiner Familie zog ich 1961 nach Grünheide. Meine Nachbarn gegenüber waren die Philippsons. Es blieb nicht aus, das wir uns kennenlernten. Und es entstand eine Freundschaft bis zu ihrem Tod.
Siegfried sprach auch von dem Grab seiner Eltern, die auf dem jüdischen Friedhof in der Lothringenstraße in Weißensee, heute Herbert-Baum-Straße, beigesetzt wurden. Er bat mich, sollte er es nicht mehr können, hin und wieder für ihn dort hinzugehen.
Ich wohnte zu dieser Zeit bereits wieder in Berlin. Nach seinem Tod war ich das erste Mal dort. Die Wege zwischen den einzelnen Gräbern waren schmal und begehbar. Nach nunmehr über 20 Jahren, ist alles mit Efeu überwuchert. Hier und dort versuchen kleine Bäumchen sich nach oben zu strecken. Viel Platz haben sie nicht. Wildwuchs überall.
 
Ich habe sie gefunden, stehe wieder vor den Grabsteinen und entziffere die Schrift auf der Tafel, die auf dem unteren breiten Steinsockel befestigt ist.
Gedenken an einen einzigen Sohn, mit dem Vornamen Gustav, der hier bestattet wurde.
Von den Daten her muß es der Sohn eines Verwandten sein. Bei seiner Geburt, 1913, war Gustav Philippson, Siegfrieds Vater, zwei Jahre zuvor gestorben. Aber wer war er?
Und ich sehe mir auch immer wieder die Lebensdaten der Mutter an. Als Siegfried 1896 geboren wurde, war sie bereits 44 Jahre alt. War er ein Nachkömmling, einer von vielen, oder sogar der einzige Sohn? Um mehr zu erfahren, schrieb ich an das Archiv der Stiftung neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, ob es weitere Unterlagen über diese Familie gäbe und wer das Grab bestellt hat.

Mein großer Dank gilt Frau Barbara Welker, die als wissenschaftliche Archivarin für mich aufwendige und umfangreiche Recherchen durchgeführt hat. Nun weiß ich, daß Siegfried das jüngste von sieben Kindern der Eheleute Gustav Philippson und Henriette Rosenthal war. Von allen Geschwistern, ihren Ehepartnern und zum Teil ihrer Kinder, liegen umfangreiche Daten vor. Es ist eine erschütternde Familiengeschichte.
Aus den mir zugesandten Unterlagen erfahre ich, daß die Urne von Gustav Philippson, der im KZ Mauthausen umkam, hier bei der Großmutter am 4. 9. 1941 beigesetzt wurde. Er war ihr Enkel und der Sohn ihres zweitältesten Sohnes Max.
Max selbst, seine Tochter sowie deren Ehemann kamen in Auschwitz um.
Ich wunderte mich bereits, daß er in seinen Erinnerungen nur die Geschwister seiner Frau erwähnt. Die Rückkehr nach Deutschland, nach neun Jahren Shanghai, war verbunden mit der Freude seiner Frau, endlich ihre Schwester, ihren Bruder, Neffe und Nichte wiederzusehen. Siegfried hatte keine Familie mehr.
Sein Bruder Arthur, seine Schwester Elsa, sowie ein Schwager und zwei Ehefrauen seiner Brüder sind ebenfalls auf dem Friedhof in der Herbert-Baum-Straße beigesetzt worden.
Siegfrieds Schwestern, Klara (verh. Geiger) kam in Auschwitz um, Liesbeth (verh. Lebenheim) in Theresienstadt.
Arthur, höchstwahrscheinlich wie viele Juden in Berlin, zu einer vom jüdischen Arbeitsamt festgelegten Arbeit verpflichtet, starb an Herzschlag bei der Gepäckabfertigung auf dem Anhalter Bahnhof. Seine Beisetzung erfolgte am 09.09.1944. Elsa starb mit 57 Jahren in ihrer Wohnung. Bestattet wurde sie am 02.10.1939.
Von Berthold, dessen Sohn bereits seit 1932 in Amsterdam lebte, weiß ich aus den Aufzeichnungen von Siegfried, daß er nach Holland zu seinem Sohn gehen wollte. Siegfried selbst hatte es ja auch versucht.
Was hat er aber nun nach seiner Rückkehr aus Shanghai erfahren? Durch Nachforschungen, durch Freunde, durch Familienmitglieder seiner Frau Charlotte. Wußte er von den anderen Bestattungen dort, auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee? Mir gegenüber hat er nicht davon gesprochen. Das darf jedoch nicht die Antwort auf meine Frage sein.

Nur mit Hilfe seiner Geschwister, und auch der Geschwister seiner Frau Charlotte, bekamen sie das Geld für die Passage nach Shanghai zusammen. Diese großzügige Hilfe bedeutete für beide Überleben. Und haben sie selbst, die geholfen haben, für sich nichts tun können, es nicht gewollt? Nicht jeder hatte
 
die veränderte politische Lage nach der “Kristallnacht” mit ihren Folgen für die Juden einschätzen können. Der normale Menschenverstand signalisierte, das kann es nicht geben, das hat bald ein Ende.
So äußerte sich auch einer seiner Brüder, wie Siegfried später schrieb.

Der erste Fluchtversuch nach Holland mißlang. Ihr Haus in Altbuchhorst (Grünheide), und die Praxis in Weißensee waren bereits zerstört. Das einzig Mögliche war nun noch die Emigration nach Shanghai. Sie hatten Glück, konnten eine Schiffspassage auf dem japanischen Schiff “Kashima Maru” buchen und bezahlen. Durch Stornierung einer bereits gebuchten Passage war eine Kabine frei geworden. Auf dem Schiff fühlten sie sich nach Monaten endlich wieder frei und unbeschwert. Die Fragen, wie sie in der fremden asiatischen Stadt leben werden, was auf sie zukommen wird, wie sie sich sprachlich verständigen können, verfolgten sie erst, als sie nur noch ein paar Tage vom Ziel entfernt waren. Durch die Unterhaltung mit einem englischen Lord trainierte Siegfried intensiv seine englischen Sprachkenntnisse. Aus diesen, fast täglichen Treffen, entstand zwischen ihnen eine langjährige Freundschaft.
Bei der Ankunft in Shanghai blieben Charlotte und Siegfried die Unterbringung im Embankment Building, im Auffangslager, erspart. Sie wollten auf keinen Fall abhängig vom CFA sein (Komitee zur Unterstützung europäischer Flüchtlinge in Shanghai).
Nur wenige der sechzehntausend Flüchtlinge, die bis 1939 in Shanghai ankamen, hatten dieses Glück.
Sie wurden von einem angeheirateten Verwandten erwartet und wohnten in den ersten Wochen bei einem russischen Emigranten. Dieser lebte mit seiner Familie bereits seit 1918 in Shanghai. Als Neuankömmling war es unmöglich, sich sofort in dieser großen, hektischen und lauten Stadt zurechtzufinden. Zu der Zeit, als sie ankamen, hatte die Stadt bereits über fünf Millionen Einwohner. Alle Nationalitäten kamen hier zusammen.
Siegfried suchte Arbeit. Er war fest entschlossen, unabhängig zu bleiben, und wenn möglich, wieder als Arzt zu arbeiten. Auch hier in dieser Stadt. Ein Gedanke, der ihn seit Beginn der Ausreise nicht losließ. ließ sich beraten, führte Gespräche, las Annoncen in den Zeitungen. Sein Wirt, Herr Galperin, unterstützte ihn, gab so manchen wertvollen Hinweis und Rat. Und er schaffte es, wurde orthopädischer Berater in drei Filialen einer Schuhfirma, für die er auch Schuheinlagen gegen Senk- und Spreizfuß herstellte. Seine Erfindung, die er sich in Deutschland bereits hatte patentieren lassen. Hier verdiente er sein erstes Geld und konnte sich nun nach gewisser Zeit eine eigene Wohnung suchen. Die Bedingung, um eine Wohnung zu mieten,war mit unserem Vermietungssystem in Deutschland nicht vergleichbar. Erste Voraussetzung war die Zahlung des “Key-money” (Schlüsselgeld). Und das war nicht wenig.

Interessant lesen sich seine niedergeschriebenen Erinnerungen. Sie haben Tagebuchcharakter. Es sind zwei dicke Schreibhefte. Er hat oft korrigiert, Formulierungen geändert, darüber oder dazwischen geschrieben. Dadurch sind die Texte mitunter schwer lesbar. Und es gibt einige Notizen, bzw. Stichpunkte auf braunem brüchigem Papier, es sind auch kurz formulierte Ereignisse dabei. Was ich jedoch sehr bedaure: viele notierte Namen von Personen, Straßennamen, auch Stadttypisches, werden später in seinen Erinnerungen nicht aufgenommen.
 
Wann er zu schreiben begann, ist schwer einzuschätzen. Jedoch bewahrte er in seiner Erzählung den kontinuierlichen Zeitablauf. Und das macht sie spannend. Sie ist nachvollziehbar. Ihm blieben Fehlentscheidungen und Irrtümer nicht erspart, Doch nie kommt Verzweiflung und Resignation auf. Was für ihn bedeutungsvoll und wichtig in dieser Stadt war, darüber schreibt er. Ein ganz wichtiger Faktor war seine Selbsständigkeit. Die wollte er sich erhalten und dafür war eine finanzielle Grundlage die Voraussetzung. Er schaffte es, auch mit Hilfe seiner Frau.
Siegfried erwähnt Begegnungen, die später gute Freundschaften wurden. Dabei jedoch beläßt er es. Nicht immer erfahren wir mehr darüber. Eine feste Freundschaft verband ihn mit dem jüdischen Apotheker Liosnow. Vor der Schilderung seiner Rückreise nach Deutschland findet er Worte des Dankes für die gemeinsam verlebten Stunden und jüdischen Feiertage, für das entgegengebrachte Vertrauen und seine Hilfe, die vor allem bei der Einrichtung seiner Praxis wertvoll war.

Plötzlich veränderte sich ihr Leben, und nicht nur ihres. 1931 hatte der Japanisch-Chinesische Krieg begonnen. Durch das später abgeschlossene Militärabkommen zwischen Deutschland, Italien und Japan, den sogenannten Dreierpakt, veränderte sich auch die Haltung der Japaner den deutschen jüdischen Emigranten gegenüber. Die nach 1938 emigrierten Juden wurden von der deutschen Regierung für staatenlos erklärt, noch vorhandene Vermögen in der Heimat beschlagnahmt. Tausende eingereiste Emigranten mußten 1943 in Shanghai in ein sogenanntes Ghetto. “Ein aus militärischen Gründen begrenztes Areal...”, so lautete der Beschluß der japanischen Militärregierung. Die sich eine Existenz aufgebaut hat-
 
ten, waren gezwungen, diese aufzugeben. So auch Siegfried. Charlotte war fassungslos. Siegfried wollte sich auch hier im Ghetto selbstständig machen. In einem neu erworbenen Haus richtete er ein medizinisches Bad ein, baute “schwarz” eine Spültoilette (was nicht gestattet war) und versorgte die Mieter, die dort wohnten, soweit es ging mit angemessenem anderen Wohnraum. Bis auf wenige Freunde, Bekannte, auch ein paar Neugierige, gab es kaum Besucher. Es wurden immer weniger. Er gab auf.
Nun traf es auch sie beide. Wie fast alle dort, hatten sie oft nicht genügend zu essen.

Unmittelbar nach der Vernichtung des amerikanischen Flottenstützpunktes in Pearl Harbor am 7. Dez. 1941 durch die Japaner, erklärte USA den Japanern den Krieg. Die Bombardierung Shanghais begann am 10. Mai 1945. Siegfried wurde als Arzt eingesetzt. Das Gefängnis in der War Road Yale mußte in ein Krankenhaus umfunktioniert werden. Die Bedingungen für die Versorgung der Verwundeten waren katastrophal. Es gab viel Tote. Chinesische Ärzte blieben tatenlos. Ihr Argument war erschreckend.
Am 15. August kapitulierte Japan. Kaiser Hirohito gab sein Einverständnis unter der Bedingung, daß das Kaisertum erhalten bliebe.
Für Siegfried und Charlotte, sollten nun noch drei Jahre bis zur Rückkehr nach Deutschland vergehen. Sie erlebten den politischen Umbruch mit, die Rückkehr der Chinesen, die Auseinandersetzungen zwischen Chiang Kai-shek-Anhängern und den Anhängern der Nationalregierung. Und sie schlossen Freundschaft mit drei amerikanischen Offizieren. Diese Freundschaft war so eng, daß sich die drei Männer wünsch-
 
ten, Siegfried und Charlotte in Amerika wiederzusehen. Ihr Wunsch erfüllte sich nicht. Es gab zu viele private und amtliche Hürden, die eine Ausreise nach Amerika unmöglich machten.

Am 30. Juli 1948 konnten sie auf einem sogenannten LibertySchiff, einen ehemaligen Truppentransporter, die Heimreise nach Europa antreten.
Eine großartige spannende Erzählung ist auch dieser letzte Reisebericht. Ihr Heimatort war Grünheide, den sie vor neun Jahren fluchtartig verlassen hatten. Das zugewiesene Haus in der Luisenstraße, Ortsteil Altbuchhorst gefi ihnen. Nur auf einem Zettel steht, daß eine Frau Müller, (wohnte sie vielleicht ebenfalls dort?), sehr erstaunt war, daß er als Exillant nicht mit abgetragenen und ausgefransten Hosen zurückkam. Die letzten Zeilen in seinem Erinnerungstagebuch sprechen von Liebe und Anerkennung, die ihm und seiner Frau nach ihrer Rückkehr entgegengebracht wurden.
Ich bin davon überzeugt, das es stimmt und doch nicht nur.
Das beschreibt er auch in wenigen Sätzen.
Nach seiner Rückkehr gründete er 1948 als Chefarzt und Regierungsobermedizinalrat der Landesregierung Brandenburg die Orthopädische Landesklinik Neuruppin. Den Grundstein für die Poliklinik in Fürstenwalde legte er 1950 und übernahm im folgenden Herbst die Leitung der Haut- und Orthopädischen Abteilung. So war er am Aufbau unseres Gesundheitswesens in der DDR stark beteiligt.
In Erkner richtete er sich später eine Praxis für Haut- und Beinleiden ein. Ich weiß nur, daß er diese Praxis bis ins hohe Alter geführt hat. Ich bin noch im Besitz einer Rezeptempfehlung für die Apotheke mit Unterschrift und Datum vom
 
15.12.1983, und ich habe auch umfangreiche wissenschaftliche Abhandlungen über konkrete Behandlungtherapien aufbewahrt, die im “Der Landarzt” und in der “Zeitschrift für Therapie” erschienen sind.
Er war ein guter Diagnostiker, hörte ich hin und wieder von ehemaligen Patienten. Hilde Stahlbaum, seine langjährige Schwester in der Praxis, bestätigte es mir. Und sie erzählte gerne über die Zeit ihrer Zusamenarbeit. Uns beide verband, bis zu ihrem Tod, ebenfalls eine freundschaftliche Beziehung.

Das Buch von Ernest Heppner, “Fluchtort Shanghai”, in deutschsprachiger Ausgabe 2001 beim Aufbau-Taschenbuchverlag erschienen, war eine bedeutende Ergänzung für mich. Er und seine Mutter lebten auch als Emigranten in dieser Stadt.
Durch umfangreiche Recherchen hat er u.a. die gesamte politische Situation in dem damaligen japanisch besetzten Shanghai (aber auch darüber hinaus) erfasst, politische und soziale Hintergründe und deren Ursachen aufgedeckt. Dadurch war es mir möglich, vieles, was Siegfried Philippson geschrieben hat, ergänzend zu erweitern oder zu dokumentieren.
Siegfried selbst übernahm bis zum Schluß Aufgaben im Gesundheitswesen, fand keine Zeit, seine Aufzeichnungen diesbezüglich auszuarbeiten.
Hin und wieder stieg ich in Erkner in den Bus und fuhr nach Grünheide, um ihn zu besuchen. Nach dem Tod von Charlotte, sie starb im Februar 1982, wurde es einsam um ihn. Vielleicht schrieb er noch diesen und jenen letzten Satz, schloß seine Erinnerungen ab und übergab sie mir. Ich habe noch einmal den Weg der beiden verfolgt. Es sind Details, mal mehr
 
mal weniger. Die Aufzeichnungen lassen das Gewicht ihres Lebens spüren. Erkennbar auch in dem, was hinter den Worten steht.

Marlies Schmidl, Berlin 2014

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