ReSource 2010_2

Abfall · Rohstoff · Energie. Fachzeitschrift für nachhaltiges Wirtschaften

ISSN: 1868-9531
Veröffentlicht: Mai 2010, 23. Jahrgang. Auflage, Einband: geheftet, Seiten 48, Format DIN A4, Gewicht 0.22 kg
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ReSource 2010_2

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Inhaltsübersicht Heft 2/2010


THEMENSCHWERPUNKT: RECYCLING

Recycling ohne Grenzen?


Die Abfallrahmenrichtlinie und das zukünftige Kreislaufwirtschaftsgesetz geben die Prioritäten vor. Recycling steht ganz oben. Weil aber Recycling kein Wert an sich ist, müssen auch die Regeln zum Schutz der Umwelt beachtet werden.Zur Einstimmung empfehle ich den Kommentar von Heinz-Ulrich Bertram vom niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Bertram beklagt die Asymmetrie zwischen den hohen Anforderungen an die Deponierung und den weitgehend fehlenden Anforderungen an die Verwertung, aber auch die Asymmetrie innerhalb der Regelungen für die Deponierung. Mit Recht fordert er, dass die materiellen Anforderungen nach den Maßstäben der Umweltvorsorge für die Verwertung von Abfällen so festgelegt werden, dass sie mit dem Umweltschutzniveau der Beseitigung vergleichbar sind. Die Abfallbewirtschaftung steht heute im Spannungsfeld zwischen Entsorgung, Rohstoff- und Energiewirtschaft. Der erste Fachbeitrag gibt einen Rückblick über den gesetzlichen Rahmen der Abfallwirtschaft seit Beginn der einschlägigen Gesetzgebung. 1972 hieß es noch Abfallbeseitigungsgesetz, 1986 Abfallwirtschaftsgesetz, 1994 Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz und zukünftig wird es dann Kreislaufwirtschaftsgesetz ohne den Zusatz Abfall heißen. Mit der Gesetzgebung hat sich auch die Technik der Verwertung entwickelt und dieser Prozess wird weiter gehen.Die Notwendigkeit der vom Umweltschutz vorgegebenen Grenzen des Recyclings wurde schon frühzeitig formuliert, unter anderem bereits 1973 von Meadows, mehrfach dann vom Rat der Sachverständigen für Umweltfragen, vom Bundesverfassungsgericht und von Professor Brunner von der TU Wien. Werden die Grenzen beachtet, kann Recycling nicht nur zur umweltverträglichen Entsorgung, sondern auch zur Ressourcensicherung beitragen. Professor Daniel Goldmann von der TU Clausthal weist auf Stoffströme besonderer Relevanz hin und widmet sich den daraus resultierenden Aufgaben für die Entwicklung von Aufbereitungstechniken. Angesichts des zunehmenden Abbaus und Verbrauchs während der letzten dreißig Jahre entwickelt er systematische Ansätze zur Identifikation regionaler Sekundärrohstoffpotenziale und Strukturen für die Rückgewinnung. Er identifiziert ungenutzte und unzureichend genutzte Ressourcen und gibt Hinweise auf Verwertungstechnologien, -strukturen und -vernetzungen. Letztlich geht er auf Herausforderungen ein, die durchkomplexe Produkte entstehen, zum Beispiel Flugzeuge, Windkraftanlagen, Photovoltaik-Anlagen, Lithium-Ionen-Traktionsbatterien. Inhaltlich zugehörig schließt sich ein Beitrag über das Recycling von Photovoltaik-Modulen an. In Europa wird ein freiwilliges Rücknahme- und Recycling-Programm für Solarmodule eingerichtet. Auch bekannte Verfahren werden weiter entwickelt, wie der Beitrag über die Aufbereitungstechnik für PET-Flaschen beweist. Weitere Beiträge zu den Themen Abfallwirtschaft in den neuen Beitrittsländern, Abluftbehandlung sowie Recht runden diese Ausgabe ab. Gerade noch rechtzeitig wird die Professur für Abfallwirtschaft an der Technischen Universität Dresden vorgestellt. Die beeindruckenden zahlreichen Aktivitäten des Lehrstuhlinhabers Professor Bernd Bilitewski, der im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen wird, werden mit großer Bewunderung präsentiert.


Mit der Bitte um Ihren Kommentar zu diesem Heft grüßt Sie
Ihr Karl J. Thomé-Kozmiensky



HEFTÜBERSICHT

RUBRIK: RECYCLING

Recycling und Ressourcenökonomie
Die Abfallbewirtschaftung steht heute im Spannungsfeld zwischen Entsorgung, Rohstoff- und Energiewirtschaft

Seite 4 - 7

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre die Behauptung vermessen gewesen, dass Recycling einen wesentlichen Beitrag zur Rohstoffwirtschaft leisten kann und muss. Recycling ist eng mit der Entwicklung der Abfallwirtschaft verbunden, deren notwendige Ordnung auf Bundesebene politisch erstmals in der sechsten Wahlperiode (1969 bis 1972) mit dem Umweltprogramm der Bundesregierung formuliert wurde [12]. 1972 wurde die Zahl der Müllkippen auf etwa 50.000 alleine im damaligen Bundesgebiet geschätzt; in der DDR gab es etwa 14.000 Ablagerungen. Rechtliche Regelungen für einzelne Abfallarten, zum Beispiel für Altöl, die Auto-Verschrottung, einschließlich der Altreifen, wurden schon in der fünften Wahlperiode (1965 bis 1969) erlassen. Heute ist die Recyclingwirtschaft – insbesondere in Deutschland und Österreich – auf gutem Weg, jedoch noch lange nicht am Ziel. Beispielsweise müssen die Kenntnisse über das Trennverhalten der unterschiedlichen komplexen Produkte in Aufbereitungsprozessen verbessert werden. Die Aufbereitungsprozesse müssen an die Eigenschaften von Produkten angepasst werden, die zukünftig zu Abfall werden. Eine weitere Aufgabe besteht darin, im Zuge einer hochwertigen Verwertung das Ausbringen und die Qualität einzelner Stoffe zu verbessern. Auch gilt es, die Konkurrenzfähigkeit der Sekundärrohstoffe mit primären Rohstoffen, auch in Bezug auf Qualität und Preis, sicherzustellen. Und nicht zuletzt sind die Umweltschutz- und Sicherheitsniveaus von Recyclingprozessen zu verstärken.

Autor: Professor Dr. Dr. h. c. Karl J. Thomé-Kozmienskyist Geschäftsführer der vivis Consult GmbH, D-16816 Nietwerder.



Recycling im Fokus
Abfälle können maßgeblich zur Ressourcensicherung beitragen

Seite 8 - 14

Vor rund vierzig Jahren begann in Deutschland das Zeitalter der modernen Abfallwirtschaft. Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts folgte dann der Wandel von der Abfall- zur Kreislaufwirtschaft, der sich im Rechtssystem durch die Einführung des Kreislaufwirtschafts- undAbfallgesetzes im Jahre 1996 manifestierte. Seit Beginn des neuen Jahrtausends setzte eine weitere Entwicklungsstufe ein, die von der Kreislauf- zur Rohstoff- und Ressourcenwirtschaft führt. Bedingt durch den Aufstieg der großen Schwellenländer China und Indien nimmt der weltweite Rohstoffverbrauch erheblich zu. Damit verbunden steigen die Preise für viele Rohstoffe. Wie sich mittlerweile zeigt, dürfte die Abkühlung der Rohstoffmärkte im Rahmen der weltweiten Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre nur ein vorübergehendes Phänomen sein. Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Fokus beim Umgang mit Abfällen mehr und mehr von der klassischen Entsorgungssicht zu einer Sichtweise, bei der Abfälle maßgeblich zur Ressourcensicherung beitragen können. Damit rücken Fragestellungen und Perspektiven des Recyclings auch für solche Stoffströme in den Fokus, für die es keine spezifischen rechtlichen Regelungen gibt. Die im Jahre 2008 revidierte Europäische Abfall-Rahmenrichtlinie, die in 2010 in nationale Regelungen umzusetzen ist, trägt dem Rechnung. Die Diskussionen über die Weiterentwicklung der europäischen Ressourcen- sowie der Recyclingstrategie wurden intensiviert. Im Januar 2010 wurde ein Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts in Deutschland erstellt, der das bisherige Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz den Anforderungen der revidierten Europäischen Richtlinie anpassen soll. Die vorgesehene Änderung der Bezeichnung in Kreislaufwirtschaftsgesetz ohne den Zusatz Abfall dürfte auch auf eine veränderte Perspektive in der Gesetzgebung zurückzuführen sein. Die zunehmende Brisanz, die das Thema Rohstoffversorgung aus primären Quellen aber auch aus Abfallströmen hat, führte letztlich zur „Raw Materials“-Initiative der Europäischen Union. Welche Rohstoffe in welchen Produkten und Anlagen eingesetzt werden, wann und wo diese nach Nutzungsende anfallen und wie diese in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden können, wird zunehmend systematischer zu klären und techno-logieintensiver zu lösen sein.

Autor: Professor Dr.-Ing. Daniel Goldmann leitet den Lehrstuhl für Rohstoffaufbereitung und Recycling an der Technischen Universität Clausthal, D-38678 Clausthal-Zellerfeld

 

Recycling von Photovoltaikmodulen
Die Initiative PV Cycle richtet in Europa ein freiwilliges Rücknahme- und Recyclingprogramm für Solarmodule ein

Seite 15 - 20

Die Photovoltaik (PV)-Märkte entwickeln sich etwa seit dem Jahr 2004 in rasanter Geschwindigkeit. Die umweltverträgliche Stromerzeugung stellt nur einen Teil der Aufgaben dar. Die Akzeptanz der Technologie beim Verbraucher und den ordnungspolitischen Akteuren hängt auch davon ab, ob und wie Module am Ende des Produktlebenszyklus zurückgenommen und schadlos verwertet werden. Die europäische PV-Industrie, vertreten durch ihren Verband EPIA und die Initiative PV Cycle, sieht in einer brancheninternen Lösung auf Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung die effektivste und ökonomisch effizienteste Lösung. Die Initiative PV Cycle, die im Juli 2007 von Unternehmen der Photovoltaikindustrie ins Leben gerufen wurde, soll ein freiwilliges Rücknahme- und Recycling-Programm für Altmodule einrichten und auf diese Weise das Versprechen der Branche für umfassende Nachhaltigkeit umsetzen. Heute vertritt PV Cycle mit über siebzig Mitgliedsunternehmen etwa 85 Prozent Marktanteil am europäischen PV-Markt.  Am 19. Dezember 2008 wurde eine Freiwillige Erklärung unterzeichnet, die die Verpflichtung für Mitglieder beinhaltet, mindestens 65 Prozent der seit 1990 in Europa installierten PV-Module einzusammeln und 85 Prozent zu recyceln. In 2010 wird PV Cycle mit der Rücknahme und dem Recycling in Deutschland beginnen.Der Hersteller First Solar hat als erster branchenweit ein umfassendes, vorfinanziertes Rücknahme- und Recycling-Programm für Solarmodule eingeführt. Das Programm wird seit 2008 in Europa umgesetzt. In der Praxis haben sich bislang zwei Recyclingverfahren etabliert – eines für monokristalline (cSi-) Module und eines für CdTe-Dünnschicht-Module [13] –, die in diesem Beitrag ebenfalls vorgestellt werden.

Autor: Dipl.-Geoökologe Christian Reckziegel ist Leiter der Abteilung Umwelt-, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit (Environmental,Health and Safety/EH&S) bei der First Solar Holdings GmbH, D-55116 Mainz.

 

Aufbereitungstechnik für PET-Flaschen
Die Herstellung eines lebensmitteltauglichen Recyclats erfordert komplexe technische Lösungen

Seite 21 - 23

Die Verwertung von Verpackungsabfällen hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ziel ist ein geschlossener Verwertungskreislauf, bei dem die gebrauchte Verpackung wieder als Basis für eine neue Verpackung dient. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die technischen Lösungen, die für die Herstellung eines lebensmitteltauglichen Recyclates unabdingbar sind.

Autor: MBA Peter Mayer ist Vertriebsleiter Sortiertechnik bei der S+S Separation and Sorting Technology GmbH, D-94513 Schönberg.

 

Umweltschutz in Osteuropa
Aus einem Pilotprojekt liegen Erfahrungen über den Einsatz der Lebenszyklusanalyse bei der Behandlung von Elektro- und Elektronik-Altgeräten in Ungarn vor

Seite 24 - 26

Bei der Behandlung von Elektro- und Elektronik-Altgeräten (EAG) treten häufig Schwierigkeiten auf, die mit dem Abfallmanagement zusammenhängen. Technische Schwachstellen sind demgegenüber vergleichsweise seltener, denn die Technologie ist heute in der Lage, nahezu alle Herausforderungen der Elektronikschrottbehandlung zu meistern. Doch welche dieser Verfahren tragen dazu bei, die Umweltauswirkungen der Behandlung zu minimieren? Ökobilanzen (engl. auch LCA – Life Cycle Assessment) können helfen, diese Frage zu beantworten. In Deutschland dienen Ökobilanzen bereits seit Jahrzehnten als Werkzeug zur Entscheidungsunterstützung. Seit einigen Jahren wird auch in Ungarn die Methode der Ökobilanzierung angewandt, um die Umweltbelastungen verschiedener Aktivitäten abzuwägen und die Ergebnisse zur Entscheidungsfindung zu nutzen. Im Jahr 2006 startete ein Projekt, das die Umweltauswirkungen von EAG-Behandlungsverfahren in Ungarn bestimmen sollte. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Aspekte und Ergebnisse des Projektes vor.

Autor: Dr. univ. László Tamaska ist Direktor der KMProjekt GmbH, HU-8200 Veszprém; Dipl. Ing. Bálint Simon ist PhD-Stipendiat und Mitarbeiter der KMProjekt GmbH, HU-8200 Veszprém; Dr. Ph. D. Rita Földényi ist Dozentin für den Lehrstuhl Erd- und Umweltwissenschaft an der Pannon Universität, HU-8200 Veszprém.

 

RUBRIK: ABLUFTBEHANDLUNG

Effiziente Lüftungstechnik für die Industrie
Durch die Kombination von absorptiver Abluftreinigung und Wärmerückgewinnungssystem kann eine hohe Wirtschaftlichkeit erzielt werden

Seite 27 - 30

Ein Hamburger Unternehmen hat eine Anlage zur Abluftreinigung entwickelt, mit der die Grenzwerte der europäischen VOC-Richtlinie sowie beispielsweise der Technischen Anleitung Luft zuverlässig unterschritten und gleichzeitig die Energiekosten gesenkt werden. Die Anlage ist mit einer Wärmerückgewinnungsanlage kombiniert, die auch bei stark staubbeladener Luft einsetzbar ist. Die in der Abluft enthaltene Wärme wird nicht in die Atmosphäre abgegeben, sondern mittels eines Wärmetauschers im Produktionsprozess genutzt. Dadurch können die Kosten für den thermischen Energiebedarf um bis zu 90 Prozent gesenkt werden.

Autor: Dipl.-Ing. Heino Schulze ist Vertriebsleiter bei der TIG Group, D-22529 Hamburg.

 

Gerüche aus MBA-Anlagen
Mit Rasterbegehungen und einem mehrwöchigen kontinuierlichen Monitoring der Geruchsimmissionen können Anwohnerbeschwerden zuverlässig verfiziert werden

Seite 31 - 34

Die Märkische Entsorgungsanlagen Betriebsgesellschaft mbH (MEAB) betreibt am Deponiestandort Schöneiche unter anderem eine Anlage zur Mechanisch-biologischen Restabfallbehandlung (MBA) mit einer  Kapazität von 180.000 Megagramm pro Jahr (Mg/a). Weitere potentielle Geruchsquellen am Standort sind die Sonderabfallverbrennungsanlage, die Deponieeinbauflächen der Deponieklassen (DK) I und II, Sickerwasserbehälter und Sickerwasserreinigungsanlage, das Blockheizkraftwerk (BHKW) sowie die Entgasung der Deponie. Nachdem sich Anwohner über Geruchsbelästigung beschwerten, führte die Müller-BBM GmbH im Rahmen der  behördlichen Überwachung sogenannte Geruchsimmissionsrasterbegehungen nach VDI 3940 Blatt 1 im Umfeld des Deponiestandorts durch. Parallel fanden über einen Zeitraum von fünf Wochen auch Dauerbegehungen statt. Hierzu wurden in den Immissionsgebieten der Rasterbegehung entsprechend der Geruchs-/Windfahne der Anlage ganztägig Dauerprotokolle angefertigt. Die Aufnahme der Geruchswahrnehmungen und die Qualitätssicherung der Dauer-begehung entsprachen den formalen Anforderungen der Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) beziehungsweise EN 13725 und VDI 3940 Blatt 1. Der ermittelte Geruch-Echtzeitanteil über den Tagesgang und kontinuierlich über fünf Wochen wurde mit den Ergebnissen der parallel durchgeführten Rasterbegehung verglichen. Anhand der Resultate konnten Aussagen beziehungsweise Verifizierungen in Bezug auf Beschwerden aus dem genannten Zeitraum gemacht werden.

Autor: Dr. Bernd E. Müller ist Prokurist und technischer Leiter Behandlungsanlagen bei der MEAB  Märkische Entsorgungsanlagen-Betriebsgesellschaft mbH, D-14476 Potsdam-Neufahrland; Dr. rer. nat. Ludger Hering ist fachlich Verantwortlicher für den Bereich Geruch und Projektleiter Luftreinhaltung/Umweltmanagement bei der Müller-BBM GmbH, Niederlassung Berlin, D-10963 Berlin.

 

RUBRIK: RECHT

Steuerliche Gleichstellung von kommunal und privat
Die Auflösung des Umsatzsteuerprivilegs in der Abfallentsorgung führt zu einer geringen Mehrbelastung der Kommunen von 215 bis 241 Millionen Euro

Seite 35 - 38

Das gesamte Marktvolumen der haushaltsnahen Abfallentsorgung in Deutschland beträgt 5,5 bis 6,2 Milliarden Euro (gebühren- beziehungsweise tonnenbasierte Berechnung). Umsatzsteuerbefreite öffentlich-rechtlich organisierte kommunale Entsorgungsbetriebe haben etwa einen Anteil von 30 Prozent am Markt. Dies entspricht einem Umsatz von 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro über alle Stufen der Wertschöpfungskette. Die Bundesregierung plant, die öffentlich-rechtlich organisierten kommunalen und die privatwirtschaftlich organisierten Betriebe bei der Umsatzsteuer steuerlich gleichzustellen.Laut Presseberichten sollte eine Mehrbelastung der Kommunen von insgesamt vier Milliarden Euro entstehen. Berechnungen von trend:research zufolge liegt die ermittelte Mehrbelastung für den Bereich der Abfallentsorgung hingegen bei 215 bis 241 Millionen Euro (Nettoeffekt).

Autor: trend:research GmbH Institut für Trend- und Marktforschung, D-28209 Bremen.

 

Teure Fehler
Schadensersatzansprüche des Bieters nach Zuschlagserteilung im fehlerhaften Vergabeverfahren von Entsorgungsverträgen sind nach neuer Rechtsprechung möglich

Seite 39 - 41

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit Urteil vom 26. Januar 2010 (Az: X ZR 86/08) entschieden, dass ein Auftraggeber einem Bieter-Unternehmen Schadensersatz wegen eines Vergabefehlers des Auftraggebers leisten muss, wenn und soweit das Bieter-Unternehmen bei in jeder Hinsicht rechtmäßigem Vergabeverfahren den Auftrag hätte erhalten müssen. Das setzt imStreitfall voraus, dass dargelegt und nachgewiesen werden muss, welchen Preis das Unternehmen angeboten hätte, wenn der Auftraggeber den festgestellten Vergabefehler unterlassen hätte, sowie dass das Unternehmen auch auf dieses Angebot den Zuschlag hätte erhalten müssen. Dies gilt selbst dann, wenn dem Kläger im fehlerhaften Vergabeverfahren der Zuschlag erteilt worden ist.

Autor: Rechtsanwalt Professor Dr. jur. Thomas Ax ist Professor für europäisches Wirtschaftsrecht an der SRH Hochschule Heidelberg und Seniorpartner der Kanzlei Ax, Schneider & Kollegen, D-69151 Neckargemünd.

 

Saubere Geschäfte
Compliance-Richtlinien berücksichtigen neben der Einhaltung geltender Gesetze die Korruptionsbekämpfung und die Vermeidung von Interessenkonflikten

Seite 42 - 44

Kleine Entsorgungsunternehmen entwickeln sich nicht selten zu erfolgreichen regional und überregional tätigen Entsorgungsunternehmen. Sie erwerben sich bei zahlreichen öffentlichen Aufträgen einen guten Ruf, der vor allem auf Zuverlässigkeit und Qualität gründet. Diese verdanken die Unternehmen den im eigenen Haus ausgebildeten Fachkräften mit einer langjährigen Betriebszugehörigkeit. Nicht zuletzt durch die überwiegende Tätigkeit für die öffentliche Hand fühlen sich diese Unternehmen den Auftraggebern in der Region und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet. Um diese Verpflichtung auch in Zukunft einlösen zu können, sind sie bereit, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Dass die geltenden Gesetze eingehalten werden, gilt für sie als selbstverständlich. Darüber hinaus wollen diese Unternehmen für ihr Handeln einen ethisch-verbindlichen Rahmen abstecken, an dem sie sich und ihre Mitarbeiter vor allem im Verhältnis zur Öffentlichkeit messen lassen. Grundlage hierfür sind Compliance-Richtlinien. Diese verfolgen neben der Einhaltung der geltenden Gesetze vor allem das Ziel der Korruptionsbekämpfung und die Vermeidung von Interessenkonflikten. Es gilt: Nur saubere Geschäfte sind gute Geschäfte. Verbindlich werden die Richtlinien dadurch, dass die Unternehmensleitung die Mitarbeiter auffordert, die Compliance-Richtlinie mit Leben zu füllen und sich ebenso daran messen zu lassen wie die Unternehmensleitung. Außerdem sind Erhalt und Kenntnisnahme dieser Richtlinie zu quittieren. Der folgende Beitrag schildert mögliche und sinnvolle Regeln in einer Compliance-Richtlinie.

Autor: Rechtsanwalt Professor Dr. jur. Thomas Ax ist Professor für europäisches Wirtschaftsrecht an der SRH Hochschule Heidelberg und Seniorpartner der Kanzlei Ax, Schneider & Kollegen, D-69151 Neckargemünd.

 

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