Skinheads

Gefahr von rechts?

Holger Bredel

Kurzübersicht

Gefahr von rechts?
ISBN: 978-3-930894-50-5
Veröffentlicht: 2002, -. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 420, Format DIN A5, Gewicht 0.62 kg
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Skinheads

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Die Frage, ob Skinheads eine Gefahr von rechts darstellen, ist seit dem Sommer 2000 wieder aktuell. Ein bislang unbekannter Täter hatte in einem Düsseldorfer S-Bahnhof eine Rohrbombe gezündet und dabei zehn Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion schwer verletzt. Ähnlich wie 1993, als in Solingen fünf Türken bei einem Brandanschlag getötet wurden, kam es auch diesmal wieder zu einer Flut von rechten Nachahmungstaten. An der neuen rechten Gewaltwelle beteiligten sich auch Skinheads.

Skinheads waren schon früher in die Schlagzeilen geraten. Die Medien sowie die Öffentlichkeit nehmen Skinheads meistens erst dann wahr, wenn sie Gewalttaten begangen haben oder bei neonazistischen Demonstrationen mitmarschieren. Eine genauere Analyse der Skinbewegung unterbleibt vielfach. Dass es auch nicht-rechte Glatzen gibt, wird meistens übersehen. Sie werden als Sharp- oder Redskins bezeichnet und stehen zu den Naziskins häufig in unversöhnlicher Gegnerschaft.

Die vorliegende Arbeit enthält eine der bislang umfangreichsten Analysen von Textaussagen rechtsextremistischer Skinbands. Unter Verwendung einer Vielzahl an Abbildungen und Grafiken gibt der Autor einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Skinheadbewegung. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Bundesrepublik sowie die ehemalige DDR gelegt. Anhand der Analyse von Szenezeitschriften, CDs sowie Versandlisten wird der Frage nachgegangen, wie sich die in dieser jugendlichen Subkultur vorhandenen rechten Tendenzen äußern und welche Formen sie annehmen.

INHALT:

  1. Ursprünge der Skinheadbewegung
  2. Skinheads in der Bundesrepublik
  3. Skinheads in der DDR
  4. Exkurs: Definitionsversuche
  5. Fanzines
  6. Skinbands
  7. Platten- und Versandfirmen

Pressestimmen:

“...überaus informative und kenntnisreiche Zusammenfassung des bisherigen Wissenstandes über die Skinheads, die sich auch als Gesamtdarstellung und Nachschlagewerk zum Thema nutzen lässt...” Blick nach rechts Nr. 14/2003

“...In den ersten Kapiteln werden die Ursprünge der Skinheads, Erscheinungsformen, Einstellungen, Organisationen und Strömungen dargestellt. Dabei wird u. a. herausgestellt, dass es nicht nur rechte Skins gibt, sondern auch explizit antirassistische oder sich als unpolitisch verstehende Skins. Anhand einer differenzierten Analyse von Szenezeitschriften, CDs sowie Versandlisten wird anschließend der Frage nachgegangen, wie sich rechtsextreme Tendenzen in der Szene äußern und welche Formen sie annehmen...” Informations- und Dokumentationsstelle gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen (IDA-NRW)

“Holger Bredel ist die wohl umfangreichste wissenschaftliche Dokumentation zum Thema ‘Skinheads’ gelungen, die bisher auf dem internationalen Buchmarkt vorliegt (...) erstaunlich flüssig zu lesen.” Moloko Plus Nr. 22/2002

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Erschienene Rezensionen

Süddeutsche Zeitung, Werner Bührer, 12.05.2003

Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das Verfahren gegen die NPD einzustellen, waren sich die meisten Kommentatoren einig: Ein Urteil in der Sache, nämlich in der Frage der Verfassungsfeindlichkeit der Partei, war damit nicht gesprochen. Vielmehr müsste sich die Bürgergesellschaft, wie Bundestagspräsident Thierse betonte, jetzt erst recht gegen rechtsradikale Tendenzen zur Wehr setzen. Dass es in der Tat keinen Grund zur Entwarnung gibt, verdeutlichen zwei recht unterschiedlich angelegte Publikationen: Untersucht Holger Bredel mit den Skinheads lediglich eine, freilich höchst spektakuläre Erscheinungsform des Rechtsradikalismus, bieten Grumke und Wagner einen differenzierten Überblick über fast alle seine Aspekte einschließlich wichtiger Aktivisten, Organisationen, Verlage und Bands.

In seiner Marburger Dissertation bemüht sich Bredel zunächst um den Nachweis, dass nicht alle Skinheads der rechtsradikalen Szene zugerechnet werden können, indem er die Entwicklung dieser in London und anderen britischen Industriestädten in den sechziger Jahren entstandenen, ursprünglich proletarisch-linken Bewegung kurz rekapilutiert. Die Wende großer Teile der Skins nach rechts erfolgte Mitte der siebziger Jahre unter dem Einfluss der National Front und des British Movement. In der Bundesrepublik traten rechtsextreme Skinheads mit erheblicher zeitlicher Verzögerung seit Ende der achtziger Jahre vermehrt in Erscheinung; im Jahr 2000 schätzten Verfassungsschutzämter ihre Zahl auf etwa 8500. Als Gründe für den Einstieg in die Szene nennt Bredel im Einklang mit der einschlägigen Forschung unter anderem \"problematische Familienverhältnisse\", \"Erziehungsschwierigkeiten\" und den \"wirtschaftlichen Abstieg der Eltern\", der insbesondere in den neuen Bundesländern die Erfahrungswelt vieler Jugendlicher prägte. Begnügt sich Bredel in den Kapiteln über Skinheads in der Bundesrepublik und in der DDR sowie in einem Exkurs über den Rechtsextremismusbegriff im wesentlichen damit, die relevante Literatur zusammenzufassen, liefert er in den folgenden Abschnitten über Skin-Zeitschriften, Skinbands und deren \"Lieder\" sowie rechte Plattenfirmen reichhaltiges Anschauungsmaterial für die menschenverachtenden und hasserfüllten, nationalistischen, rassistischen und antisemitistischen, gewaltverherrlichenden und antidemokratischen, gleichermaßen antikommunistischen wie antiamerikanischen Inhalte dieser \"Fanzines\" und Songtexte. Eine explizite Antwort auf die Titelfrage seiner Studie bleibt er gleichwohl schuldig....

Moloko Plus, Sir Paulchen, September 2002

Holgr Bredel ist die wohl umfangreichste wissenschaftliche Dokumentation zum Thema \"Skinheads\" gelungen, die bisher auf dem Buchmarkt vorliegt. Auf allein 28 Seiten beläuft sich nur die Listung des Quellenmaterials, angefangen von Büchern, Aufsätzen, Fanzines, Tonträgern, Versandkatalogen... Äußerst fleißig der Mann!! Bredel zeichnet die dem Szene-Insider hinlänglich bekannte Geschichte von den britischen Ursprüngen in den 60ern nach, stellt die Bezüge nach (West)-Deutschland her und widmet ein eingenes Kapitel der Entwicklung der Szene in der damaligen DDR. Dabei verzichtet er erfreulicherweise weitgehend auf oberlehrerhaftes Soziologengewäsch, wenngleich sich naturgemäß immer mal wieder ein theoretischer Exkurs wohl nicht vermeiden ließ. Dass bei Fußnoten häufig die Namen Klaus Farin und George Marshall auftauchen, liegt auf der Hand, ebenso die Verwendung der Erkenntnisse der Schlapphüte vom Verfassungsschutz. Detailliert seziert Bredel eine Latte von (rechten) Fanzines und entsprechende Liedtexte, beschreibt die Aktivitäten des braunen Netzwerkes und vergißt dabei nicht, die einzelnen Szenen zu differenzieren. Kleine Fehler haben sich trotz gewissenhafter Recherche aber doch eingeschlichen: so will der Autor die ersten bundesdeutschen Glatzen bereits 1977/78 ausgemacht haben (S. 53). Das halte ich ebenso für ein Gerücht, wie die Behauptung Störkraft seien aus Rheinland-Pfalz gekommen (S. 272). Aber: Wen juckt's?
Lustig sind denn dann auch einige Textzeilen, die nur aus der Feder eines Wissenschaftlers kommen können. so heißt es auf Seite 86: \"Fußball-Skins sind solche Skinheads, die sich stark für Fußball interessieren und Fans eines bestimmten Vereins sind. Sie besuchen Fußballspiele hauptsächlich deshalb, um dort Spaß zu haben und Randale zu machen\". Aha! Köstlich auch der Vergleich Skins - Punks, bei der es zum Thema Wohnungssituation übereinstimmend in beiden Katerogien heißt: \"eigene Wohnung oder bei den Eltern wohnend.\" Wer hätts gedacht! Auch das Lieblingsgetränk, so Bredel, sei bei beiden Gruppierungen gleich: Bier!
Trotz so viel tiefschürfender Erkenntnis muß gesagt werden, dass die Anhäufung von derart vielen Details höchst interessant und erstaunlich flüssig zu lesen ist, auch wenn letztendlich nichts wirklich neues dabei herauskommt. Ob einem das den für wissenchaftliche Literatur leider obligat teurem Anschaffungspreis wert ist, sei jedem selbst überlassen.
Prima Geburtstagsgeschenk für Leute in der Jugendarbeit, Soziologen und Sozialarbeiter allenthalben.

 

Kursiv - Journal für politische Bildung, Benno Hafenegger, Ausgabe 1/2004

Der umfängliche Band gibt einen materialreichen Einblick in die Geschichte der Skinheadbewegung in der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR; er stellt die Skinfanzines, die Skinbands sowie die dazugehörigen Platten- und Versandfirmen vor. Für die politische und pädagogische Auseinandersetzung mit dieser Jugendkultur kann auf eine facettenreiche und gut strukturierte Materialauswertung und -zusammenstellung zurückgegriffen werden.

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