Seele und Geist - früher und heute

Die platonische und die aristotelische Seelentheorie, ihre Entwicklung in der Theologie- und Philosophiegeschichte, heutige Theorien über Seele, Geist und Gehirn

Karl-Heinz Wollscheid

Kurzübersicht

Die platonische und die aristotelische Seelentheorie, ihre Entwicklung in der Theologie- und Philosophiegeschichte, heutige Theorien über Seele, Geist und Gehirn
ISBN: 978-3-941216-38-9
Veröffentlicht: Dezember 2009, 1. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 288, Format DIN A5, Gewicht 0.45 kg
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Seele und Geist - früher und heute

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Karl-Heinz Wollscheid

Seele und Geist - früher und heute

Die platonische und die aristotelische Seelentheorie, ihre Entwicklung in der Theologie- und Philosophiegeschichte, heutige Theorien über Seele, Geist und Gehirn

288 Seiten. Format DIN A5. Kartoniert. Preis: 24,90 Euro. ISBN: 978-3-941216-38-9. Rhombos-Verlag, Berlin 2009

 

Für Platon ist die Seele im Kerker des Körpers eingesperrt,
für Aristoteles ist sie Form des Körpers und das Lebensprinzip.
Descartes setzt die Seele mit der denkenden Sache gleich.
Lebensprinzip und Psyche werden in der Neuzeit getrennt.
Heutige Theorien reduzieren alles Psychische auf neuronale Prozesse.

Die Ursache der Gedanken ist nicht das Feuern der Neuronen,
sondern die geistig-personale Anlage in unserem Erbgut,
die dazu fähig ist, sich zu entfalten und zu entwickeln.

 

 

Vorwort

Meine Untersuchungen zum Thema: Seele und Geist – früher und heute beruhen zum Teil auf einer Überarbeitung der beiden Bände meines Buches aus dem Jahr 2004 mit dem Titel: Das Lebensprinzip im Kosmos. Ein anderer Teil ist der Vorbereitung von philosophisch-theologischen Arbeitskreisen zu verdanken, die ich in der Zwischenzeit geleitet habe. Meine Zusammenfassung der darin gewonnenen Erkenntnisse für die Teilnehmer hat zum Entstehen dieses Buches beigetragen. Besonders erwähnen möchte ich den Arbeitskreis: Gehirn, Geist und Seele im Winterhalbjahr 2007/2008 in Mayen.
In dieser Zeit habe ich meine Kenntnisse über die Entstehung und Entwicklung der platonischen und der aristotelischen Seelenlehre durch die Lektüre einiger Schriften antiker und mittelalterlicher Philosophen und Theologen vertieft. Darüber hinaus habe ich mich in letzter Zeit verstärkt mit den Ergebnissen der Hirnforschung beschäftigt, und zwar unter besonderer Beachtung der Konsequenzen, die einige Neurologen und die Anhänger ihrer Lehren daraus ziehen.
Meine Methode der Auseinandersetzung mit antiken, mittelalterlichen, neuzeitlichen und heutigen Autoren besteht in einer Auswahl von Textausschnitten aus ihren Büchern oder aus ihren Veröffentlichungen, von denen ich annehme, dass sie für den betreffenden Autor symptomatisch, in einigen Fällen auch programmatisch sind. Das gleiche gilt für die Texte, die ich offiziellen kirchlichen Verlautbarungen entnommen habe. Mir ist bewusst, dass in dieser Auswahl ein subjektives Element liegt. Andererseits ermöglicht mir die genaue Analyse der Textausschnitte, die darin verwendeten Begriffe zu durchleuchten, die Theorien auf Stringenz oder auch auf innere Widersprüche zu untersuchen und implizite erkenntnistheoretische oder ontologische Voraussetzungen aufzudecken.
Das bereits angesprochene subjektive Element meiner Ausführungen kommt auch darin zum Ausdruck, dass ich nicht den distanzierten, rein sachlichen Stil wissenschaftlicher Veröffentlichungen gewählt habe, sondern meinen Standpunkt nicht verschweige. In der Regel bemühe ich mich um eine rationale und emotionslose Erörterung, aber in einigen wenigen Fällen halte ich es für notwendig, diese Zielsetzung zu überschreiten.

Ich möchte z. B. meine Empörung darüber nicht verschweigen, dass der australische Philosoph Peter Singer behinderten Säuglingen und Menschen, die durch Unfall oder hohes Alter die Fähigkeit zu einer selbstbewussten, rationalen und autonomen Lebensgestaltung verloren haben, das Recht auf Leben abspricht. Auch die Konsequenzen, die von einigen Vertretern der so genannten Neuroethik für eine zukünftige Justiz und Ethik gefordert werden, weil sie die Willensfreiheit leugnen, möchte ich nicht emotionslos beschreiben.
Entsprechend der scholastischen Erkenntnis, dass der Verstehende nur das versteht, was den Voraussetzungen des Verstehenden entspricht (Quidquid recipitur in modo recipientis recipitur) und auf Grund meiner intensiven Lektüre einiger Bücher und Veröffentlichungen vertraue ich darauf, dass meine Auswahl der Textstellen die Kernthesen der ausgesuchten Autoren erfasst. Da die beschriebene Grunderkenntnis der Scholastik auch für die Leser meines Buches gilt, erwarte ich, dass sie meine Erörterungen nicht distanziert im Sinne einer mehr oder weniger interessanten Stellungnahme zur aktuellen Diskussion über Seele, Geist und Gehirn begreifen, sondern als Aufforderung dazu, den eigenen Standpunkt damit zu vergleichen.
Das Schlusskapitel meines Buches reiht sich in die beschriebene hermeneutische Grunderkenntnis ein, denn es ist überschrieben: Meine Antworten auf Fragen über Seele und Geist. Die Auswahl meiner Fragen ist ebenfalls subjektiv, aber auch hier vertraue ich darauf, dass ich intersubjektive Fragen stelle, die aus der heutigen Diskussion über Seele und Geist erwachsen sind. Die Antworten sind Bestandteil meines Menschen- und Weltbildes, das den Versuch enthält, wie schon in meinem Buch über Das Lebensprinzip im Kosmos, die traditionelle Seelenlehre in unsere heutige Zeit zu integrieren.

Karl-Heinz Wollscheid

Mayen, Dezember 2009

Inhaltsverzeichnis

Problemstellung und aktueller Bezug    9
1    Die platonisch-dualistische Seelenlehre    21

1.1    Platon    21
1.1.1    Phaidros    21
1.1.2    Phaidon    28
1.2    Patristik    41
1.2.1    Die augustinische Illuminations-Theorie    41
1.2.2    Die Wurzeln der Illuminations-Theorie    43
1.2.3    Augustinus: Die Eigenschaften der Seele    46
1.2.4    Der Übergang zur Scholastik    51

2    Die aristotelisch-synholistische Seelenlehre    55
2.1    Aristoteles    55
2.1.1    Grundlagen der aristotelischen Philosophie    56
2.1.2    Die Seele als Lebensprinzip und Form des Leibes    64
2.1.3    Die Lehre von der unsterblichen aktiven Vernunft    77
2.2    Peripatetiker und Averroisten    87
2.2.1    Peripatetiker    87
2.2.2    Averroes    88
2.2.3    Averroisten    92
2.3    Thomas von Aquin    95
2.3.1    Zeugungstheorien    95
2.3.2    Die Subsistenz der Geistseele    99
2.3.3    Die Eigenschaften der Geistseele    101
2.4    Die aristotelische Seelenlehre in der Dogmatik    113
2.4.1    Verurteilte Thesen durch Tempier    113
2.4.2    Die dogmatische Seelenlehre der katholischen Kirche    116

3    Die Seelenlehre der Neuzeit    125
3.1    Descartes    125
3.1.1    Weichenstellung    125
3.1.2    Cogito, ergo sum    127
3.1.3    Ontologie und Substanzlehre    130
3.1.4    Unsterblichkeit der Seele    132
3.1.5    Mechanistisches Modell von Tier und Körper    134
3.2    Kant    138
3.2.1    Träume eines Geistersehers    138
3.2.2    Kritik der reinen Vernunft    142
3.2.3    Kritik der praktischen Vernunft    147
3.2.4    Anthropologie in pragmatischer Hinsicht    150
3.2.5    Kant und der Anatom Soemmering    153

4    Seele, Geist und Gehirn in heutigen Theorien    157

4.1    Der Katechismus der katholischen Kirche    157
4.2    Eugen Drewermann    163
4.3    Peter Singer    171
4.4    Das „Manifest“ führender Neurobiologen    179
4.5    Wolf Singer    185
4.6    Thomas Metzinger    197
4.7    Gerhard Vollmer    209

5    Meine Antworten auf Fragen über Seele und Geist    217
5.1    Rationalismus oder Empirismus?    217
5.2    Monismus oder Dualismus?    221
5.3    Was unterscheidet Möglichkeit und Fähigkeit?    226
5.4    Was bedeutet Kausalität?    229
5.5    Was ist eine Substanz?    236
5.6    Was ist die Seele?    238
5.7    Ist das Gehirn ein Organ?    241
5.8    Was sind Gedanken?    246
5.9    Wie bewirken Gedanken körperliche Aktionen?    250
5.10    Ist das Feuern der Neuronen die Ursache der Psyche?    254
5.11    Widerlegt das Libet-Experiment die Willensfreiheit?    261
5.12    Was ist der Geist?    266
5.13    Wie ist der Geist entstanden?    269
5.14    Was bedeutet Personalität?    272
5.15    Was bedeutet Kultur?    274
5.16    Menschenseele und Seele anderer Lebewesen?    276
5.17    Worin besteht die Unsterblichkeit?    279

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