Ruanda nach dem Völkermord von 1994

Célestin Muyombano

Kurzübersicht

-
ISBN: -
ISSN: 978-3-941216-37-2
Veröffentlicht: Dezember 2009, 1. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 220, Format DIN A5, Gewicht 0.34 kg
Lieferzeit: 2 - 6 Werktage
Verfügbarkeit: Auf Lager
21,80 €

Ruanda nach dem Völkermord von 1994

Mehr Ansichten

Details

Célestin Muyombano

Ruanda nach dem Völkermord von 1994

220 Seiten. Preis: 21,80 Euro.
ISBN 978-3-941216-37-2
Rhombos-Verlag, Berlin 2009

Ruanda 1994: Das Land der tausend Hügel und Heimat der berühmten Berggorillas steht am Rande eines sehr tiefen Abgrunds.
Das Land ist fast menschenleer: Der Völkermord an den Tutsi hat über eine Million Tote gefordert und weitere Millionen Flüchtlinge ins Ausland getrieben. Die überlebenden Opfer sind verstümmelt, verletzt, traumatisiert; Hab und Gut sind zerstört, eine Verwaltung gibt es nicht mehr, die Infrastruktur ist komplett zusammengebrochen, von Wirtschaft kann man nicht mehr sprechen und die internationale Gemeinschaft schaut einfach weg.
Die Ruandische Patriotische Front hat dem Völkermord ein Ende gesetzt und den Frieden wieder hergestellt. Jetzt steht sie vor einer eigentlich unlösbaren Aufgabe: die Versöhnung der ruandischen Bevölkerung und der Wiederaufbau des Landes.
Ist es Ruanda gelungen, aus eigener Kraft wieder aufzustehen? Wo steht das Land heute? Wie ist es um seine Wirtschaft bestellt? Wie geht es den Opfern von damals? Welchen Stellenwert hat die politische Demokratie für die heutige Jugend? Welche Rolle spielt Ruanda in Afrika und in der Welt am Anfang des 21. Jahrhunderts?

Der ruandische Historiker Célestin Muyombano hat auf dem Fachgebiet der Kolonialgeschichte promoviert und kennt die historischen Ursachen des Völkermordes genau. Er lebt seit 1989 mit seiner Familie in Deutschland und verfolgt die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen in seinem Land sehr aufmerksam. Dieses Buch ist das Ergebnis seiner Analysen.


Wo steht Ruanda heute?

Ich wurde 1944 in Ruanda geboren, wo ich die Primar- und Sekundarschule besuchte. Ende 1966 floh ich nach Burundi. 1971 ging ich nach Rumänien, wo ich an der Hochschule für Geschichte und Philosophie in Bukarest studierte. Ich schloss mein Studium mit dem Staatsexamen und einem Diplom in Geschichte ab und begann mit den Recherchen für die Promotion. 1979 wurde mir der Titel Doktor der Geschichte von der Universität von Bukarest verliehen.
Zurück in Burundi unterrichtete ich ab 1979 Geschichte am Gymnasium von Bururi im Süden des Landes. Im Jahre 1989 verließ ich Burundi für immer und seither lebe ich mit meiner Familie in Deutschland.
Elf Jahre nach der Veröffentlichung meines ersten Buches über Ruanda „Ruanda. Die historischen Ursachen des Bürgerkrieges“ und dreizehn Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi von 1994, habe ich ein weiteres Buch über Ruanda beendet: „Ruanda nach dem Völkermord von 1994“.
Zweck des Buches ist die Analyse der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage Ruandas nach seiner völligen Zerstörung und dem Verlust eines Großteils seiner Bevölkerung im Jahre 1994. Ebenso wird die internationale Lage Ruandas in ihrer Gesamtheit betrachtet.
Wo steht Ruanda heute?
Ich habe in diesem Buch versucht, die Lage nach dem Völkermord und die Entwicklung bis heute kurz darzustellen.
Célestin Muyombano

Vorwort

Dieses Buch ist Ruanda nach dem Völkermord an den Tutsi im Jahre 1994 gewidmet.
Ruanda, welches bis zu diesem Zeitpunkt fast unbekannt war, wurde ab 1990, dem Beginn des Krieges gegen die herrschende Macht, zum zentralen Gesprächsthema in der westlichen Welt.
Ruanda hat am Ende des 20. Jahrhunderts einen Völkermord erlebt und wurde in den schwersten Stunden seiner Geschichte von allen verlassen, aufgegeben und alleine gelassen. Viele Länder haben nur tatenlos zugesehen. Andere wiederum haben bei der Vorbereitung und der Durchführung des Völkermordes mitgeholfen. Die Vereinten Nationen ihrerseits haben sich durch die Unfähigkeit, die Verantwortung für einen Mitgliedstaat in Gefahr zu übernehmen, ausgezeichnet.
Die Ruander haben dem Völkermord ohne jegliche ausländische Hilfe ein Ende gesetzt und die innere Ordnung und Sicherheit wieder hergestellt. Aber unter welchen Bedingungen? Zurzeit sind die Ruander dabei, ihr zerstörtes Land wieder aufzubauen, die nationale Einheit wieder herzustellen und die zerstörte Wirtschaft wieder auf die Beine zu stellen.
In diesem Buch versuche ich, die politische, wirtschaftliche und soziale Lage Ruandas und die außergewöhnliche Entwicklung der internationalen Beziehungen dieses Landes zu erläutern. Die Ereignisse, die vor 1994 stattgefunden haben, werden hier nur erwähnt, wenn sie dem Verständnis der aktuellen Lage dienen. Einige Punkte, vor allem im Bereich der internationalen Beziehungen, werden sich auch wiederholen.
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil: von der Gründung der Übergangsregierung am 19. Juli 1994 bis zur Veröffentlichung der neuen Verfassung am 4. Juni 2003; der zweite Teil: Ruanda ab dem 4. Juni 2003.
Bevor ich zum eigentlichen Thema übergehe, möchte ich zuerst dieses kleine Afrikanische Land vorstellen.
Geografisch gesehen liegt Ruanda in Zentralafrika, zwischen dem Äquator und dem Wendekreis des Krebses, zwischen dem 1. und 3. Grad südlicher Breite und dem 28. und 30. Grad östlicher Länge. Der am nächsten gelegene Zugang zum Meer ist der Hafen von Mombasa in Kenia.
Ruanda grenzt im Norden an Uganda (160 km Grenze), im Osten an Tansania (217 km Grenze), im Süden an Burundi (290 km Grenze) und im Westen an die Demokratische Republik Kongo[1] (217 km Grenze).
Das Land befindet sich 1.400 km Luftlinie vom Indischen Ozean entfernt und 2.000 km Luftlinie vom Atlantischen Ozean. Es hat eine Fläche von 26.338 km², davon 24.948 km² Land und 1.390 km² Wasser, vor allem Seen wie: KIVU im Westen; MUHAZI, BULERA und RUHONDO in der Mitte, IHEMA im Ostern und MUGESERA im Süden.
Ruanda hat ein tropisches Höhenklima mit durchschnittlichen Temperaturen von 24,6 bis 27,6 °C sowie zwei Regenzeiten: von Februar/März bis April/Mai und von Oktober/November bis Januar. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Monat liegt bei 110 – 120 mm.
Die Bevölkerung ist von 3 Millionen im Jahr 1962 auf 7 Millionen im Jahr 1991 gewachsen. Aufgrund des Völkermordes und der anschließenden Flucht ist die Zahl im Jahr 1994 auf 5 Millionen gesunken. Laut der Volkszählung von 2002 ist die Zahl der Bevölkerung auf 8,1 Millionen gestiegen und im Jahr 2005 waren es 8,5 Millionen Einwohner, davon 17 % Stadtbevölkerung und 83 % Landbevölkerung. Ruanda gehört zu den Ländern mit der größten Bevölkerungsdichte: 335 Bewohner pro km².
In Ruanda spricht man vier Sprachen: die Landessprache Kinyarwanda, die von allen Bewohnern gesprochen wird, die zwei amtlichen Sprachen Englisch und Französisch sowie Swahili, eine Handelssprache, die vor allem in den Beziehungen zu den Nachbarländern verwendet wird.
Auf dem Gebiet der Religion gab es in Ruanda bis zum Eintreffen der ersten Missionare im Jahr 1900 und dem Übergang zum Christentum vor allem traditionelle Religionen.
Zurzeit schätzt man die christliche Bevölkerung auf ca. 90 % (Katholiken, Protestanten und Adventisten); es gibt 5 bis 10 % Muslime und nur etwa 0,1 % Anhänger der traditionellen Religionen.
Das ist Ruanda, das Land, das ich Ihnen in diesem Buch näherbringen möchte.

Anmerkung
[1]    Die Bezeichnung ZAIRE wird in diesem Buch bis Mai 1997 verwendet, als die Bezeichnung „Demokratische Republik Kongo“ wieder eingeführt wurde.

 

Inhalt

Vorwort    9
Einleitung    11
 

Teil 1
I.    Die „Opération Turquoise“     16
II.    Der Sieg der FPR und die Regierung der Nationalen Einheit    25
1.    Der Übergang    25
1.1    Die Wohnungskrise    28
1.1.1    Imidugudu – Siedlungen    28
1.2    Einige Auszüge aus den Abkommen von Arusha    31
2.    Die Folgen der Opération Turquoise    32
2.1    Kibeho    32
2.2    Die Flüchtlingslager    35
2.3    Der erste Krieg von Zaire    38
2.4    Der zweite Krieg des ehemaligen Zaire (Demokratische Republik Kongo)    40
2.5    Das Abkommen von Lusaka (1999)    40
2.6    Der Krieg von Kisangani zwischen Ruanda und Uganda    42
2.7    Das Abkommen von Pretoria (2002)    44
III.    Ruanda und die Internationale Gemeinschaft    48
1.    Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda    54
2.    Artikel 5 des Abkommens von 1979    55
IV.    Justiz kontra Straflosigkeit    69
1.     Die Konferenz über den Völkermord in Kigali    70
2.    Das Internationale Straftribunal für Ruanda (TPIR)    72
V.    Die Übergangsregierung wechselt die Führungskräfte    76
Die Affäre Bizimungu    77
VI.    Die Verfassung    81
VII.    Wahlkampagne und Präsidentschaftswahl    82
VIII.    Investitur    87

1.    Ausschnitte aus der Rede des Präsidenten Paul Kagame bei seiner Amtseinführung vom 12. September 2003    87
IX.    Legislative Wahlen    91
X.    Erste Reaktionen auf die Präsidentschafts- und legislativen Wahlen    94
1.    Intsinzi – Sieg    94
1.1    Erklärungen und Dank des gewählten Präsidenten Paul Kagame    94
2.    Proteste der Opposition    94
3.    Erklärung von Frau Colette Fresch    95
4.    Glückwünsche von Belgiens    95
5.    Glückwünsche Frankreichs    96
6.    Die Schweiz    96
7.    Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union    97
8.    Erklärung der Europäischen Union anlässlich der legislativen Wahlen in Ruanda    99
Schlussfolgerung    100

Teil 2
XI.    Die Institutionen    104
1.    Die Exekutive     104
2.    Die Regierung    104
3.    Die Legislative    105
4.    Die juristische Gewalt    105
XII.    Die Justiz    107
1.    Gacaca    110
2.    Die Demokratischen Kräfte für die Befreiung Ruandas (FDLR)    113
XIII.    Die Kirche    117
XIV.    Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des Völkermordes    123
XV.    Der „Nervenkrieg“    127

1.    Das Attentat auf das Flugzeug des Präsidenten Juvénal Habyarimana    128
2.    Die Rolle Frankreichs in Ruanda vor, während und nach dem Völkermord von 1994 an den Tutsi    133
Schlussfolgerung    143
XVI.    Die Befreiung    147
XVII.    Die Helden der Nation    150
XVIII.    Die Bildung    154

1.    Die Bildung in Ruanda zwischen 1960 und 1994    154
1.1    Die ideologische Ausrichtung der Bildung während der 1. Republik    155
1.2    Das „ethnische und regionale Gleichgewicht“ der 2. Republik    155
2.    Die Schulbevölkerung    157
2.1    Die Entwicklung in der Primarschule zwischen 1994 und 2002    157
2.2    Die Entwicklung in der Sekundarschule zwischen 1994 und 2002    157
2.2    Die Entwicklung an den Hochschulen zwischen 1994 und 2002    158
XIX.    Die Wirtschaft    159
1.    Landwirtschaft    164
1.1    Der Kaffee    164
1.2    Der Tee    166
1.3    Pyrethrum    167
2.    Der Biermarkt    168
3.    Viehzucht    169
4.    Fischfang    169
5.    Industrie    170
6.    Bergbau    170
7.    Energie    170
8.    Handel    171
9.    Tourismus    172
10.    Außenhandel    172
11.    Luftfahrt    173
12.    Das Programm 2005-2007    173
12.1    Prioritäten     173
12.2    Reformen    174
XX.    „Vision 2020“    177
1.    Einleitung    177
2.    Aktuelle Lage    178
3.    Ziele der Vision 2020    178
4.    Säulen der Vision 2020    179
4.1.    Gute Regierungsgeschäfte und ein fähiger Staat     179
4.2.    Entwicklung der Humanressourcen und einer auf Wissen basierten Wirtschaftsförderung der Arbeitskräfte durch Verbesserung in der Bildung und im Gesundheitswesen    179
4.3.    Wirtschaftliche Führung des Privatsektors    179
4.4.    Entwicklung der Infrastrukturen    179
4.5.    Produktive und marktorientierte Landwirtschaft    180
4.6.    Regionale und internationale wirtschaftliche Integration    180
5.    Gebietsübergreifende Themen der Vision 2020    180
5.1.    Gleichheit der Geschlechter    180
5.2.    Umwelt und natürliche Ressourcen    180
5.3.    Wirtschaft, Technologie, Informationstechnologie    180
6.    Road Map    181
Schlussfolgerung    181

XXI.    Die neue Verwaltungsstruktur Ruandas    182
Fragen zur territorialen Verwaltungsreform    187
XXII.    Änderung des Grundgesetzes über die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen    194
XXIII.    Gedenkfeiern zum 12. und 13. Jahrestag des Völkermordes    196
XXIV.    Schlussfolgerungen    200
XXV.    Anhang   

Terminologie    216
Die wichtigsten Daten über Ruanda seit 1994    217
BIBLIOGRAPHIE    219

Zusatzinformation

Gewicht 0.3400
Lieferzeit 2 - 6 Werktage