Resilienzforschung und deren pädagogische Implikationen

Eine Metaanalyse

Sabine Schmidthermes

Kurzübersicht

Eine Metaanalyse
ISBN: ISBN 978-3-941216-35-8
Veröffentlicht: Nov 2009, 1. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 108, Format DIN A5, Gewicht 0.18 kg
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Resilienzforschung und deren pädagogische Implikationen

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Zur Autorin:

Sabine Schmidthermes, Diplom-Pädagogin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Empirische Lehr-Lern-Forschung und Didaktik der Universität Trier, ausgebildete Trainerin und Beraterin. Derzeit Promotion über den Transfer von personalen und sozialen Kompetenzen. Forschungsschwerpunkte: Resilienz, Sozialkompetenz und Lern- und Leistungsmotivation.

Kontakt:
Universität Trier, Fachbereich I - Bildungswissenschaften, Lehrstuhl für Empirische Lehr-Lern-Forschung und Didaktik, 54286 Trier, Internet: Internet: http://www.uni-trier.de/index.php?id=19313

Professor Dr. phil. Michaela Brohm - Professur für Empirische Lehr-Lern-Forschung und Didaktik an der Universität Trier

Einleitung

In den Nachrichten werden wiederholt erschreckende Bilder von gewalttätigen Jugendlichen gezeigt, deren Grausamkeiten keine Grenzen mehr zu kennen scheinen. Dieser Trend lässt sich bereits seit einigen Jahren beobachten, spätestens seit dem schweren Misshandlungsfall aus Frankfurt an der Oder, der im Sommer 2004 publik wurde, als vier Jugendliche zwischen 19 und 24 Jahren einen 34-jährigen Mann erniedrigen und foltern, der nur knapp überlebt. Die Zeit schrieb am 06. März des letzten Jahres: „Jugendgewalt gilt (…) als besonders sensibler Indikator für gesellschaftlichen Zerfall“ (Die Zeit 2008). Denn eins sei gewiss: die Ursachen dafür seien im Umfeld der Täter zu suchen, viele hätten einen ähnlichen sozialen Hintergrund. Die Eltern, die häufig mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben oder sich als Alleinerziehende der doppelten Belastung von Beruf und Familie ausgesetzt sehen, fühlen sich in ihrer Erzieherrolle zunehmend überfordert und viele gewalttätige Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss.
Die sich ausbreitende Perspektivlosigkeit in der Gesellschaft, die sich auch in der steigenden Jugendkriminalität äußert, steht für eine Zeit, in der der Bildungsstand in hohem Maße mit sozialer Herkunft korreliert (PISA), durch den demographischen Wandel eine ausreichende Versorgung im Alter nicht mehr selbstverständlich gewährleistet ist und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, so dass die Anzahl derer, die unter schwierigen sozialen Umständen am Rand der Gesellschaft leben, stetig zunimmt.
Angesichts der großen Anzahl an Belastungsfaktoren und Risiken, denen das einzelne Individuum heute ausgesetzt ist, erscheint das Konzept der Resilienz interessant, das sich mit der Frage beschäftigt, warum es immer wieder einige Menschen schaffen, trotz starker Belastungen und widriger Umstände ein erfülltes Leben zu führen und psychisch unversehrt aus Lebenskrisen und traumatischen Erfahrungen hervorzugehen.
Ziel dieses Bandes ist es demnach, herauszufinden, ob sich das Konzept der Resilienz dazu eignet, aus den forschungstheoretisch entwickelten Befunden der Resilienzforschung Perspektiven für pädagogische Interventionen abzuleiten, die Menschen jeden Alters in Risikolagen befähigen, diese bestmöglich zu bewältigen und sich wieder von ihnen zu erholen.
Hypothetisch wird davon ausgegangen, dass (1.) die metaanalytisch erhobenen Befunde, die aus der Kinder- und Jugendforschung stammen, auf für die Erwachsenenbildung nutzbar gemacht werden müssen und sich (2.) eine Förderung und Ausbildung von Resilienz im pädagogischen Feld vornehmlich auf die personalen und sozialen Kompetenzen der Personen richtet. Dazu wird methodisch eine Metaanalyse von vier Studien durchgeführt und deren Ergebnisse verdichtet, so dass an den gewonnenen, übergeordneten Befunden die Hypothesen geprüft und der Forschungsfrage nachgegangen werden kann.
Die Struktur des Bandes baut sich wie folgt auf: im Anschluss an diese Einleitung (Kap. 1) wird das Konzept der Resilienzforschung dargestellt (Kap. 2), indem zunächst der Terminus der Resilienz bestimmt und anschließend seine spezifischen Charakteristika näher beleuchtet werden. Auf das im Kontext der Resilienz bedeutsame Risiko- und Schutzfaktorenkonzept wird anschließend eingehender eingegangen, da verschiedene Faktoren als risikoerhöhend oder risikomildernd in der Forschung identifiziert wurden, deren Kenntnisse für die Förderung von Resilienz, gerade im Zusammenhang mit der Entwicklung von Interventionsprogrammen, eine hervorgehobene Rolle zukommt.
Nachdem im nächsten Kapitel (Kap. 3) zunächst auf die historische Entwicklung der Resilienzforschung eingegangen wird, werden anschließend verschiedene Studien zu Resilienz und Risikofaktoren vorgestellt, die analysiert und deren Erkenntnisse auch auf die Erwachsenenbildung übertragen werden. Dabei handelt es sich zum einen um die „Kauai-Längsschnittstudie“ und das „Projekt Kompetenz“ als international bedeutsame Studien, die das Phänomen der Resilienz direkt untersuchen. Zum anderen werden die gerade für den deutschen Sprachraum relevante „Mannheimer Risikokinderstudie“ und die „Rostocker-Längsschnittstudie“ als zwei Risikostudien dargestellt, deren Ergebnisse für das Konzept der Resilienz selbst eher indirekten Wert haben, allerdings über die Darstellung der protektiven Faktoren in ihrem Zusammenspiel mit den Risikofaktoren wichtige Hinweise für die pädagogische Praxis liefern.
In Anlehnung an die Ergebnisse der Studien und die darin extrahierten Bedingungsmomente von Resilienz, die sich als durchaus vielschichtig und komplex erweisen, wird anschließend (Kap.4) das Rahmenmodell der Resilienz vorgestellt. Hier werden die verschiedenen Einflussgrößen und ihre Wechselwirkung strukturiert und darüber hinaus mögliche Ansatzpunkte für die Implikation pädagogischer Interventionen dargestellt.
Im Bezug zu den beiden bedeutsamen Einflussfeldern im Zusammenhang mit Resilienz, den sozialen und personalen Ressourcen eines Menschen, werden im nächsten Kapitel (Kap.5) exemplarisch für motivationale Leistungsmerkmale konkrete Möglichkeiten zur Förderung und Ausbildung resilienter Fähigkeiten vorgestellt.
Im Fazit (Kap. 6) schließt sich an einer kurzen Zusammenfassung und einer Diskussion der Befunde ein Ausblick auf die weiter pädagogische Forschung im Feld der Resilienz an.
Die in diesem Band verwendete Literatur stammt zu einem Großteil aus dem Feld der psychologischen Forschung, insbesondere der Entwicklungspsychologie, der Klinischen Psychologie und Psychotherapie. Das begründet sich daraus, dass Forschungen zur Resilienz vornehmlich in diesen Disziplinen durchgeführt wurden und erst in jüngerer Zeit sich das Resilienzkonzept für die pädagogische Anwendung als interessant erweist. Gerade im Bereich der Prävention sowie der Hilfeleistung für Betroffene bildet die Pädagogik neben der Therapie ein zentrales Feld, in dem Fähigkeiten und Kompetenzen direkt gefördert und ausgebildet werden können, die die Resilienz im Individuum steigern.
Mit diesem Band soll ein Beitrag für die Implikation psychologischer Befunde in pädagogische Programme geleistet werden.


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung    7

2 Das Konzept der Resilienz    11
2.1 Begriffsklärung    11
2.2 Charakteristika    16
2.2.1 Resilienz als ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess    17
2.2.2 Resilienz als eine variable Größe    17
2.2.3 Resilienz ist domänenspezifisch    18
2.2.4 Fazit    18
2.3 Das Risiko- und Schutzfaktorenkonzept: Wirkungsprozesse und  Mechanismen der Resilienzforschung    18
2.3.1 Risikofaktorenkonzept    19
2.3.2 Schutzfaktorenkonzept    22
2.3.3 Fazit    24
2.4 Resümee    25

3 Metaanalytisch erhobene Befunde der Resilienzforschung    27
3.1 Historischer Kontext – die Entwicklung der Resilienzforschung    27
3.2 Die Kauai-Längsschnittstudie (1982)    29
3.2.1 Versuchsplan und Stichprobe    30
3.2.2 Ergebnisse    32
3.2.3 Auswertung der Ergebnisse    36
3.2.4 Schutzfaktoren als personale und soziale Ressourcen    38
3.2.5 Fazit    41
3.3 Das Projekt-Kompetenz    42
3.3.1 Versuchsplan und Stichprobe    42
3.3.2 Ergebnisse    43
3.3.3 Fazit    45
3.4 Die Mannheimer Risikokinderstudie (2000)    46
3.4.1 Versuchsplan und Stichprobe    47
3.4.2 Ergebnisse    49
3.4.3 Fazit    53
3.5 Die Rostocker-Längsschnittstudie (1999)    54
3.5.1 Versuchsplan und Stichprobe    54
3.5.2 Ergebnisse    55
3.5.3 Fazit    59
3.6 Resümee    61

4 Das Rahmenmodell von Resilienz    64
4.1 Der akute Stressor    67
4.2 Umweltbedingungen    67
4.3 Transaktionaler Prozess zwischen Person und Umwelt    68
4.4 Personale Ressourcen – Resilienzfaktoren    69
4.5 Resilienzprozess und Anpassungsmechanismen    72
4.6 Ergebnis: Anpassung oder Fehlanpassung    73
4.7 Resümee    73

5 Pädagogische Interventionsmöglichkeiten für die Praxis    75
5.1 Der Bereich der sozialen Ressourcen    76
5.1.1 Das Bindungskonzept    76
5.1.2 Das Nischenkonzept    78
5.2 Der Bereich der personalen Ressourcen    80
5.2.1 Motivationale Leistungsmerkmale    80
5.2.2 Umdeutungen negativer Attribuierung    81
5.2.2 Förderung der Kontrollüberzeugungen mit Hilfe von Feedback    86
5.3 Resümee    91

6 Fazit    93

7 Abbildungsverzeichnis    97

8 Tabellenverzeichnis    99

9 Literaturverzeichnis    101

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