MüllMagazin 2009_1

Abfall · Rohstoff · Energie. Fachzeitschrift für nachhaltiges Wirtschaften

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Kurzübersicht

Abfall · Rohstoff · Energie. Fachzeitschrift für nachhaltiges Wirtschaften
ISBN: -
ISSN: 0934-3482
Veröffentlicht: 18. Februar 2009, Einband: geklammert, Seiten 56, Format 210 x 290, Gewicht 0.14 kg
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MüllMagazin 2009_1

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Details

 

 Inhaltsübersicht HEFT 1_2009:

 Themenschwerpunkt: Recycling/Abfallverwertung

Hinweis: Für Abonnenten des MüllMagazins mit registriertem Online-Zugang stehen die Beiträge dieser Ausgabe ab dem 20. Februar 2009 im Onlinebereich vorab zur Verfügung.

Berlin (19.2.2009). Photovoltaik-Module enthalten eine Reihehochreiner High-Tech-Stoffe. Die Gewinnung und Aufreinigung dieserStoffe, darunter seltene Metalle, ist mit relevanten Energieverbräuchenverbunden. Mit dem zunehmenden Einsatz von Photovoltaik-Modulen zurStromerzeugung aus regenerativen Quellen steigt auch der Bedarf derBranche an Rohstoffen rasant an. Mit der Rückgewinnung der wertvollenBestandteile von Photovoltaik-Modulen leistet die Abfallwirtschaft aucheinen Beitrag zur Sicherung der Ressourcenbasis für die Stromgewinnungaus regenerativen Energiequellen. Knut Sander, Wissenschaftler amInstitut für Ökologie und Politik (Ökopol GmbH), Hamburg, präsentiertin der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift MüllMagazin die Ergebnisse einer Studie zur Entwicklung eines Rücknahme- undVerwertungssystems für Photovoltaikprodukte. Demnach können bei derEntsorgung von Photovoltaik-Modulen wesentliche ökologischeEntlastungen vor allem dann erreicht werden, wenn die Abfällehochwertig verwertet werden, das heißt, dass sowohl Glas als auchHalbleitermaterialien wieder in die Herstellung von Produktenzurückgeführt werden. Darüber hinaus können der Studie zufolge dieHersteller von Photovoltaik-Modulen durch den Aufbau eigener Rücknahme-und Verwertungssysteme auch relevante ökonomische Vorteile erzielen.Für Abonnenten des MüllMagazins mit registriertem Online-Zugang stehendie Beiträge dieser Ausgabe ab dem 20. Februar 2009 im Onlinebereich vorab zur Verfügung.

 

 

 

EDITORIAL

 

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c.
Karl J. Thomé-Kozmiensky
(Chefredakteur)

Liebe Leserin, lieber Leser,

 heute kommt das MüllMagazin im neuen Gewand. Einige Leser werden die seit 1988 wechselnden, phantasievollen Covers vermissen. Verlag und Reaktion sind der Meinung, das Erscheinungsbild sollte etwas aufgefrischt und gleichzeitig informativer gestaltet werden. Wir glauben, dies ist gelungen. Wie Sie sicher bemerkt haben, haben wir auch einen neuen Redaktionsbeirat. Wir bedanken uns bei den langjährigen, engagierten Beiratsmitgliedern, die das MüllMagazin über viele Jahre begleitet haben. Die Liste der Mitglieder des bisherigen Wissenschaftlichen Beirats ist zu lang, um sie hier alle namentlich aufzuführen. Stellvertretend nennen wir Dr. Barbara Zeschmar-Lahl, die sich durch überdurchschnittliches Engagement von Anbeginn an um unsere Zeitschrift verdient gemacht hat. Wir sind der Meinung, dass der Redaktionsbeirat etwa alle zwei Jahre wechseln sollte, weil die Arbeitsbelastung recht hoch ist. Auch sollten von wechselnden Mitgliedern neue Aspekte in die Redaktionsarbeit einfließen.

Hier einige Highlights dieses Heftes:
Andreas Jaron vom BMU beschreibt die in der Abfallrahmenrichtlinie formulierten Herausforderungen der Abfallvermeidungsprogramme für die EU-Mitgliedstaaten.


Regelmäßig berichten wir über die abfallwirtschaftliche Entwicklung in unterschiedlichen Ländern. Hier der Bericht von Tadeusz Paj?k über die polnische Abfallwirtschaft. Geplant sind zwölf Abfallverbrennungsanlagen. Der Streit um das richtige Verfahren ist in einigen Regionen nicht unerheblich.


Die Abfallverbrenner bemühen sich, auch das stoffliche Verwertungspotential zu vergrößern. Ein Weg kann die Trockenentschlackung sein, wie sie von der Martin GmbH für Umwelt- und Energietechnik in zwei schweizerischen Anlagen erprobt wird.


Ausgediente Mobiltelefone enthalten relevante Mengen an Gold. Bei der Rückgewinnung des Edelmetalls decken Perrine Chancerel und Vera Susanne Rotter jedoch mit dem Instrument der Stoffflussanalyse erhebliche Systemschwächen auf.


Die Bemühungen um die Abfallvermeidung und die stoffliche Verwertung in der Industrie sind in informierten Kreisen anerkannt, jedoch werden sie von der Öffentlichkeit selten zur Kenntnis genommen. Die Beiträge über Verwertungssysteme für Photovoltaik-Module, Abfallvermeidungs- und Recyclingstrategien in der Autoindustrie sowie das Recycling von Gipskartonplatten aus gemischten Bauabfällen zeigen nicht nur theoretische Ansätze. Die hier vorgestellten Projekte sind wegen ihrer ökologischen und ökonomischen Vorteile praxisrelevant.


Die Herausforderungen der Industrie fördern auch die Entwicklung und Verbesserungen von Aufbereitungsaggregaten, wie hier an den Beispielen der Elektroscheidung und der Kaskadenscheider beschrieben wird.


Die Zunahme von Anlagen zur Vergärung vielfältiger Substrate ist offensichtlich. Die prognostizierten Wachstumsraten geben Anlass zum Optimismus, wie eine neue Studie eindrucksvoll zeigt.


Die Abgasbehandlung nach der Abfallverbrennung ist ein stets aktuelles Thema. Hier wird über ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Umrüstungen berichtet.

Wir hoffen, dass wir Ihnen wieder ein vielfältiges und lesenswertes Heft vorlegen und wünschen uns von Ihnen zahlreiche Kommentare.


Es grüßt Sie


Ihr Karl J. Thomé-Kozmiensky


 

 

HEFTÜBERSICHT:

RUBRIK: INTERNATIONAL

Neue Pflicht
Gemäß Novelle der Abfallrahmenrichtlinie haben die EU-Mitgliedstaaten bis Ende 2013 Abfallvermeidungsprogramme zu erstellen

Seite 4-7
Die novellierte Abfallrahmenrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, Abfallvermeidungsprogramme zu erstellen. Dabei sollen bestehende Maßnahmen zur Abfallvermeidung dargestellt und bewertet werden, und anhand von Beispielsfällen weitere Maßnahmen entwickelt werden. Ziel ist die Reduzierung der mit der Abfallerzeugung verbundenen Umweltauswirkungen sowie deren Entkopplung vom Wirtschaftswachstum. Deutschland wird sich in den zur Verfügung stehenden fünf Jahren mit allen Gebietskörperschaften und den anderen beteiligten Kreisen mit dem Thema systematisch und umfassend auseinandersetzen müssen. Die Ergebnisse des Bewertungs- und Programmfindungsprozesses sind bis Ende 2013 zu erarbeiten.

Autor: MinRat Dr. Andreas Jaron, Referatsleiter für Allgemeine und grundsätzliche Angelegenheiten der Abfallwirtschaft, Grenzüberschreitende Verbringung von Abfällen beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Bonn.

Restabfallbehandlung in Polen
Im Zuge der Neuordnung der polnischen Abfallwirtschaft werden zwölf Abfallverbrennungsanlagen geplant

Seite 8-12
Polen gehört nicht zu den führenden EU-Mitgliedsländern, was die Abfallwirtschaft angeht. Ganz im Gegenteil: Die Versäumnisse im Umweltschutz während der vergangenen Jahrzehnte, auch in der Abfallwirtschaft, erfordern dringend Investitionen, damit Polen an die fortschrittlichen EU-Länder anschließen und den Standards des europäischen Rechts genügen kann. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Reduzierung der Deponien und die Verringerung der zu deponierenden biologisch abbaubaren Abfälle. Die auf der Deponierung basierende Entsorgungs-Monokultur muss umstrukturiert und zeitgemäße Systeme der Abfallbewirtschaftung müssen eingeführt werden, dies unter Einsatz von Verbrennungsanlagen für Abfälle mit Rückgewinnung der im Abfall gebundenen chemischen Energie. Diese Forderungen wurden präzise definiert und werden von der polnischen Regierung und der Europäischen Kommission gefördert. Im Operationsprogramm „Infrastruktur und Umwelt“, in dem die dafür notwendigen Investitionen aufgelistet sind, wurde den Maßnahmen Priorität eingeräumt, die zur wirkungsvollen Verbesserung der Abfallbewirtschaftung beitragen. Polen plant für die Jahre 2007 bis 2013 den Ausbau der staatlichen Abfallwirtschaftssysteme, darunter den Bau von zwölf Abfallverbrennungsanlagen. Für die Umsetzung dieses ehrgeizigen und umfassenden Programms müssen einige Milliarden Euro investiert werden, auch müssen die Projekte professionell umgesetzt und vor allem muss gesellschaftliche Akzeptanz hergestellt werden. Hier werden die Voraussetzungen für den Umbau der Abfallwirtschaftssysteme unter Berücksichtigung der Abfallverbrennung – insbesondere für Großstädte – vorgestellt. Darüber hinaus werden der aktuelle Stand der Arbeiten und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen aufgezeigt.

Autor: Dr. Ing. Tadeusz Paj?k,Hochschulbeauftragter und Experte im Bereich Thermische Abfallbehandlung an der Wissenschaftlich-Technischen Universität AGH Kraków (AGH University of Science and Technology), Fakultät für Mechanische Verfahrenstechnik und Robotik, Lehrstuhl für Energie und Umweltschutz, Kraków/Polen


RUBRIK: THERMISCHE VERFAHREN

Pluspunkte durch trockenen Austrag
Die Martin Trockenentschlackung mit integrierter Klassierung ermöglicht eine effektivere Metallrückgewinnung aus den Verbrennungsrückständen

Seite 13-17
Der trockene Austrag von Schlacken aus der Abfallverbrennung gewinnt im Zusammenhang mit der Rückgewinnung von Rohstoffen aus den Verbrennungsrückständen an Bedeutung. Insbesondere in der Schweiz, aber auch in zahlreichen anderen Ländern, hat sich in den vergangenen zwei Jahren ein reges Interesse an diesem Verfahren entwickelt. Dieser Beitrag stellt die Martin Trockenentschlackung mit integrierter Klassierung vor und zeigt die Vorteile des trockenen Schlakkeaustrages für den Betreiber auf. Es wird dargestellt, dass der Austrag von klassierter, trockener Schlacke einerseits in wirtschaftlicher Hinsicht interessant ist, nämlich durch effektivere Metallabscheidung, Maximierung der Einnahmen aus der Metallrückgewinnung sowie Reduzierung der Entsorgungskosten durch Gewichtsreduzierung und geringere Transportkosten. Andererseits ergeben sich Vorteile aufgrund der besseren Qualität der trocken ausgetragenen Schlacke sowie einer leichteren Handhabung bei der nachfolgenden Behandlung, Aufbereitung und Verwertung. Die eingesetzte einfache und robuste Technik beruht auf allgemein bekannten verfahrenstechnischen Trennungs- und Transportvorgängen und nutzt die Vorteile eines fraktionierten Schlackeaustrages. Dafür werden der Martin Stößel-Entschlacker in unveränderter Bauart, ein neu entwickelter und patentierter Windsichter und ein Zyklon eingesetzt.

Autoren: Dipl.-Ing. Johannes J. E. Martin, Dipl.-Ing. Michael Busch, Dipl.-Ing. Eva-Christine Langhein, Dipl.-Ing. Dragutin Brebric, Martin GmbH für Umwelt und Energietechnik, München


RUBRIK: RECYCLING

Wertvolle Rohstoffbasis
Durch Rücknahme- und Verwertungssysteme der Hersteller von Photovoltaik-Modulen können ökologische und ökonomische Vorteile erzielt werden

Seite 23-29
Photovoltaik-Module enthalten eine Reihe hochreiner High-Tech-Stoffe. Die Gewinnung und Aufreinigung dieser Stoffe, darunter seltene Metalle, ist mit relevanten Energieverbräuchen verbunden. Mit dem zunehmenden Einsatz von Photovoltaik-Modulen zur Stromerzeugung aus regenerativen Quellen steigt auch der Bedarf der Branche an Rohstoffen rasant an. Mit der Rückgewinnung der wertvollen Bestandteile von Photovoltaik-Modulen leistet die Abfallwirtschaft auch einen Beitrag zur Sicherung der Ressourcenbasis für die Stromgewinnung aus regenerativen Energiequellen. Die Analyse zeigt, dass bei der Entsorgung von Photovoltaik-Modulen wesentliche ökologische Entlastungen vor allem dann erreicht werden, wenn die Abfälle hochwertig verwertet werden, das heißt, dass sowohl Glas als auch Halbleitermaterialien wieder in die Herstellung von Produkten zurückgeführt werden. Die ökologischen Entlastungspotenziale gehen mit relevanten ökonomischen Vorteilen aus der Realisierung eigener Rücknahme- und Verwertungssysteme der Hersteller einher.

Autor: Knut Sander, Bereich Abfallwirtschaft und Ressourcenpolitik, Ökopol GmbH, Hamburg

Gold in der Tonne
Eine Stoffflussanalyse zeigt erhebliche Systemschwächen bezüglich der Verwertung von Gold aus ausgedienten Mobiltelefonen

Seite 18-22
Elektro- und Elektronikaltgeräte sind durch eine komplexe Mischung von Materialien und Bauteilen bis in die mikroskopische Zusammensetzung gekennzeichnet. Neben Kunststoff, Eisen, Aluminium, Kupfer sowie gesundheits-und umweltgefährdenden Stoffen wie Schwermetallen und bromierten Flammschutzmitteln enthalten diese Geräte geringe, aber relevante Konzentrationen an Edelmetallen wie Gold, Silber und Palladium. Ziel dieser Untersuchung ist es, Goldflüsse in den Erfassungs- und Behandlungssystemen für ausgediente Mobiltelefone zu verfolgen. Es wurden, jeweils für das Jahr 2007, die Entsorgungssysteme in Deutschland und den USA verglichen. Daten über Mengen an getrennt gesammelten und ‚nicht-getrennt’ erfassten Altgeräten, sowie über Verwertungsquoten für Gold bei der Behandlung von Mobiltelefonen wurden kombiniert. Die Studie zeigt, dass über 90 Prozent des Goldes, das sich in den Mobiltelefonen befindet, sowohl in Deutschland als auch in den USA nicht zurückgewonnen wurden. Der ökonomische Wert dieser Metallverluste liegt in Deutschland zwischen 7 und 10 Millionen US-Dollar und in den USA bei über 100 Millionen US-Dollar. Die Hauptursache für den Verlust von Metallen ist eine unzureichende Trennung bei der Erfassung, wodurch über 80 Prozent der angefallenen Geräte mit dem Restabfall entsorgt werden. Verbesserungen in der Behandlung von Mobiltelefonen würden auch zur Minderung der Goldverluste beitragen. Aufgrund von Systemunterschieden ist die Wiederverwendung von ausgedienten Mobiltelefonen in den USA verbreiteter als in Deutschland.

Autorinnen: Ingénieur diplômée Perrine Chancerel, Fachgebiet Abfallwirtschaft der Technischen Universität Berlin, Prof. Dr.-Ing. Vera Susanne Rotter ist Leiterin des Fachgebiets Abfallwirtschaft der Technischen Universität Berlin.

Design for Environment
Abfallvermeidung und Recycling durch umweltgerechte Produktentwicklung bei der Daimler AG

Seite 30-32
Die Daimler AG verfolgt beim Thema Umweltschutz und Recycling einen ganzheitlichen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs abdeckt. Dies beginnt in der umweltgerechten Produktentwicklung mit dem zertifizierten Entwicklungsprozess „Design for Environment“, der quantifizierte Umweltziele für die Baureihen im Lastenheft festschreibt. Für das Fahrzeug und seine Bauteile werden Recyclingkonzepte entwickelt, der Einsatz von Rezyklaten und nachwachsenden Rohstoffen festgeschrieben und mit einer Ökobilanz die Umweltverträglichkeit des Fahrzeugs objektiv gemessen. Schließlich werden die Ergebnisse in der Broschüre des Umwelt-Zertifikats veröffentlicht. Das Werkstattentsorgungssystem MeRSy Recycling Management sorgt seit 1993 dafür, dass die Abfälle, die in den Mercedes-Benz Werkstätten und Servicebetrieben anfallen, getrennt erfasst und soweit möglich recycelt und wieder als Sekundärware im Fahrzeugbau eingesetzt werden. Auch für das Lebensende eines Fahrzeugs wird Vorsorge getroffen: seit über zehn Jahren werden über das Mercedes-Benz Gebrauchtteile Center in der Gemeinde Neuhausen auf den Fildern Fahrzeuge demontiert und wiederverwendbare Teile nach einer Qualitätsprüfung als Gebrauchtteile verkauft. Seit 2002 steht zudem ein Netz aus zertifizierten Demontagebetrieben zur Verfügung, die die Altfahrzeuge kostenlos zurücknehmen und umweltgerecht recyceln. Aber nicht nur der produktbezogene Umweltschutz spielt für Daimler eine Rolle: Alle Produktionsstandorte haben ein Umweltmanagement nach EMAS (Eco Management and Audit Scheme) und veröffentlichen ihre Umweltdaten und -ziele in einer Umwelterklärung.

Autorin: Dipl.-Agr.-Biol., Anita Engler, Daimler AG, Mercedes-Benz Cars Development, Abteilung Certification and Regulatory Affairs Design for Environment, GR/VZU, Sindelfingen

Gipskreislauf geschlossen
Ein neuartiges Verfahren ermöglicht das Recycling von Gipskartonplatten aus gemischten Bauabfällen


Seite 33-35
Für Naturgips, dem Hauptbestandteil von Gipskartonplatten, zeichnet sich in den nächsten Jahrzehnten – wie für viele Rohstoffe – eine deutliche Verknappung ab. Gleichzeitig führt die derzeit übliche Deponierung von Gipsabfällen aus Abbruch-und Sanierungstätigkeiten aufgrund der chemischen Zusammensetzung dieser Abfälle zu verschiedenen Problemen. Ein neues Verfahren, mit dem selbst stark verunreinigte Gipsabfälle zu verwertbarem Recyclinggips aufbereitet werden können, soll die Kreislaufführung des Wertstoffes Gips ermöglichen. Die Ziele waren dabei in weiterer Folge sowohl die Entschärfung der Entsorgungsproblematik für Gips als auch die Versorgung der Gipskartonindustrie mit einem qualitativ hochwertigen Sekundärrohstoff. Die Fachabteilung 19D „Abfall- und Stoffflusswirtschaft“ des Landes Steiermark betraute das Institut für nachhaltige Abfallwirtschaft und Entsorgungstechnik (IAE) an der Montanuniversität Leoben mit der technischen Planung und Projektierung des Vorhabens. Das Recyclingverfahren wurde anhand vieler praktischer Versuche und unter Mitwirkung von Fachleuten auf dem Gebiet der Aufbereitungstechnik entwickelt. Durch die enge Kooperation mit den Firmen Knauf und Transbeton war die Praxistauglichkeit des Recyclingkonzeptes garantiert. Das entwickelte Aufbereitungsverfahren setzt sich aus mehreren Einzelschritten zusammen und ermöglicht somit die sukzessive Abtrennung verschiedenster Störstoffe vom Wertstoff Gips. Es unterscheidet sich von anderen, im Ausland für diesen Zweck eingesetzten Methoden dadurch, dass hier auch Gipskartonabfälle mit sehr hohen Störstoffanteilen als Inputmaterial in Frage kommen.

Autor: Dipl.Ing. Harald Schlöglhofer, Projektleiter bei der ASPG-Altlastensanierungsprojekte, Wien

Unter Hochspannung sauber trennen
Die Elektroscheidung wird bei der Aufbereitung von Sekundärrohstoffen für vielfältige Separationsaufgaben eingesetzt

Seite 36-41
Viele Konsum- und Verbrauchsgüter des täglichen Lebens, wie etwa Computer, PVC-Fenster, PET-Flaschen, Verpackungen, Altkabel oder auch Altautos, werden nach dem Ende der Nutzungsdauer gesammelt, aufbereitet und hierauf stofflich wiederverwertet. Ziel dabei ist es, einen möglichst hohen Anteil der in diesen Stoffgemengen enthaltenen metallischen und nicht metallischen Wertstoffe zurückzugewinnen und den Anteil der nicht verwertbaren Reststoffe zu minimieren. Häufig scheitert aber diese „Wertstoff-Rückgewinnung“ daran, dass die aufzubereitenden Stoffströme als komplexe Stoffgemenge vorliegen und mit „konventionellen“ Separationsverfahren nicht trennbar sind, da die Merkmalsunterschiede – wie etwa in Bezug auf Farbe, Form, spezifisches Gewicht und andere physikalische Parameter – zu gering sind. Der nachfolgende Beitrag beschreibt einige Anwendungen, bei denen mittels Elektroscheidung bisher nicht trennbare Stoffgemenge erfolgreich aufbereitet und damit wertvolle Sekundärrohstoffe, wie Kunststoffe oder Metalle, zurückgewonnen werden können.

Autoren: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Helmut Flachberger, Leiter des Lehrstuhls für Aufbereitung und Veredlung an der Montanuniversität Leoben, Leoben; Dr.-Ing. Rainer Köhnlechner, Geschäftsführer der hamos GmbH Recycling- und Separationstechnik, Penzberg.

Trennschärfe bei der Sortierung
Der Kaskadenscheider ist für vielfältige Einsatzgebiete im Stoffrecycling geeignet


Seite 42-45
In vielen Produktionsprozessen fallen Reststoffe wie zum Beispiel Fehlteile, Stanzabfälle und Verschnitte an. Liegen diese Reststoffe mit dem Wertprodukt in einem Gemisch vor, muss dieses Gemisch sortiert werden, um die Reststoffe möglichst zu hundert Prozent aus dem Wertprodukt abzutrennen. Häufig unterscheiden sich Wertprodukt und Reststoff in ihrer Partikelform. So treten zum Beispiel bei der Produktion von Kunststoffteilen häufig Fasern, Engelshaare, Fehlstanzungen oder andere fehlförmige Partikel auf. Diese Reststoffe müssen mit einem geeigneten Sortierverfahren vom Wertprodukt abgetrennt werden. Mit Hilfe von partikelformabhängigen Reibeffekten ist der Kaskadenscheider in der Lage, Partikel unterschiedlicher Form mit sehr hoher Trennschärfe zu sortieren. Mittels Linearschwingung wird eine Vielzahl von muldenförmigen Einzelkaskaden in Schwingung versetzt. Die Partikel richten sich in den muldenförmigen Einzelkaskaden nach ihrer Länge aus. Durch die Wahl des Kaskadenmaterials wird ein hoher Haftreibkoeffizient zwischen den Partikeln und den Kaskaden gewährleistet. Bei schwingender Kaskadenbewegung befinden sich Partikel mit unterschiedlicher Partikelform aufgrund von formabhängigen Reibkoeffizienten in unterschiedlichen Bewegungszuständen. Partikel mit länglicher Form haften und Partikel mit rundlicher Form rollen auf dem Sortierbelag. Durch eine Schrägstellung der Einzelkaskade können somit Partikel unterschiedlicher Form räumlich getrennt und somit sortiert werden. Im nachfolgenden Artikel werden der Aufbau und die Funktion eines Kaskadenscheiders dargestellt. Insbesondere werden die verfahrenstechnischen sowie die konstruktiven Betriebsparameter erläutert sowie deren Einstellbereiche beziehungsweise -grenzen angeben. Des Weiteren werden ausgewählte Ergebnisse dargestellt.

Autor: Dipl.-Ing. Martin Steuer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Aufbereitungsmaschinen der TU Bergakademie Freiberg


RUBRIK: BIOLOGISCHE VERFAHREN

Markt für Biogasanlagen bis 2020
Neue Studie prognostiziert für das europäische Ausland langfristig sehr hohe Wachstumsraten im Biogassektor

Seite 46-49
In Deutschland ist der Markt für Biogasanlagen mit etwa 1.600 Megawatt installierter elektrischer Leistung weit entwickelt und besitzt im zukünftigen Gesamterzeugungsmix einen hohen Stellenwert. Dies zeigen auch die Eckpunkte des integrierten Energie- und Klimaprogramms der Bundesregierung mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die zum 1. Januar 2009 in Kraft trat. So wird durch die Novelle zum Beispiel die Vergütungssituation für Anlagenbetreiber verbessert, was den Biogasanlagenmarkt beleben wird. Doch der nationale Fokus ist für die deutsche Biogasbranche längst nicht mehr ausreichend, denn im europäischen Ausland sind langfristig weitaus höhere Wachstumsraten zu erwarten. Die zukünftige Entwicklung in den einzelnen europäischen Ländern ist jedoch stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängig, zum Beispiel der Einspeisevergütung oder den Stoffströmen und Potenzialen von Biomasse. In Deutschland ist ein systematisches Vorgehen bei der Suche nach neuen Standorten – insbesondere bei der Planung von größeren Anlagen – unerlässlich.

Autoren: Dipl.-Dokumentar Thomas Hein und Dipl.-Ökonom Jens Gatena, Institut für Trend- und Marktforschung, trend:research GmbH

 


RUBRIK: RECHT

Fokus auf Energieeffizienz
Die Umrüstung von thermischen Abfallbehandlungsanlagen auf effizientere Abgasreinigungstechnologien kann ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sein


Seite 50-52
Durch die langjährigen Betriebserfahrungen seit dem Inkrafttreten der Siebzehnten Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (17. BImSchV) wird zunehmend deutlich, dass die aufwändigen und mehrstufigen Rauchgasreinigungsverfahren, wie sie Anfang der neunziger Jahre an thermischen Abfallbehandlungsanlagen eingebaut wurden, weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sind, insbesondere im Hinblick auf den energetischen Wirkungsgrad. Aus einer Vielzahl von Genehmigungsverfahren ist jedoch andererseits auch bekannt, dass man in Bezug auf die Akzeptanz von thermischen Abfallbehandlungsanlagen in der Bevölkerung von einem sachlichen Umgang mit einer umweltpolitisch gebotenen Technik noch weit entfernt ist. Die in aller Regel irrelevanten Luftschadstoffzusatzbelastungen werden bei geplanten Neuanlagen wider jeden technischen und ökologischen Sachverstand grundsätzlich diffamiert. Die Erfahrungen an bestehenden Anlagen zeigen aber auch, dass gegebenenfalls erforderliche Änderungsgenehmigungsverfahren relativ schlank realisiert werden konnten, insbesondere wenn die zu ändernde Anlage über viele Jahre ohne Konflikte mit dem Umfeld betrieben wurde. Ausgehend von diesen Erfahrungen wird in dem vorliegenden Beitrag skizziert, wie die Umrüstung des Abgasreinigungsverfahrens (zum Beispiel von einem nassen auf ein trockenes Verfahren) genehmigungsrechtlich umgesetzt werden könnte. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei derauf Antrag mögliche Öffentlichkeitsverzicht, da die beantragte Änderung in einem öffentlichen Genehmigungsverfahren leicht als Verschlechterung oder gar als Rückschritt missverstanden werden könnte.

Autor: Dipl.-Ing. Norbert Suritsch, Geschäftsführer der Müller-BBM GmbH, Planegg



RUBRIK: GESETZGEBUNG & RECHTSPRECHUNG

Gewerbliche Sammlungen von Abfällen aus privaten Haushaltungen vor der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und nach der Novelle der Abfallrahmenrichtlinie


Seite 53-54
Die vergangenen zwei Jahre waren im Bereich der gewerblichen Sammlungen von Papier, Pappe und Kartonagen (PPK) von turbulenten gerichtlichen Auseinandersetzungen und profitablen Sekundärrohstoffpreisen geprägt. Das Jahr 2009 begann im Hinblick auf diese beiden Aspekte unter gänzlich anderen Bedingungen: Die Altpapierpreise sind drastisch gesunken, die Rentabilität gewerblicher Sammlungen scheintin Frage gestellt und es bestehen erste Übernahmeangebote für Sammlungsnetze in lukrativen Gegenden. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen wurden zunehmend zugunsten der gewerblichen Sammler entschieden: Waren die ersten Entscheidungen der Verwaltungsgerichte zur Zulässigkeit gewerblicher Altpapiersammlungen im Ergebnis nur schwer vorherzusehen, weil sie scheinbar willkürlich mal zugunsten und mal zulasten der öffentlich-rechtlichen Entsorger ausgingen, wendete sich das Blatt in letzter Zeit tendenziell zugunsten der gewerblichen Sammler. Eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Schleswig-Holstein sorgte für Bewegung, die durch die Novelle der Abfallrahmenrichtlinie noch an Dynamik gewinnt. Bis zu einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, die noch im ersten Halbjahr 2009 zu erwarten ist, besteht in Bezug auf die Zulässigkeit gewerblicher Hausmüllsammlungen daher eine erhebliche Rechtsunsicherheit, die auch Fragen nach der Regelungsnotwendigkeit durch den Gesetzgeber aufwirft. Diese Entwicklung wird im Folgenden zusammenfassend dargestellt.

Autorin: RA Anemon Boelling, Andrea Versteyl Rechtsanwälte, Berlin 

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