Jesus Ben Pantera

Der Mensch hinter dem theologischen Christus

Jürgen Misch

Kurzübersicht

Der Mensch hinter dem theologischen Christus
ISBN: 978-3-938807-83-5
Veröffentlicht: Juli 2008, 1.. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 80, Format DIN A5, Gewicht 0.13 kg
Lieferzeit: 2 - 6 Werktage
Verfügbarkeit: Auf Lager
16,30 €

Jesus Ben Pantera

Mehr Ansichten

Details

 

Die vierEvangelien, ursprünglich waren es vierzig (!), sind keineauthentischen Berichte über Jesus, denn sie entstanden erstlange nach seinem Tode und sollten lediglich eine sich nachverschiedenen Richtungen entwickelnde Sektenlehre verbreiten. Dassteht heute fest. Und so kommt selbst der bekannte Theologe AdolfBultmann zu der Erkenntnis: „Der Charakter Jesu, das anschaulicheBild seiner Persönlichkeit und seines Lebens ist für unsnicht mehr erkennbar.“

Aber ganz sotrostlos ist die Quellenlage denn doch nicht. Jürgen Misch istden wenigen noch vorhandenen Spuren und Hinweisen mitwissenschaftlicher Akribie und Entschlossenheit gefolgt, und sopräsentiert er dem auf jeder Seite von neuem überraschtenLeser eine geschichtliche Gestalt, die mit dem Jesus der Evangelienund dem Christus der Kirchen so gut wie keine Ähnlichkeit hat -und gerade deshalb überzeugt. Denn hier stehen – endlicheinmal! – die Tatsachen im Mittelpunkt.

 

Einige persönlicheVorbemerkungen

Über das LebenJesu sind allein im 19. Jahrhundert etwa 60 000 Büchererschienen, im 20. Jahrhundert kamen weitere Tausende hinzu. Trotzkläglichster Quellenlage haben Autoren mit oft bewundernswertemScharfsinn und mit den ausgefeiltesten Methoden historischerForschung und Textkritik immer wieder versucht, hinter dem Gewirr vonLegenden und tendenziösen Erdichtungen, hinter dem blendendenGlorienschein des göttlichen Welterlösers spätererDarstellungen dem wirklichen Menschen Jesus auf die Spur zu kommen.

Es scheint, als seidieses Gebiet abgegrast bis zu den Wurzeln. Dennoch konnte und wollteich mich der Faszination des Themas nicht entziehen. Sie beruht, wieich meine, gerade darauf, dass historisch zuverlässige Angabenfast völlig fehlen. Dabei ist erstaunlich, wie weit man sich voneiner winzigen festen Position aus weiter vortasten kann, ohne in denBereich unwissenschaftlicher Spekulation zu geraten.

Der Gedanke, dergewaltigen Flut von Jesusbüchern ein weiteres hinzuzufügen,ist mir nicht plötzlich gekommen; er lässt sich bis in meinzehntes Lebensjahr zurückverfolgen. Damals, im Jahre 1947, imVertriebenenlager in Flensburg, erhielt jedes von unshalbverhungerten, kranken und von den Schrecken des Kriegesverstörten Kindern bei einer Weihnachtsfeier ein Neues Testamentzum Geschenk.

Nach einemchaotischen Fluchtversuch aus Hinterpommern über verschneiteLandstrassen, nach dem Zusammentreffen mit russischen Panzern undeiner betrunkenen Soldateska, der erzwungenen Rückkehr inniedergebrannte Dörfer und der späteren brutalenVertreibung war dies mein erstes eigenes Buch. Und ich las es mitungeheurem Wissensdurst immer wieder.

Schon zu jener Zeitmachten mich Unterschiede und Widersprüche zwischen deneinzelnen Evangelien stutzig.

Etwa sieben Jahrespäter hielt ich als Gymnasiast ein Referat über indischeReligion. Pfarrer Berg hatte mich mit Literatur versorgt, und darinfand ich die altindische, weit vorchristliche Legende von der Geburtdes Gottmenschen Krischna, der in ärmlichsten Verhältnissenin einem Stall unter Hirten und Schafen zur Welt kam. Selbst diejubelnden Engel fehlten nicht. Mir wurde schlagartig klar, dasssolche Ähnlichkeiten mit der Geschichte Jesu nicht reiner Zufallsein können. Mit dieser zweiten Schlüsselerkenntnis begannsich mir der wahre Charakter der Evangelien zu enthüllen.

Mein Interesse ander Gestalt Jesu war von Anfang an ausschließlich historischer,niemals theologischer Natur. Mir geht es um folgende Fragen: Lässtsich aus uns erhaltenen Texten – christlichen undnichtchristlichen! – die historische Existenz eines Menschen namensJesus erschließen? Wenn ja:?? Woher kam er, was wollte,lehrte und tat er, und weshalb wurde er gekreuzigt?

Die Suche nachJesus ist eines der aufregendsten geistigen Abenteuer, auf die sichein Historiker einlassen kann. Doch wegen der unübersehbarenFülle an Literatur zu diesem Thema, der unterschiedlichenStandpunkte und Methoden ihrer Autoren ist diese Suche heute weitmühsamer und zeitraubender als die nach der sprichwörtlichenStecknadel im Heuhaufen. Die Mühe wird jedoch reich belohnt. Esgibt viele Überraschungen, und die Spannung lässt keinenAugenblick nach.

Rudolf Augsteinsagt mit Recht: „Interessanteres als das Entstehen der christlichenReligion lässt sich in der Geistesgeschichte schwerlich finden.“(S. 9) Nach den Wurzeln muss man allerdings sehr tief graben.Bultmann ist gar der Meinung, „dass wir vom Leben und von derPersönlichkeit Jesu so gut wie nichts mehr wissen können“(Jesus, S. 11). Stephen Neill hingegen schreibt, trotz derungeheuren Flut von Literatur zu diesem Thema habe „dieRekonstruktion des Lebens und der Geschichte Jesu kaum erstbegonnen.“ (Nach Grant, S. 261 F). Solange Fachleute so extremgegensätzliche Positionen einnehmen, ist wohl noch lange nichtdaran zu denken, dieses Forschungsgebiet ad acta legen zu können.

Ich bin sovorgegangen, dass ich zunächst aus den Evangelien konsequentalles entfernte, was nachweislich einer geschichtlichen Grundlageentbehrt. Den kleinen Rest kombinierte ich dann mit dem, was sich anjüdischer und nichtchristlicher Jesus-Überlieferungerhalten hat oder erschlossen werden kann.

Am Ende meinerArbeit steht eine historische Gestalt, die mit dem Jesus derEvangelien und Kirchen so gut wie keine Ähnlichkeit mehr hat,aber wahrscheinlich gerade deshalb den Tatsachen näher kommt undan Faszination gewinnt.


Inhalt

 

Einige persönlicheVorbemerkungen 7

I. Die Quellen 11

GefälschteTexte 11

Warum schwiegPaulus? 15

PeinlicheEnthüllungen 18

Der sogenannteChristus 20

II. Nur keineTatsachen! 23

ZunehmenderJudenhass 23

Das Chaos derLehrmeinungen 26

Eineunerschöpfliche Fundgrube 28

III. Der Menschhinter dem Mythos 35

Der Wunderheiler 35

Jesus privat 38

Der SohnPanteras 43

Das Reich Gottes 46

IV. Der Königder Juden 53

EineKrönungszeremonie 53

Kein friedfertigerMessias 57

Der Aufstand 61

Die Hinrichtung 65

V. DAS LEEREGRAB 69

Ein historischesEreignis 69

Hat Jesus dieKreuzigung überlebt? 71

Arzt, hilf dirselbst! 74

Literaturverzeichnis 77

 

ERSCHIENENE REZENSIONEN

erschienen in: freidenker/in, 03/08, Jürgen Bilik

Jürgen Misch bietet einen komprimierten und leicht lesbaren Überblick bezüglich der historischen Tatsachen. Er orientiert sich hierbei - abgesehen von eigenen Untersuchungen - an Positionen religionskritischer Autoren. Jesus war demnach nicht Sohn des Josef, sondern er verdankt sein Leben vielmehr einem Seitensprung von Maria mit dem römischen Legionär Pantera. Zur Untermauerung dieser These wird auf das Grab des Tiberius Julius Abdes Pantera hingewiesen, das 1859 bei Grabungen in Bingerbrück entdeckt worden ist. Jesus war Anhänger des Johannes und vertrat wie dieser eine antirömische Ideologie. Ebenso wie dieser wandte sich Jesus mit einer Botschaft ausschließlich an Juden. Der historische Jesus verkündete auch kein Himmelreich, sondern das Reich Gottes, welches die Wiederherstellung des jüdischen Gottesstaates impliziert. Er vollbrachte keine Wunderheilungen, sondern war einer jener Heiler, die magische Rituale praktizierten. Jesus, der vermutlich verheiratet war, versammelte unter seinen Jüngern auch aktive Widerstandskämpfer. Er trat als durchaus militanter Messias und zukünftiger König der Juden auf, weshalb er von den Römern aus politischen Gründen gekreuzigt wurde. Die wahrscheinlichste Erklärung für die Auferstehungslegende ist, dass Jesus die Kreuzigung überlebte und von Essenischen Glaubensbrüdern in Sicherheit gebracht wurde.
Da Jesus als gescheiterter Messias in keiner Weise als Erlöser geeignet war, wurde seine Lehre von den Evangelienschreibern massiv verfälscht. Der eigentliche Erfinder des Christentums war Paulus, der Jesus nie begegnet war und in seinen Briefen auch kaum Informationen über dessen Lehre liefert. Die tradierten Evangelien enthalten Großteils Erfindungen, verschleiern die Rolle von Jakobus und den eigentlichen (jüdisch stämmigen) Anhängern des Jesus, und sind von einer massiven antisemitischen Tendenz geprägt. Der unhistorische Charakter dieser Darstellungen wird außerdem anhand von zahlreichen Parallelen in den Lebensbeschreibungen von Buddha und Krischna demonstriert.
Das vorgestellte Werk bietet die vermutlich leserfreundlichste deutschsprachige Darstellung eines realistischen Jesusbildes und sollte daher eine Pflichtlektüre für all jene sein, die sich über den historischen Jesus informieren möchten. Allerdings können nicht alle Behauptungen und Thesen des Verfassers kritiklos übernommen werden. Dass Jesus der Sohn des Soldaten Pantera war - mittlerweile ist diese Hypothese beinahe ein Topos in der christentumskritischen Literatur - beruht auf einer von jüdischen Gelehrten konstruierten Pseudoetymologie. Diese Erklärung war gegen das aufstrebende Christentum gerichtet und sollte eine gewissermaßen ironische Interpretation der Behauptung bieten, Jesus sei der Sohn einer Jungfrau (gr. parthenia). Problematisch ist auch der Hinweis auf antisemitische Tendenzen im Neuen Testament. Da die frühesten Christen (wie z. B. Paulus) oft selbst Juden waren, können diese nicht als Antisemiten bezeichnet werden. Die Tendenz der Evangelien und Paulusbriefe ist, da in diesen Schriften in erster Linie die jüdische Religion und die "ungläubigen" Juden kritisiert werden, korrekterweise als antijudaistisch einzustufen, wobei im weiteren Verlauf der Geschichte die Grenzen zwischen diesen Bezeichnungen zunehmend verschwimmen. Ebenso kritisch zu beurteilen ist die Rekonstruktion des Testimonium Flavianum, da diese philologischen Versuche über keinerlei methodische Grundlagen verfügen. Bezüglich der Auferstehungslegende wird den Evangelien-Berichten zu viel Glauben geschenkt und Misch versucht daher hier eine überaus hypothetische rationalisierende Interpretation. Aus diesem Umstand ist dem Verfasser aber kein Vorwurf zu machen, da quellenkritische und wissenschaftlich akzeptable Untersuchungen zu dem "Phänomen" Auferstehung immer noch ein Desiderat darstellen (vgl. Freidenker/In, 4/07, 16-19). Zu Kritik Anlass geben allerdings die fehlenden Quellenangaben.

Zusatzinformation

Gewicht 0.1300
Lieferzeit 2 - 6 Werktage