Götter, Griechen und Germanen Band 1

Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage. Eine Entwicklungsgeschichte der germanischen Religion. Band 1

Norbert Lönnendonker
ISBN: 978-3-941216-75-4
Veröffentlicht: September 2013, 1. Auflage, Einband: Broschur, Abbildung und Tabellen: 37 Abbildungen und 8 Tabellen, Seiten 394, Format DIN A5, Gewicht 0.6 kg
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Norbert Lönnendonker

Götter, Griechen und Germanen

Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage.

Eine Entwicklungsgeschichte der germanischen Religion. Band 1

394 Seiten. Format: DIN A5, kartoniert. 37 Abb. und 8 Tab. ISBN: 978-3-941216-75-4. Preis: 27,90 Euro.
RHOMBOS-VERLAG, Berlin 2013

Der erste Band dieser Trilogie beschäftigt sich mit den Orten und Ortsnamen, welche das toponymische Gerüst der sogenannten Deutschen Heldensagen bilden. Man wird bemerken, dass die Toponymie vornehmlich auf dem Teil der Heldensage beruht, welcher einerseits »Kudrunsage« und andererseits »Thidrekssaga« genannt wird. Die Kudrunsage ist in frühneuhochdeutscher Schreibung im Ambraser Heldenbuch erhalten.
Die Thidrekssaga ist in altwestnorwegischer Sprache – in einigen Handschriften auch in altisländischer und altschwedischer Schreibung. Der Verfasser hat bis auf Ausnahmen für Letztgenannte die Übersetzung von Friedrich Heinrich von der Hagen benutzt.
Das Nibelungenlied erweist sich in allen Handschriften als ungeeignet als Quelle von Toponymen, da es zu wenige Ortsnamen enthält, die dazu noch meist Phantasienamen sind. Ausnahme ist der Beiname Hagens – von Tronje.
Erstmals wurde das gesamte ON-Gerüst der Kudrunsage vollständig mithilfe toponymischer Literatur bearbeitet. Die Ergebnisse sind erstaunlich und passen auch sehr gut zu den Ergebnissen von Jakob Grimm und Wolfgang Jungandreas. Es taucht innerhalb des ON-Gerüstes der Kudrunsage sogar Tronege, Tronie (Tronyn, Trony) in unmittelbarer Nähe zu den ON Nîflant und Matelâne auf.
Das ON-Gerüst der Thidrekssaga ist ein niederdeutsches Gerüst, welches sich bis an den Niederrhein und den Mittelrhein erstreckt. Die Interpretation wird dadurch erschwert, dass die Verfasser (Redaktoren) häufig – wenn nicht immer – eine Komponente des ON verändert oder weggelassen haben, was schon  William J. Paff aufgefallen ist. Die Ortsnamen sind bis auf Ausnahmen nicht nordisch – genau wie die Namen der Helden im Allgemeinen niederdeutschen Ursprungs sind.

 

Vorwort

Es ist schon eine Weile her, dass der Verfasser dieses Buches seine ersten Eindrücke von der germanischen Göttersage in »Als die Götter noch jung waren – Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage« veröffentlicht hat.
In der zurückliegenden Zeit gab es unterschiedliche Reaktionen, welche sich darin einig waren, dass eine sehr ungewöhnliche Sicht der Dinge vorgestellt wurde. Ein mir bekannter Schriftsteller äußerte sich in gedämpftem Tonfall dahingehend, aber ohne dass er diese Ansicht augenscheinlich an die Große Glocke gehängt wissen wollte, dass er mir ja glaube, dass die »Helden« Siegfried, Dietrich von Bern und Hagen von Tronje ehemals Götter gewesen seine, aber ich selbst glaube doch nicht etwa, dass alle »Helden« der Sage ehemals Götter gewesen seien.
Nun, dass wörtlich genommen ALLE ehemals Götter gewesen seien, lässt sich in der Tat nicht beweisen, vor allem, da – meiner Meinung nach – zumindest der König Salomon der Thidrekssage ehemals ein großer König und damit geschichtlich gewesen ist. Ob er in der Sage nur mit Seinesgleichen – lebenden Menschen – verkehrt, oder ob die Sage ihn auch mit Göttern, gefallenen oder wie Hermann Usener sich ausdrücken würde »abgesunkenen Göttern« verkehren lässt. Es existiert also innerhalb der Thidrekssaga, der Meinung des Autors nach, beides: die Göttersage und die Sage über einen großen König.
AVRAM KOKHAVIV (HORST LUMMERT) stellte zur Diskussion, ob man überhaupt schreiben könne »Als sie Götter noch jung waren«, denn Götter seien niemals jung gewesen. Das ist nach Meinung des Autors zu sehr vom Monotheismus her gedacht, obwohl man auch hier unterschiedlicher Auffassung sein kann, denn manchen Autoren zufolge ist der Gott Jahwe der ursprüngliche Stammesgott der Israeliten und auch dieser muss in der Jugend des Stammes zwar ein Vatergott, aber eben auch »jung« gewesen sein.
Die übrigen – seltenen – Rezensenten stellen die Auffassungen der Heldensage und die der Göttersage bestenfalls nebeneinander und machen sich Gedanken darüber, was denn die »Fachwelt« zu den Thesen des Autors sagen werde, ja, ob sich diese den Thesen vielleicht sogar anschließen werde, oder eben nicht! Meiner Meinung ist der Unterschied zwischen der Auffassung, bei der Sage könne es sich auch um die verloren geglaubte Göttersage der Germanen handeln und der, dass es sich um eine bestenfalls mittelalterliche Heldensage handele, eine Gegenüberstellung der beiden Thesen wird freundlicherweise von JOACHIM HEINZLE vorgenommen, während – soweit ich es überschaue – die meisten anderen Autoren einer Heldensage zuneigen, weil diese der Auffassung sind, die Helden der Deutschen Heldensage seien »historisch nachgewiesen«. Der letzteren Auffassung ist der Autor – wie dieses Buch zeigen wird – nachgewiesenermaßen nicht! Für ihn existieren beim geschichtlichen Nachweis der Helden derart viele Ungereimtheiten, dass man die Geschichtlichkeit der Helden eigentlich mit Überzeugung verneinen müsse, würde man sich lediglich an HERMANN USENER halten, denn Zweifel an der Existenz der Heroen der griechischen Sage bedingen immer die Annahme, dass es sich bei den Heroen um ehemalige Götter handele.
Die Ansicht des Autors hat aber noch andere wichtige Konsequenzen. Sollte sich die Urteilsfähigkeit des Auditoriums kurzfristig erhöhen und man zu der Ansicht kommen, dass die Zweifel am Göttercharakter der Helden ausgeräumt seien, dann würde es zu einer geradezu paradiesischen Vereinfachung kommen. JOACHIM HEINZLE könnte weiterhin die Auffassung vertreten, die Nibelungensage sei nichts als Dichtung, denn Göttersage ist Dichtung in der reinsten Form, die Suche nach dem »Schatz der Nibelungen« - (oder besser dem Schatz Siegfrieds) würde endlich aufgegeben, und die Deutschen würden sich damit abfinden, dass sie doch nicht so viele Helden brauchten, wie sie immer geglaubt haben.
Vielleicht ist es erlaubt in diesem Zusammenhang einen weiteren problematischen Zahn der Heldensage zu ziehen:
Wie viel Theaterdonner und Bühnenillumination – von Tricktechnik gar nicht zu reden (und in der Zukunft von Computeranimation auch) –, wenn der Drache und der Drachenkampf endlich im Orcus versinken würde.
Der letzte zu ziehende Zahn hängt an dem Wort Drekanfils, einer „Burg“ in der die neun Töchter König Drusians herrschen, als ihre Mutter die Ehefrau Eckes gestorben war. Eigenartigerweise ist niemals in der Thidrekssaga die Burg Drekanflis auf irgendeine Weise mit einem Drachenkampf verknüpft und infolgedessen ist die Übersetzung Drachenfels mehr als gewagt (Nach Wikipedia stammt hier der Name Drachenfels vom Gestein des Felsens, Trachyt her.) . Erinnern wir uns nur an den Ort Aldinflis, welcher schon mindestens seit HOLTHAUSENS Zeiten als die gleichnamige „Burg“ bei Brilon identifiziert ist. Die zweite Komponente des Namens – fils- bedeutet im Westfälischen „Filz“ ein Dickicht aus kurz gehaltenen Buchen und Hainbuchen. Wenden wir uns nun der Komponente Drekanflis- zu so bedeutet doch »dreccan« nach dem indogermanischen etymologischen Wörterbuch von JULIUS POKORNY „reizen, plagen“ und Drekanflis somit „der plagende (lästige) Filz“. Wo der Ort liegt, ist unbekannt, haben sich doch nicht alle Filz-Namen so lange erhalten, wie der von Aldinflis.
Drachen ade, Drachenfels ade – aller Wahrscheinlichkeit auch der bekannte Drachenfels* am Rhein, denn wenn der Name durch überbordende Phantasie aus Drekanflis entstanden sein sollte, hat der Berg des Siebengebirges einen reinen Phantasienamen. Nicht gerade ein Fels auf dem man aufbauen kann, sondern im Grunde ein Missverständnis.

Norbert Lönnendonker
Bergneustadt, den 3. Mai 2010

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1    15
Mühen und Ärger, Pläne und Vorhaben    15
Dreck- nein Druckfehler    15
Alte finstere Absichten und Pläne    18
Alte Geschichte(n)    20
Mythologie und Göttersagen    21
Rezeptionsgeschichte    27
Mythologische Essentials:    29
Bedeutung der Entdecker    29
Das implantierte Vorurteil    34
Programmatisches Fazit    36


Kapitel 2    47
Endlich Karten satt!    47
Die Toponymie der Thidrekssaga    47
Lokalisierungen in Kurzform    49
Diskussion Thidrekssaga-Toponymie    72
Streitiges    73
Beispiel für die Nützlichkeit der Thidrekssaga von anderem Autor    81
Verbreitung des Suffix –unga in Mitteleuropa    85


Kapitel 3    89
Weitere Sagen und deren Toponymie    89
Toponymien anderer Sagen    89
Die Toponymie des Nibelungenliedes im klassischen Verständnis    89
Spekulation über die wahre Lage des Santen des Nibelungenliedes    93
Keine Spekulation über das Tronege, Trony des Nibelungenliedes    93
Abweichende Schreibweisen von Tronje in HS A    95
Kartenausschnitte aus Karten von Blaeu    96
Kontroverse um Wülpensant    97
Weitere Kartenausschnitte    98
Die Entdeckung von »Dänemark« in Frankreich    99
Die vermaledeite Metrik    102


Kapitel 4    104
Ausflug in die Namenkunde    104
Darf man mit Postulaten arbeiten?    104
Muss man mit Postulaten arbeiten?    107
Die Bedeutung und das Alter von Herkunftsnamen    109
Sind Umbennungen von Orten möglich?    113
Werden Ortsnamen in kirchlichen Akten anders genannt?    114
Gibt es Umbenennungen von Göttern?    116
Götternamen als Namen von Menschen    117


Kapitel 5    123
Kein England weit und breit    123
England fehlt    123
Was ist mit Ungarn?    128
Was ist nun mit Dänemark?    130
Norwegen    131
Island, oh Schreck lass nach    132
Kein König von Irland?    138
Hypothese über die Herkunft und die Bedeutung des
dichterischen Namens »Tarlunga-land« in der Thidrekssaga    144


Kapitel 6    149
Indien und Portugal zwischen Schelde und Marne    149
Wülpensant    150
Wâleis    151
Abakîe    152
Abalî    153
Alzabê    153
Arabê    154
Baljân    155
Dietmers    157
Franke    158
Frideschotten    159
Friesen    161
Gâleis    162
Galitzenlant    163
Garadê    164
Gîvers    165
Hegelinge(n)    167
Holzânelant    169
Ikarjâ    170
Indîa    171
Campalîe    172
Îserlant    173
Karadê    174
Kassiâne    175
Matelâne    175
Môrlant    179
Nîflant    180
(N)orman(d)îe(lant)    183
Nortlant    184
Norwaege    188
Pôlân    189
Portigâl    190
Sahse    191
Salmê    191
Sêlant, Sêwen    193
Spânisch    194
Swâben    196
Stürmen, Sturmlant    197
Wâleis    198
Tênen    198
Toponymisches Fazit    199
„Endlich“ Unterstützung    206


Kapitel 7    213
Große Strecken und kleine Entfernungen    213
Der Weg der Helden von der Eidiss nach Berne.    213
Start an der Eidiss    214
Zug in den Süden    215
Spuren im Stein    216
Wege der Helden    219
Mixtura Carolii    221
Inhalt des Sagenteils    222
Schauplatz des Sagenteiles    223
Belege aus der Sage    225
Weitere geographische oder toponymische Identifizierungen    227
Karl ist gemeint, aber welcher?    231
Kommt Aachen in den Kapiteln über Apollonius vor?    232
Beitrag Karls II. – des Kahlen    234
Die völlig andere Sage innerhalb der Sage von Iron und Isold    235
Hypothesen über Absichten des Dichters    236
Eine gewagte Hypothese über die Struktur der Sage    236
Weitere Hypothese über einen Namen    238
Fazit    240
Ungereimtheiten der Sagengeographie    246


Kapitel 8    249
Die Harlungensage innerhalb der Thidrekssaga    249
Die Reise der Harlungen von Romaborg nach Fritila    254
Babilonia    261
Weitere Doubletten der Sagenlokalisation    270
Bergara    278
Ein weiteres „Bergara“    305


Kapitel 9    309
Ausritt in die Mythologie    309
Exkurs über den griechischen Gott Apollo    310
Exkurs über den obersten griechischen
Gott Zeus im Wandel der Zeiten    315
Hypothese zu bartlosen Zeusdarstellungen    316
Der Name des Zeus    317
Die Stärke des Zeus    317
Informationen über Poseidon    318
Die Funktion des „höchsten Gottes“    320
Der große Usurpator    320
Auffälligkeiten in der Rolle und der Funktion Odin/Wotans    320
Der kleine Usurpator    327
Auffälligkeiten in der Rolle und der Funktion Thors/Donars    327
Gibt es in den anderen indoeuropäischen Sagenwelten  
auch usurpierte Sagen?    329
Religionsgeschichtliche Nomenklatur    330
Diskussion anhand von Beispielen    333
Dritte Reizung zum Kampf    334
Diskussion über die Beinamen Odins    343
Die Entstehung persönlicher Götter nach Usener    347
Theophore Begriffe und Symboltiere von Göttern    354
Der Löwe als Symboltier    356
Grammatik der Mythologie    363


Anhang    367
Sigel der Archive und Bibliotheken (Gysseling)    367
Literaturangaben Roesler, Geographie der Kudrun    375
Von Roesler zitierte mittelhochdeutsche Literatur mit
Ausnahme der Kudrun    375
Liste der Abbildungen    380
Liste der Tabellen    382
Literaturverzeichnis    383



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