Götter, Griechen und Germanen Band 3

Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage. Eine Entwicklungsgeschichte der germanischen Religion. Band 3

Norbert Lönnendonker
ISBN: 978-3-941216-77-8
Veröffentlicht: September 2013, 1. Auflage, Einband: Broschur, Abbildung und Tabellen: 23 Abbildungen und 6 Tabellen, Seiten 348, Format DIN A5, Gewicht 0.6 kg
Lieferzeit: 2-3 Tage
Verfügbarkeit: Auf Lager
24,80 €

Götter, Griechen und Germanen Band 3

Mehr Ansichten

Details

Norbert Lönnendonker

Götter, Griechen und Germanen

Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage. Eine Entwicklungsgeschichte der germanischen Religion. Band 3

348 Seiten, Din A5, 23 Abbildungen, 6 Tabellen. Broschur. Band 3: 978-3-941216-77-8. Preis: 24,80 Euro.

RHOMBOS-VERLAG, Berlin 2013

Die Bände 2 und 3 dieser Trilogie beschäftigen sich vornehmlich mit mythologischen Fragen, die zum Ergebnis haben, dass die sogenannten „Heldennamen“ im Sinne Hermann Useners „abgelegte Götternamen“ und „abgelegte Götterbeinamen“ sind. Die Namen der Götter waren in der Frühzeit bedeutend zahlreicher, als uns das aus der griechischen Antike bewusst ist, aber die griechische Religion kennen wir auch „lediglich“ aus der Sicht Homers und Hesiods; die Religion des Volkes kennen wir im Allgemeinen nicht.
Diskutiert werden die Namen der „Helden“: Walther, Gunther, Siegfried, Hagen (von Tronje), Hamlet, Viglet, Detleif der Däne, Ermenrich, Attila und „verschiedene“ »Hildas«. Weiter finden sich die „Helden“ Sintram, Herbort (Herburt) und Herdegen, von welchen einer wiederum mit einer Hilda zusammenkommt.
Wie in den Kapiteln der Bände 2 und 3 dargestellt wird,  ergeben sich häufig Berührungen mit einer anderen Toponymie von Kultorten germanischer und keltischer Gottheiten.
Das Ortsnamengerüst (der Kudrun- und der Thidrekssaga) bleibt bis auf Ausnahmen zeitlich auf die Jahre zwischen 800 und 1200 n. Chr. beschränkt. Es spiegelt also in Bezug auf die Schreibweisen die Zeit der mutmaßlichen Verschriftlichungen von Teilen der Sage wider. Zweisprachigkeit – keltisch, germanisch – bleibt eine zum Teil belegte Möglichkeit.

Vorwort

Ausgehend von der Vermutung JAKOB GRIMMS: „vielleicht bezeichnet sigg die borstige haut“?, die er auf die Zeile hans horund var svâ hart sem sigg villigaltar (Vilk. saga cap. 319; vgl. Grimm, Jakob, Deutsche Mythologie, Bd. 1-3, ISBN 3-922383-68-8, hier Bd. III, S. 112 cap. XV. Helden.), nahm der Verfasser es als gegeben an, dass ‚sig‘ in dem an lediglich fünf Stellen in der Thidrekssaga auftauchenden Namen Sigfrœðr das gleiche bedeuten könnte. Ganz gegen die von uns allen bisher geäußerte Ansicht wäre also der Name auf ein altnordisches Wort für „Schwarte“ zurück¬zu¬führen und nicht auf das germanische *sega (Sieg).
Da es aber in unserem neuhochdeutschen Wort „Sicke“ für z. B. für eine ge¬presste rinnenförmige Vertiefung in einem Blech, die vornehmlich der Verstärk¬ung dient, ein Äquivalent gibt, ist anzunehmen, dass das Wort im Deutschen ebenfalls – wenn auch verborgen – gelebt hat. Es muss allerdings lange im Wortschatz geruht haben, denn ich finde es nicht im Grimmschen Wörterbuch.
Was aber bedeutet dann die zweite Komponente des Namens? Meine Antwort wird Widerspruch hervorrufen, denn sie zählt zu den revolutionären Ansichten, die man ungern zur Kenntnis nimmt. Der germanische Gott Frô, dessen hochdeutscher Name schon in gemein-westgermanischer Zeit nur noch eine Bezeichnung für den Gefolgsherren war, den man aber gelegentlich durchaus noch als alte tabubeladene Bezeichnung „Herr“ für einen Gott nimmt, dessen eigentlicher Name nicht ausgesprochen werden durfte, eine Erscheinung, die wir auch aus dem alten Israel und anderswoher kennen. Der Namensträger gilt also als vom heiligen Eber des Gottes Frô gezeugt, der auf der theriomorphen Stufe natürlich mit Frô identisch ist und somit als Sohn eines Gottes.
Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass die neue Interpretation eines Heldennamens das Eine ist, aber seine wahre Bedeutung das Andere. Namen sind zwar nach JÜRGEN UDOLPH die Friedhöfe der Wörter, aber manchmal sind auch die Grabsteine wahrhaftig mehr als schwer lesbar. Niemand kann uns sagen, was der Name wirklich bedeutet, denn die Sage arbeitet bekanntlich nicht mit Fußnoten.
Der Verfasser war aber von vorneherein der unerschütterlichen Überzeugung, dass auch die Interpretation des Namens sich in der germanischen Sage ‚irgendwo‘ verbergen müsse, man habe sich nur in Geduld zu üben.
Und in der Tat: eines schönen Tages studierte er den SAXO GRAMMATICUS in einer neuen Übersetzung von HANS-JÜRGEN HUBE, wo seine Aufmerksamkeit durch eine Anmerkung geweckt worden war, die auf die ‚Heldin‘ Brunhild Bezug nahm. In dieser Sage geschieht Folgendes: Der Held Hamlet (Amlethus) ersticht einen Höfling namens ‚Wurm‘, zerstückelt diesen, siedet die Stücke und wirft sie Schweinen zum Fraß vor.
Wenig überraschend für einen an Sagen Interessierten, dass dem Verfasser die Sage bekannt vorkam.
Mb 166 (Hundertsechsundvierzigstes Kapitel, Sigfrid erschlägt Regin; Mb 166.):
Es war aber schon hoch am Tage, und er sah wohl, daß er zum Abend nicht mehr heimkommen würde: er wußte nun aber nicht, wo er sich Speise hernehmen sollte: da kam ihm zuletzt eins in den Sinn, daß er den Lindwurm sieden, und dieser ihm heute zur Nachkost dienen könnte. Er nahm also einen Kessel, füllte ihn mit Wasser und hängte ihn übers Feuer; darauf nahm er seine Axt und hieb große Stücke ab von dem Wurme, bis daß sein Kessel voll war; da hatte er genug zu seiner Speise. Und als er dachte, daß es gar sein könnte, tauchte er seine Hand in den Kessel: und da wallte es in dem Kessel, und er verbrannte sich Hände und Finger, und steckte sie darauf in den Mund, um sie zu kühlen.
Da haben wir doch die allzeit gesuchte Fußnote der Sage. Wenn Hamlet den zerstückelten und gesottenen ‚Wurm‘ den Schweinen zum Fraß vorwirft, muss Siegfried eben von einem Eber abstammen, mit einen Wort – ein Halbschwein sein!

Bergneustadt, den 20.10.2010
Norbert Lönnendonker

Inhaltsverzechnis

Vorwort    5

Danksagung    7

Beklagenswertes    8

Kapitel 16    13
Amlethus und die dänische Verbindung    13
Amlethus    13
Mythologisches Fazit    44
Der Name Hamlet    46
Der „andere“ Fruchtbarkeitsgott    48
Der Name Detleif    63
»Genealogisches« unter den Fruchtbarkeitsgöttern    64
Mythologisches Fazit    71

Kapitel 17    77
Stringenz und Systeme    77
Vorwürfe und Kritik    77
Sünden wider die Stringenz    82
Das beliebte Topos »Mittelalter«    90
Göttersystematik    97
Die mangelnde Stringenz der italienischen  Toponymie in der Thidrekssaga    120
Mangelnde Stringenz für eine »südliche« Toponymie    126
Die Notwendigkeit in der Sagenforschung,  sprunghaft und assoziativ zu denken    128

Kapitel 18    129
Farben    129
Die Farbe Blau    130
Die These von der Schwäche der Blauwahrnehmung    134
Das fehlende Blau im Nibelungenlied    138
Unterschiedliche Sensibilität für Blau für nördliche und südliche Menschen    140
Gibt es „angesippte“ Farben?    147
Blaue Pflanzen als Heilmittel    151
Blaue Farbe als Heilmittel    152
Das Blau als reine Zauberfarbe?    153
Das große Tabu    154
Wäschewaschen im Meer ist unmöglich    158
Ersatz für »Blau«    159
Die Farbe Rot    165
Die Farbe Braun    175
Die Farbe Grün    177

Kapitel 19    179
Merowinger und andere Betroffene    179
Die Merowinger – Die Langobarden    179
Langobarden    194

Kapitel 20    201
Helden- oder Göttersage    201
Das Gedankenexperiment    201
Heilige, „Heilige“ und „Volksheilige“    210
Der Hl. Dionysius    211
Der Hl. Viktor von Xanten    213
St. Irmundus, Dietrich (Toutiorix) und Attila    213
Der Hl. Laurentius    218
Crispianus u. Crispinianus    223
Die Hl. Brigit    223
Die Matronen    227
Die Hl. Gertrud    228
Isis im Aachener Münster    232
Der Hl. Bavo von Gent    238
Ansichten eines katholischen Landpfarrers    240
Ansichten eines nicht ganz unbekannten Papstes    242
Der Vorname Michael    247
Andere mutmaßliche Kultorte in den Sagen    250
Schriftlose Kultorte    250
Ersatz von Göttern durch Heilige    257

Kapitel 21    259
Wer zur Hölle ist Attila?    259
Was die Sage bis in alle Ewigkeit bewahrt    259
Spottnamen    262
Der Name im Norden    269
Der mutmaßliche altgermanische Name    271
Oder eher ein altsächsischer Name?    273
Das Problem der »Vergeiselung« Hönirs    275
Der Unterschied zwischen Asyl und Geiselstellung    276
Was berichtet die Sage darüber?    279
Der Vorwurf der Feigheit    283
Die »Ehefrau(en)« Attilas    284
Silbenfolgen und Folgesilben    299
Mythologisches Fazit    307
Methodologisches Fazit    314

Nachwort    319
Was machten die anderen?    319
Was habe ich eigentlich gemacht?    330
Abbildungen    337
Tabellen    338
Literaturverzeichnis    339

Zusatzinformation

Gewicht 0.600
Lieferzeit 2-3 Tage