Die Schatzkammern von Chemnitz

Nur eine Saga der uralten Stadt?

Hans-Dieter Langer

Kurzübersicht

Nur eine Saga der uralten Stadt?
ISBN: 978-3-930894-70-3
Veröffentlicht: 2002, -. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 444, Format DIN A4, Gewicht 1.18 kg
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Die Schatzkammern von Chemnitz

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Details

Wenn man in dunkles Unbekanntes vorstoßen will, benötigt man eine Erleuchtung, denn das Licht am Ende des Tunnels kann lange auf sich warten lassen. Folglich erkannte der Autor eines Tages, dass die Zeit reif ist, die Chemnitzer Siedlungsurgeschichte zu untersuchen und den Geheimnissen der städtischen Unterwelt auf die Spur zu gehen.

Es reifte zudem die Erkenntnis, wonach Dichtung und Wahrheit des Wissens über die sehr ferne Chemnitzer Vergangenheit anscheinend irgendwo zwischen der Antwort auf zwei Fragen liegen: Wie phantastisch ist eine Legende? und „Wie viel Wahrheitsgehalt steckt in der wissenschaftlichen Arbeit eines Historikers oder eines Archäologen? 

Es stellte sich heraus, dass man zwischen mythisch und romantisch, märchenhaft und fachlich etwa die Mitte suchen musste, um nach Möglichkeit alle wichtigen Facetten des erstaunlichen Geschehens zu erfassen und um hoffentlich möglichst viele Leser zu erreichen. Man sollte allerdings das Werk nicht gleich als Roman oder Märchen verdammen, den Mythos der großen Vergangenheit von Chemnitz trägt es jedoch bewusst in die Zukunft. Als Fachbuch erhebt es den Anspruch, gerade durch die vielen wörtlichen Zitate und die zahlreichen neuen Bestandsbefunde als besonders exakt zu gelten. Nicht Vollendung motivierte, sondern eher Mahnung, endlich zu beginnen. Die Glanzlichter von Chemnitz liegen in der Vergangenheit. Zündet man sie nach und nach wieder an, so formiert sich wie von Geisterhand wieder eine Zukunft. Jedenfalls verspricht das so ähnlich ein bekanntes Sprichwort. 


 

Geheimnisvolle Schatzkammern
Unterirdische Gänge faszinieren die Menschen vermutlich vor allem wegen der Möglichkeit von darin hinterlegten Schätzen. (Deshalb sind die Bernsteinzimmer so in Mode.) Wenn es um die Schatzkammern geht, so darf man allerdings nicht nur an echte Hohlräume denken. Diese sind nämlich oft genug mit dem Abfall der Altvorderen verfüllt, meistens sogar nur mit mineralisch Unbrauchbarem, andere auch mit taubem Gestein. Womit wir bei den Klüften der Urzeit, den eigentlich begehrlichsten Schatzkammern der Erde angekommen wären. Die Phantasie kennt keine Grenzen, wenn man der geschundenen Erdkruste gedenkt, die im Höllenfeuer geboren wurde und trotzdem schon damals an das Wohl des Menschen dachte. Krachend ließ sie die Risse bis zur Oberfläche stürzen, wodurch das  Spiel der Platten und Thermen erst einen Sinn bekam. Klammheimlich schloß sich dem hydrothermalen Strom das ganze Periodensystem an. Vor allem, wenn es um Gold und Silber ging, wurde in der Tiefe getuschelt und getauschelt, so dass der berühmteste Chemnitzer, Georgius Agricola, ganz schön ins Grübeln kam. Auch der Teufel gab nie auf und nutzte den gleichen Weg durch die Erdkruste, um den Druck seines Fegefeuers zu regulieren.
Die Folgen waren für die Gegend verheerend, doch selbst in dieser tödlichen Phase wurden Schatzideen für die Ewigkeit realisiert. Bei allen diesen Gelegenheiten wurde die eine Art der Chemnitzer Schatzkammern geschaffen und teilweise bis zum Bersten gefüllt. Dann kam der Mensch.
Vermutlich seinen Nöten und ganz bestimmt seinen Bedürfnissen ist es zu verdanken, dass eine phantastische Unterwelt durch ihn hinzugekommen ist. Als er zudem von den unterirdischen Schätzen aus der Urzeit erfuhr, machte er sich auch diese erfolgreich zu nutze; Jahrhunderte lang, alles zu seiner Zeit, manches eher, anderes später. Die Schatzquellen sind eigentlich nie richtig versiegt.
Und als die Not am größten war, wurden die Chemnitzer sogar von den dankbaren Berggeistern gerufen. Sie boten ihnen in der Stunde Null den besten Schutz und der Stadt wieder eine Zukunft. Doch ein halbes Jahrhundert reichte, den einstigen Reichtum der Stadt fast völlig vergessen zu machen. Deshalb versucht der Autor, an die vielen Episoden zu erinnern. Vielleicht lohnt es sich, den einen oder anderen historischen Schatz wieder zu entdecken oder bewusster zu machen, und vor allem zu bewahren.
Wenn vor 57 Jahren 10.000 Menschen darin noch ihre einzige Überlebenschance erkannten, haben ihr ebenso viele seit dem 15. Januar 1999 den Besuch abgestattet. Ja, die Eröffnung der Unterirdischen Gewölbegänge im Kaßberg zu Chemnitz hat schon wieder Geschichten geschrieben. Auch die Erinnerung daran sowie an viele ungenannte Bürger, die mit ihrer Hilfeleistung oder Spende zum Gelingen beigetragen haben, muss man, einem wichtigen Anliegen des Buches folgend, unbedingt wach halten.
Natur und Mensch haben die Chemnitzer Schatzkammern in einem zeitweise überaus dramatischen Schauspiel erstellt, gefüllt und wieder entleert. Es ist schon so, als hätten sich beide ergänzt, ohne sich dabei zu erschöpfen. Im Gegenteil, die weitere Zusammenarbeit dieser Kräfte könnte und sollte zeitgemäß erweitert werden, zum Wohl und Ruhm der Stadt.


Der Autor:
Dr. Hans-Dieter Langer studierte Physik in Dresden, promovierte in Ilmenau und habilitierte sich an der Technischen Universität Chemnitz, wo er auch als Hochschullehrer tätig war. Im Jahr 1991 gründete er den Sächsischen Verein für Forschung e.V., dessen Vorsitzender er ist und der am 15. Januar 1999 die unterirdischen Gewölbegänge im Kaßberg in Chemnitz eröffnete. Dr. H.-D. Langer bezeichnet sein Forschungsgebiet als Siedlungsphysik.
Er hat seine Ergebnisse zu bemerkenswerten Natur- und Siedlungsphänomenen bereits in zahlreichen Zeitschriftenbeiträgen, Vorträgen und Ausstellungen publiziert.
Sein besonderes Interesse gilt der Chemnitzer Region, die ja auch mit seinem "Haus Ellen" und dem "Neutronengarten zu Niederwiesa" seine neue Heimat geworden ist.

Hier geht es zur Homepage des sächsischen Vereins für technologieorientierte Forschung und Entwicklung e.V.

 

Inhaltsverzeichnis
1. Geheimnisvolle Schatzkammern - eine Einführung
2. Mysteriöse Berichte über Chemnitz (vor der Klostergründung)
3. Etwas über die Chemnitzer Erdkruste
3.1 Ein Vulkan geht in die Luft
3.2 Georgius Agricola und der Chemnitzer Untergrund
3.3 Vortrieb im Berg
3.4 Der Silberschatz von Chemnitz
3.5 Das „trenck brünlein“
3.6 Das zarteste mineralische Naturwunder von Chemnitz
3.7 Die Legende vom Berggeist des Kaßberges
3.8 Die Klosteruhr schlug Mitternacht
4. Historisches und Kurioses über die unterirdischen Hohlräume
4.1 Historische Keller
4.2 Die Bierthese
4.3 Eröffnung der Unterirdischen Gewölbegänge im Kaßberg zu Chemnitz
4.3.1 Vergessene Terratektur
4.3.2 Der Sturm auf die Chemnitzer Unterwelt
4.3.3 Begegnungen mit dem Berggeist und Geisteshaltungen
4.3.4 Märchenhaft, wie vier Zwerge in Chemnitz versuchten, die Heinzelmännchen zu vertreiben
5. Sagenhaft, der unterirdische Bestand im Kaßberg
5.1 Der Geist im Kaßberg
5.2 Kaßberg´s Monte Christo
5.3 Wir entdecken im „Geschoßbuch“ den ältesten Stadtplan von Chemnitz
5.4 Salzkammern im „Caßperg“
5.5 Wo genau waren die „Alten Bierkeller“?
5.6 Kaum zu überblicken: Die Geister, die ich rief
5.7 Im Auf und Ab meldet sich eine verschollene Unterwelt zurück
5.8 „Mein“ oder „Nicht mein“, das ist hier die Frage
5.9 Kanonendonner vom „städtischen Balkon“
5.10 Die „Katzberg-Keller“ sollten der Rückeroberung von Chemnitz dienen
5.11 Leben im Kernstrahlungsfeld der unterirdischen Gänge
6. Im Abgrund des Chemnitzer Bergheiligtums
6.1 Die Sage vom Abt und der Schäferin
6.2 Auf der Suche nach dem Gang vom alten Kloster zu Chemnitz nach Rabenstein
6.3 Das Rätsel vom Kellerhaus
6.4 Ein System unterirdischer Gänge auch im Schloßberg!
6.5 Geistreicher Zeitengang zu den Chemnitzer Bergen
7. Über die misslungene Vernichtung des Gangsystems im Kapellenberg
7.1 Geschichten vom Nikolai-Berg
7.2 Nach Bomben der Angriff der Bagger
7.3 Christian, der Bohrturm schwankt!
7.4 Was bleibt?
8. Schatzkammer Beutenberg
8.1 Der Schatz im Bürgerwald
8.2 Vorstoß in den Beutenberg: Ein unterirdischer Gang und „verschollene“ Geschichte
8.3 Die Botschaft der „Weißen Deponie“
9. Unterirdische Gänge auch in der Innenstadt
9.1 Flucht aus dem Feuer am Roten Turm
9.2 Baumaßnahmen lüften ein unterirdisches Geheimnis
9.3 Wasser für die Bleiche - eine Fälschung der Chemnitzer Geschichte?
10. Höhlenforscher auf Schatzsuche im Chemnitzer Untergrund
10.1 Die Angst der Höhlenforscher
10.2 Das einzige Bernsteinnebenzimmer, und wir schlachten heilige Kühe
10.3 Geheimnisvoll, so weit das Auge reicht
11. Neuere Nutzungen der Chemnitzer Unterwelt
11.1 Luftschutzstollen retten 10.000 Chemnitzern das Leben
11.2 Frau Schiller, der älteste Zeitzeuge
11.3 „Stasi“ - und der Mantel des Schweigens
11.3.1 Das Bunker-Projekt Kaßberg
11.3.2 Ein komfortabler „Schießkeller“ verrottet
11.3.3 Kriechgänge und letzter Rückzug in Beton
11.3.4 Das zweite Musikspektakel im Kaßberg
12. Modellvorstellung vom Ursprung der unterirdischen Gänge
13. Quo vadis?
14. Literatur

 

 

 

 

ERSCHIENENE REZENSIONEN

 

Die Schatzkammern von Chemnitz - Nur eine Saga der uralten Stadt?

Keinem kann man es verübeln, noch sollte man im Vorab gewagte Thesen verwerfen, wenn im Streben nach Kenntnissen es gelingt, so wie dem habilitierten
Physiker Dr. Hans-Dieter Langer, "den einen oder anderen Schatz wieder zu entdecken oder bewusster zu machen, und vor allem zu bewahren".
Dies ist dem Autor vor allem mit der bemerkenswerten Bestandsaufnahme der "Schatzkammern" oder genauer definiert, der unterirdischen Hohlräume nicht bergbaulichen Ursprungs, in Chemnitz gelungen. Dazu gehört auch die akribische Zusammenstellung zum Aktenfundus. Mit Recht gilt die Erkenntnis, dass
unterirdische Anlagen schnell in Vergessenheit geraten, wenn sie nicht mehr genutzt werden, d.h. auch nicht mehr unterhalten werden und entsprechend verfallen, wo sie nicht standfest sind. Umso wichtiger ist es, die Momente zu nutzen, wenn durch bauliche oder andere anthropogene Eingriffe in den Untergrund wieder Sachzeugen der Historie ans "Tageslicht" kommen und das Interesse der Menschen erregen.
Mag nach der Meinung des Autors die Entstehung der unterirdischen Hohlräume auch vor der "Bierlagerungsphase" liegen, warum auch nicht, denn der Hohlraum im
Berg bot in historischer Zeit die einzige Möglichkeit durch seine konstante Temperatur von ca. 10° C, verderbliche Lebensmittel länger zu lagern. Zudem sind tiefe Kelleranlagen an einem Standort wie Chemnitz in einer Talaue auf Grund des Grundwasserspiegels im Allgemeinen nicht praktisch realisierbar. Darum wichen die Bürger der Stadt für eine Lagerung auf die in der damaligen Zeit optimalen standörtlichen Gegebenheiten, diese waren die "Berge" um Chemnitz, aus.
Sie konnten hier ihre Bergkeller anlegen, um die naturgegebenen Möglichkeiten zu nutzen. Auch ist es nicht uninteressant, den Gedanken von einer früheren
Besiedlung außerhalb der Talaue aufzugreifen. Immer stehen unterirdische Anlagen in direkter Verbindung mit den menschlichen Befürnissen. Sie sind, und das hat auch Belang, eventuell auch an die vorgeschichtliche oder besser "nicht mehr bekannte" Siedlungsgeschichte eines Standortes gebunden. Die Hinweise des Autors über die mystischen Berichte der Geschichte von Chemnitz vor der Klostergründung im Zusammenhang mit den unterirdischen Anlagen, insbesondere von Gängen können ein Ansatzpunkt zu weiteren Recherchen sein und natürlich können die unterirdischen Anlagen auch anderen praktischen Notwendigkeiten als Lager gedient haben.
Mutmaßungen über Ferngänge, so von Kloster Chemnitz nach Rabenstein reihen sich in die vom Autor vorgegebene Frage "Nur eine Saga der uralten Stadt?" ein.
Die Einbruchsbingen im Crimmitzschauer Wald, die als Indiz der Existenz aufgeführt werden, passen zwar in die Richtung eines möglichen Gangverlaufs. Diese
Vertiefungen können aber auch die Schützenlöcher für Mannschaft und Artillerie, der vom Volkssturm und Heer im Crimmitzschauer Wald 1945 nachweislich
aufgebauten Verteidigungslinien gegen die Amerikaner, die westlich der Autobahn lagen, sein. Nicht allen Schlussfolgerungen aus den Ausführungen muss man folgen. Aber man verstehe sie auch als gedachte Anregung zu weiteren Forschungen auf diesem Gebiet. Schon M. Much (1832-1909) sinniert in seinem Buch: Künstliche Höhlen in alter Zeit, - und dies gilt sinngemäß auch heute: "Was sind das doch für sonderbare Menschenwerke, diese künstlichen Höhlen, nah unserer Wahrnehmung und doch so fern unserer Erkenntnis, so wenig beachtet und doch so weit, Denken und Schaffen einer längst vergangenen Zeit zu erschließen." Auf jeden Fall ist es dem Autor mit seinem vorgelegten, umfangreichen Werk (436 Seiten, A4 und zahlreichen Belegaufnahmen, Tabellen und Plänen) gelungen, ein wichtiges Stück Heimatgeschichte und Forschungsergebnisse zu dokumentieren. Auch kann man sich mit ganzem Herzen dem Hinweis Hans-Dieter Langer's anschließen, eine konsequente Unterschutzstellung der Anlagen voranzutreiben. Das Buch kann unter der ISBN 33930894-70-3 bestellt werden. Es ist im Rhombos-Verlag Berlin erschienen und man kann die Beschäftigung und das Studium mit diesem Material dringend empfehlen.
(erschienen im August in der Zeitschrift "Sachsenbundkurier"; http://www.sachsenbund.de/; Rezension von Prof.h.c.Dr. B. Leißring, Inhaber der Firma GEOPRAX; http://www.geoprax-leissring.de/index.htm)

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