Die Rente im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Demographie

Datenbasierte Überlegungen zur Zukunft der gesetzlichen Rente (2. Aufl.)

Günter Eder

Kurzübersicht

Der Autor gibt den Lesern – in allgemein verständlicher Form – Daten und Fakten an die Hand, die sie in die Lage versetzen, die gegenwärtige und die zukünftig zu erwartende Rentensituation angemessen zu beurteilen. Der Prognoseprozess wird absolut transparent dargestellt, so dass die Leser ihn Schritt für Schritt nachvollziehen können. Dabei werden Zusammenhänge und Strukturen herausgearbeitet, die für das Verständnis des Rentensystems wichtig sind, und es werden Stellschrauben aufgezeigt, mit denen die Rente (den Zielvorstellungen entsprechend) gesteuert beziehungsweise beeinflusst werden kann.

Der Autor legt überzeugend dar, dass die Rente keine naturgesetzlich determinierte Größe ist. Wenn die Einwohner eines Landes im Durchschnitt immer älter werden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass das Rentenniveau sinken muss, damit die Rente bezahlbar bleibt. Wie sich die Rente entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von den politischen Zielen, an denen sich eine Regierung bei ihren Entscheidungen orientiert.

ISBN: 978-3-944101-47-7
Veröffentlicht: 20.01.2020, 2. Auflage, Einband: Hardcover, Abbildung und Tabellen: zahlr., Seiten 148, Format DIN A4, Gewicht 0.7 kg
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34,80 €

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Details

Günter Eder

Die Rente im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Demographie

Datenbasierte Überlegungen zur Zukunft der gesetzlichen Rente

2., erweiterte und aktualisierte Auflage

148 Seiten. Format DIN A4. Hardcover-Umschlag. Zahlreiche Abbildungen und Tabellen. Preis: 34,80 Euro. ISBN 978-3-944101-47-7. Rhombos-Verlag, Berlin 2020.

 

Hinweis: Das Buch liegt nunmehr in zweiter und erweiterter Auflage vor.

 

Zum Buch

Die Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung wird sehr unterschiedlich beurteilt. Viele Menschen sehen eine demographische Katastrophe auf das umlagefinanzierte Rentensystem zukommen, andere halten gute Renten (wegen der steigenden Produktivität) auch in Zukunft für problemlos finanzierbar. Die jeweilige Einschätzung erfolgt (mangels verlässlicher Daten) allzu häufig aus den Bauch heraus und nicht auf Basis solider, nachvollziehbarer Fakten. Das Ziel des vorliegenden Buches ist es, hier Abhilfe zu schaffen und die Rentendiskussion insgesamt zu versachlichen.
Der Autor gibt den Lesern – in allgemein verständlicher Form – Daten und Fakten an die Hand, die sie in die Lage versetzen, die gegenwärtige und die zukünftig zu erwartende Rentensituation angemessen zu beurteilen. Der Prognoseprozess wird absolut transparent dargestellt, so dass die Leser ihn Schritt für Schritt nachvollziehen können. Dabei werden Zusammenhänge und Strukturen herausgearbeitet, die für das Verständnis des Rentensystems wichtig sind, und es werden Stellschrauben aufgezeigt, mit denen die Rente (den Zielvorstellungen entsprechend) gesteuert beziehungsweise beeinflusst werden kann.
Der Autor legt überzeugend dar, dass die Rente keine naturgesetzlich determinierte Größe ist. Wenn die Einwohner eines Landes im Durchschnitt immer älter werden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass das Rentenniveau sinken muss, damit die Rente bezahlbar bleibt. Wie sich die Rente entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von den politischen Zielen, an denen sich eine Regierung bei ihren Entscheidungen orientiert.

Der Autor

Dr. Günter Eder, Diplom-Mathematiker mit langjähriger Erfahrung in der Bearbeitung statistischer Fragestellungen, zunächst an der TU Berlin, dann in freiberuflicher Tätigkeit. Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Umwelt, Gesundheitswesen und Elektrizitätswirtschaft. Zu seinen Entwicklungen zählen Prognosemodelle, mit denen zukünftige Abfallmengen auf Basis allgemeiner Produktions- und Verbrauchsstatistiken abgeschätzt werden können. Darüber hinaus entwickelte er ein neuartiges Prognoseverfahren für Standardlastprofile auf zeitreihenanalytischer Grundlage.

Vorbemerkung

Es gibt mittlerweile viele Bücher, die sich mit der Rententhematik befassen, aber wenige, die dies aus statistischer Sicht tun. Und noch seltener sind wissenschaftlich fundierte Studien zur Zukunft der Rente, in denen die konkreten Schlussfolgerungen vom Leser nachvollzogen werden können. Meist wird er mit Ergebnissen konfrontiert, die einer geheimnisvollen „Black Box“ entstammen und die er glauben kann oder nicht. Über¬prüfen kann er sie nicht. Das vorliegende Buch unterscheidet sich davon grundlegend. Es strebt einen maximalen Grad an Transparenz an. Der Leser wird in die Lage versetzt, jeden einzelnen Schritt auf dem Weg zu den Prognoseergebnissen nachzuvollziehen und zu beurteilen. Wenn das Buch dadurch zu einer Verbesserung und zu einer Versachli¬chung der Rentendiskussion beitragen sollte, hat es sein wichtigstes Ziel erreicht.

Trotz einer zahlenbetonten Herangehensweise, die manchen Leser vielleicht abschrecken mag, ist dies kein Buch nur für Rentenexperten, für die vor allem der innovative Modellansatz zur Abschätzung der weiteren Entwicklung der Rente interessant sein dürfte. Es wendet sich ebenso an interessierte Laien, die die Rentenproblematik in ihrer Vielschichtigkeit besser verstehen möchten und die nach Antworten suchen, ob und wie die Situation der gesetzlichen Renten verbessert werden kann. Es werden keine rentenspezifischen oder statistischen Fachkenntnisse vorausgesetzt. Soweit Fachbegriffe verwendet werden, werden diese definiert und erläutert. Es wird lediglich vorausgesetzt, dass der Leser bereit ist, sich mit der Thematik schwerpunktmäßig auf der Zahlenebene auseinanderzusetzen und sich auf neue, möglicherweise ungewohnte Gedankengänge und Schlussfolgerungen einzulassen. Dem Leser ist es letztlich überlassen ob er die Überlegungen für tragfähig und schlüssig hält oder nicht. Der Lohn der Mühe könnte sein, dass er die Wirkung konkreter rentenpolitischer Maßnahmen grundsätzlich besser beurteilen kann und weniger anfällig wird für mögliche (interessegeleiteten) Manipulationen.

Die erste Auflage des Buches basierte ausschließlich auf Ergebnissen und Schlussfolgerungen eigener Modellrechnungen. Das betraf nicht nur die wirtschaftlichen und rentenpolitischen Betrachtungen, sondern auch die Abschätzung der demographischen Entwicklung. Auf Ergebnisse anderer Studien wurde bewusst nicht zurückgegriffen.

Das Buch ist insgesamt erfreulich positiv aufgenommen worden, sowohl was die methodische Vorgehensweise als auch was die Ergebnisse betrifft. So schreibt H. Reiners in seiner Rezension: „Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Versachlichung der Debatte um ein angeblich nicht mehr finanzierbares Sozialversicherungssystem. Die von ihm (dem Autor) präsentierten Modellrechnungen zeigen, dass eine den Lebensstandard sichernde Rente keine Träumerei von Sozialromantikern ist, sondern ein auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ökonomisch realisierbares Ziel“ (vgl. [28]). K. Hagen hebt in ihrer Rezension hervor, dass „alle Szenarien in einer Vielzahl von Graphiken verständlich und aussagekräftig dargestellt (werden)“ und zieht das Resümee: „Es lohnt also, sich mit der Studie auseinanderzusetzen“ (vgl. [29]).

Die positive Resonanz hat mich veranlasst, das Manuskript für eine Neuauflage grundlegend zu überarbeiten und zu aktualisieren und eine Schwäche, die in der ersten Auflage enthalten war, zu beseitigen. Die Schwäche betrifft die Abschätzung der weiteren demographischen Entwicklung. Hier wird jetzt auf die Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen.

Das hat zur Folge, dass die Zahl der Einwohner im Rentenalter über das Jahr 2030 hinaus noch weiter ansteigt und erst im Jahr 2038 ihren Höhepunkt erreicht. Von den (im Vergleich zur ersten Fassung) stärker steigenden Rentnerzahlen sind die Kurvenverläufe sämtlicher Prognoseparameter betroffen. Die Änderungen wirken sich stark auf die Kurvenverläufe im Detail aus, auf die grundsätzlichen Aussagen und Schlussfolgerungen haben sie keinen Einfluss, diese bleiben unverändert bestehen. Lediglich die Aussage, dass sich die Rentensituation ab dem Jahr 2030 spürbar entspannen wird, trifft so nicht mehr zu. Tatsächlich ist mit einer Entspannung erst ab Ende der 2030er Jahre zu rechnen.

Die aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes basieren auf Bevölkerungsdaten bis zum Jahr 2018 und erstrecken sich bis ins Prognosejahr 2060. Die vorliegende Rentenstudie ist an diese Zeitstruktur angepasst worden. Der Prognose¬horizont ist jetzt nicht mehr das Jahr 2050, sondern das Jahr 2060, und Bestandsdaten werden bis zum Jahr 2018 berücksichtigt.

Der stärkere Zuwachs der Zahl der Rentner in den 2030er Jahren hat zur Folge, dass auch der Verlauf der Rentenbeitragssätze abgewandelt und der veränderten Situation angepasst worden ist. Die Beitragssätze steigen jetzt in den 2020er Jahren weniger stark an als zuvor, dafür setzt sich der Anstieg über das Jahr 2030 hinaus fort. Der Verlauf der Rentenbeitragssätze für ein angenommenes Renteneintrittsalter von 65 Jahren wurde zusätzlich dahingehend abgeändert, dass die im Vergleich zur Rente mit 67 höheren Beitragssätze nicht erst für den Prognosezeitraum unterstellt werden, sondern bereits rückwirkend ab dem Jahr 2013 gelten.
Im Zuge der Analyse der Situation der gesetzlichen Rentenversicherung ist in der ersten Buchauflage der Begriff der Rentenquote eingeführt worden. Der Begriff bezeichnete die Höhe der Beitragseinnahmen der Rentenversicherung in Relation zum Einkommen der Arbeitnehmer. Der Begriff hat sich als ausgesprochen sperrig und unanschaulich erwie¬sen und wird in der vorliegenden überarbeiteten Fassung nicht mehr verwendet. Er ist ersetzt worden durch die Bezeichnung Einnahmeniveau. So weist der Name in stärke¬rem Maße als die ursprüngliche Bezeichnung auf den einnahmebezogenen Charakter der Größe hin. Der Begriff der Normrente wird hingegen unverändert beibehalten, obwohl hier eine ähnliche sprachlich-inhaltliche Diskrepanz besteht.

Inhaltsverzeichnis

1    Vorbemerkung    1

2    Die gesetzliche Rente zwischen 1991 und 2018    7

3    Zur wirtschaftlichen Entwicklung    26

4    Zur demographischen Entwicklung    34

5    Prognoseszenarien für die Einnahmeentwicklung der GRV    49

5.1    Anmerkungen zu den Szenarien    49
5.2    Szenarien für ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren    53
5.2.1    Fester BIP-Zuwachs und variierende Produktivitätssteigerung    53
5.2.1.1    Szenario A  (mittlere Produktivitätssteigerung)    54
5.2.1.1.1    Entwicklung bei unreduzierten GRV-Einnahmen    54
5.2.1.1.2    Entwicklung bei Lebensstandard sichernden GRV-Einnahmen    56
5.2.1.1.3    Entwicklung bei reduzierten GRV-Einnahmen    58
5.2.1.1.4    Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse    60
5.2.1.1.5    Normrente bei unterschiedlicher Lohnentwicklung    63
5.2.1.2    Szenario B  (schwache Produktivitätssteigerung)    65
5.2.1.3    Szenario C  (starke Produktivitätssteigerung)    66
5.2.1.4    Die Szenarien A, B und C im Vergleich    67
5.2.2    Variierender BIP-Zuwachs bei fester Produktivitätssteigerung    72
5.2.2.1    Szenario D (schwaches BIP-Wachstum)    73
5.2.2.2    Szenario E (starkes BIP-Wachstum)    74
5.2.2.3    Die Szenarien A, D und E im Vergleich    75
5.3    Szenarien mit unterschiedlichem Renteneintrittsalter    77
5.3.1    Szenario F  (Rente mit 65 Jahren)    78
5.3.2    Szenario G  (Rente mit 70 Jahren)    79
5.3.3    Die Szenarien A, F und G im Vergleich    80

6    Prognoseszenarien für die Standardrente    84
6.1    GRV-Einnahmen und Standardrente    84
6.2    Ausschöpfung des Beitragspotentials und Standardrente    95
6.3    Versuch einer Gesamtprognose für die Standardrente    102

7            Resümee           106

Literatur             111

A  N  H  A  N  G  113

Stichwortverzeichnis     139

 

Stichwortverzeichnis

 Agenda 2010    11, 13, 60
Altersquotient    5, 16, 45 ff
Altersquotient (modifiziert)   47 f, 67, 80, 83
Äquivalenzprinzip    7, 89, 92, 99, 108
Arbeitnehmerentgelt    29 f
Arbeitslosenbeiträge    11, 13, 49, 95, 97
Ausbildungszeiten    85, 87 f
Babyboomer-Generation    35, 45, 48
Beitragseinnahmen vgl. Einnahmen der GRV
Beitragsjahre    3, 85
Beitragspotential    97 ff, 102, 106
Betriebsrentenstärkungsgesetz    99
Bevölkerungsvorausberechnungen 34 ff
Bruttoentgeltfaktor    4, 88
Bruttoinlandsprodukt    6, 24, 26 ff
Bruttolohn    50
Bruttolohnentwicklung    22 f, 30
Bruttolohnquote vgl. Lohnquote
Bundesmittel    7 ff, 89, 91, 109, 115
Bundeszuschüsse vgl. Bundesmittel
Bürgerversicherung    9
Dämpfungsfaktoren    3, 88, 107
Demographiezuschuss    105
Durchschnittsrente    4, 16, 84, 85
Eckrente vgl. Standardrente
Einnahmen der GRV    4, 8 ff, 49 ff, 96
Einnahmeniveau    18 f, 49 f, 55, 60, 69, 81
Entgeltpunkt    3, 85, 100
Entgeltumwandlung    11 f, 20, 49, 95, 99
Erwerbsminderungsrente    88, 91, 108
Erwerbstätigenbedarf    5, 32 f, 38 ff
Erwerbstätigenpotential    37 ff, 52
Erwerbstätigenquote    37, 42, 52
Frühverrentung    88, 91
Geburtenentwicklung    34 f
Geringverdiener    93, 98
Gesetzliche Rentenversicherung    2, 7
Grundrente    91, 109
Haltelinien    4, 61, 72, 106
Hinterbliebenenrente     7, 93, 108
Inflation    2, 7, 27, 29, 59

Kapitaldeckung    2, 99, 105, 109
Kindererziehungszeiten vgl. Mütterrente
Koalitionsvertrag 2018    91 f, 104
Lebenserwartung    1, 34, 42, 44
Lebensstandard sichernde Rente    18, 21 ff, 56 ff
Lohnquote    26, 30, 49, 63 f
Mackenroth-Theorem    109
Mindestentgeltpunkte    87
Mini-/Midijobs    11 f, 99 f
Mütterrente    7 f, 89, 91, 109
Nachhaltigkeitsfaktor    3, 88
Niedriglohnsektor    49
Niveausicherungsklausel    104
Normrente    5, 16 f, 50, 54 ff, 84
Österreich    9, 107, 108
Pensionsfond    12, 20, 99
Private Rentenversicherung    2, 12, 20, 97, 105
Produktivität    26, 31 ff, 41, 53 ff
Prognoseszenarien    5 ff, 53 ff, 72 ff, 77 ff
Regelaltersgrenze vgl. Renteneintrittsalter
Rente mit 63    7, 88, 109
Rente mit 65/67  vgl. Renteneintrittsalter
Rente mit 70    3, 5, 37, 44, 52, 79 ff
Rentenbeitragssatz   13, 19, 52, 59, 70, 76, 82, 107
Renteneintrittsalter    3, 37, 44, 46 f, 79 ff, 104
Rentenformel    3, 88, 107
Rentenniveau    17, 84, 94, 98, 103, 115
Rentenpunkt vgl. Entgeltpunkt
Rentenversicherungsnachhaltigkeitsgesetz 4, 104
Rentner (Anzahl)    15 ff, 42 ff, 45
Riesterfaktor    3, 88
Riesterrente    12, 88
Rücklagen der GRV    108
Standardrente    3 f, 84 ff, 94, 98, 103, 107
Umlageverfahren    2, 7, 109
Umrechnungsfaktor    89 f, 92 f
Versicherungsfremde Leistung    7, 87, 102, 107 f
Versicherungskonforme Leistung    7, 91, 108
Verwaltungskosten    5
Zuwanderung    34 ff, 41, 43 f, 46, 71

Pressemitteilung zur 1. Auflage

Berlin (19. Juni 2019). Seit 1991 ist das Niveau der gesetzlichen Rente um sechs Prozentpunkte zurückgegangen, von 54 Prozent des Durchschnittslohns auf mittlerweile 48 Prozent. Viele Arbeitnehmer, für die die gesetzliche Rente die wichtigste Absicherung im Alter darstellt, machen sich Sorgen. Wird das Rentenniveau weiter zurückgehen, wird es sich möglicherweise stabilisieren oder vielleicht wieder ansteigen? Welche Bedingungen müssen gegeben oder erfüllt sein, damit die gesetzliche Rente sich in die eine oder in die andere Richtung verändert? Im Juni-Heft der renommierten Fachzeitschrift Wirtschaftsdienst befasst sich der Autor Günter Eder mit diesen Fragen und zeigt auf, wie unterschiedliche Maßnahmen und Entwicklungen sich auf die Rente ausgewirkt haben beziehungsweise auswirken werden. Er kommt zu dem Schluss, dass eine nachhaltige Rentenpolitik das gesetzliche Rentensystem wieder in den Mittelpunkt der Alterssicherung rücken muss. Sie sollte sich an Grundsätzen orientieren, die bis zu Beginn der Kanzlerschaft Gerhard Schröders Gültigkeit besaßen und die für die große Zahl der Rentenbezieher zufriedenstellende Renten garantierte.

Die Grundlagenstudie von Dr. Eder, die Ende 2018 unter dem Titel „Die Rente im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Demographie“ im Berliner Rhombos-Verlag erschienen ist, und aus der im Wirtschaftsdienst-Artikel einige Ergebnisse vorgestellt werden, belegt die zentrale Rolle der Politik für die Entwicklung der gesetzlichen Rente. Danach ist der Einfluss der Politik weitaus größer als der Einfluss, der von den demographischen Veränderungen ausgeht. In der Hand von Politikern liegt es, ob zukünftige Rentner unter sonst gleichen Bedingungen, das heißt bei gleichem wirtschaftlichen Wachstum, gleicher demographischer Entwicklung, gleichem Renteneintrittsalter und gleichem Rentenbeitragssatz, im Jahr 2050 mit einem Rentenniveau von 57 Prozent rechnen können oder ob das Rentenniveau auf einen Wert von 38 Prozent herabsinkt. Letztgenanntes wird eintreten, wenn der Anteil versicherungsfremder Leistungen, der aus Beitragseinnahmen zu bezahlen ist, weiter ausgeweitet wird und sich gleichzeitig die Einnahmesituation des gesetzlichen Rentensystems durch zunehmende Förderung der privaten Vorsorge mittels Entgeltumwandlung sowie durch Ausweitung des Niedriglohnsektors mit abgesenkten Sozialbeiträgen verschlechtert.
Seit Jahren behaupten Lobbyisten der Finanz- und Versicherungswirtschaft, dass auskömmliche Renten wegen des demographischen Wandels bald nicht mehr finanzierbar seien, zumindest nicht auf Basis des gesetzlichen Umlageverfahrens. Für Renten, die den Lebensstandard sichern, solle das System deshalb (teilweise oder vollständig) auf Kapitaldeckung umgestellt werden. Denn nur das Kapitaldeckungsverfahren erwirtschafte genug Rendite, um auch in Zukunft auskömmliche Renten bezahlen zu können. Diese Einschätzung teilen mittlerweile viele Menschen und sie ist besonders in der jüngeren Generation weit verbreitet. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussage kann es die Finanz- und Versicherungswirtschaft als großen Erfolg verbuchen, dass sich dieses Denken in die Köpfe vieler Menschen tief eingeprägt hat.
Doch worauf beruhen diese „Erkenntnisse“? Basieren sie auf aktuellen wissenschaftlichen Studien, die von unabhängigen Forschungsinstituten erarbeitet wurden und die eine solche Entwicklung in nachvollziehbarer Form als gesichert und zwangsläufig belegen? Man wird vergeblich nach solchen Studien suchen. Warum sollte sich auch ein System, das den demographischen Wandel zwischen 1950 und 2000 problemlos bewältigt hat (und nebenbei Millionen DDR-Rentner integrierte), von einem bis 2050 zu erwartenden demographischen Wandel in gleicher Größenordnung plötzlich vor unlösbare Probleme gestellt sehen?
„denn eins ist sicher: Die Rente“ plakatierte der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm im Jahr 1986 und erntete dafür Hohn und Spott von seinen Gegnern. Zu Recht und gleichzeitig zu Unrecht. Zu Recht, weil die kommende Rentenentwicklung ihn eines Besseren belehrte. Zu Unrecht, weil die Aussage im Prinzip richtig war, nur hätte sie eines ergänzenden Nachsatzes bedurft: „… wenn die Politik es will“.
Dr. Eder macht in seiner Studie deutlich, dass der zu beobachtende Rückgang des Rentenniveaus in erster Linie Resultat einer Rentenpolitik ist, die bereitwillig den Interessen und Wünschen der Wirtschaft nachgekommen ist und gleichzeitig einen steigenden Anteil der Beitragseinnahmen für versicherungsfremde Leistungen verwendet hat. Sollte diese Politik nicht grundlegend revidiert werden, wird das Rentenniveau zwangsläufig weiter zurückgehen und das Problem der Altersarmut wird sich – in einem der reichsten Länder der Welt – weiter verschärfen. Politiker sollten nicht länger die Augen vor dieser Entwicklung verschließen. Im Interesse der Menschen sollten sie den Mut aufbringen, die Fehlentwicklung zu korrigieren, hin zu einer echten Stärkung der gesetzlichen Rente. Eine solche Korrektur ist dringend erforderlich und sollte gegebenenfalls auch gegen die Interessen einflussreicher Akteure durchgesetzt werden.

Hinweise für Journalisten:

Eder, Günter: Die Rentenpolitik bedarf einer Kurskorrektur. In: Wirtschaftsdienst, Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, 99. Jahrgang, 2019, Heft 6, S. 425-431. ISSN: 0043-6275 (Print). Eine „Full-Text View-Only Version“ finden Sie unter dem Springer-Link: https://rdcu.be/bHEVt
Herausgegeben wird die Zeitschrift von der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften/Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, Hamburg.

Rezension zur 1. Auflage:

Reiners, Hartmut: Rezension in Gesundheits- und Sozialpolitik, GuS, Jahrgang 73 (2019), Heft 3, Seite 56. Online einsehbar: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/1611-5821-2019-3-56/rezensionen-jahrgang-73-2019-heft-3?page=1

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