Das Lebensprinzip im Kosmos

Band 1: Versuch einer Integration der klassischen Lehre von der Seele und von Gott in unser heutiges Menschen- und Weltbild

Wollscheid, Karl-Heinz

Kurzübersicht

Band 1: Versuch einer Integration der klassischen Lehre von der Seele und von Gott in unser heutiges Menschen- und Weltbild
ISBN: 978-3-937231-24-2
Veröffentlicht: Mai 2004, 1.. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 240, Format DIN A5, Gewicht 0 kg
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Das Lebensprinzip im Kosmos

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Karl-Heinz Wollscheid war Lehrer am Gymnasium und hat sein Menschen- und Weltbild in zwei Bänden zusammengefasst.

Wollscheid zeigt, wie sich die die klassisch-antike Lehre von der Seele und von Gott mit Hilfe der Systemtheorie in das heutige Weltbild integrieren lässt.

In seiner Erkenntnistheorie geht er von einer vergrößerbaren Schnittmenge zwischen innerer und äußerer Ordnung aus und kann so einige Sackgassen der Geistesgeschichte aufdecken.

Das kausale Denken hat eine Entsprechung in der Realität, sonst hätte sich diese Eigenart unseres Erkenntnisapparates in der stammesgeschichtlichen Entwicklung nicht durchhalten können. Damit wird der Weg frei für eine Metaphysik, welche die Seele als das Prinzip des Menschen und Gott als das Prinzip des Kosmos begreift.

Im 1. Kapitel dieses Bandes entwickelt der Autor seine Erkenntnistheorie, das zweite Kapitel beschreibt Sackgassen (Aporien), die sich größtenteils aus Fehlern der Erkenntnistheorien ergeben. Kapitel 3 erörtert die klassisch-antike Lehre vom Prinzip, von der Seele und von Gott. Der Autor bezieht sich dabei überwiegend auf Platon, Aristoteles und Thomas von Aquin.

Kapitel 4 stellt das heutige Weltbild dar, das durch die kosmische und die biologische Evolution geprägt ist. Kapitel 5 enthält die Systemtheorie, mit deren Hilfe der Autor eine Integration von klassischen und modernen Denkansätzen herzustellen versucht.

Im Kapitel 6 untersucht der Autor die Begriffe: Raum, Zeit und Kausalität, die er als Beziehung (Relation) zwischen Systemen und als Beziehung innerhalb von Systemen begreift.

Kapitel 7 enthält in der allgemeinen Metaphysik die Lehre vom Sein und von den Prinzipien und in der speziellen Metaphysik die Lehre von der Seele und von Gott.

 

Einleitung

Die Erkenntnis der heutigen Kommunikationstheorie, dass man zwischen der Kodierung des Senders und der Dekodierung des Empfängers niemals Deckungsgleichheit, sondern nur eine Schnittmenge herstellen kann, ist nicht neu. Schon die Scholastiker wurden nicht müde zu betonen: Quidquid recipitur per modum recipientis recipitur/Was auch immer verstanden (rezipiert) wird, wird in der Art und Weise des Verstehenden (des Rezipienten) verstanden.

Seit meinem 18. Lebensjahr habe ich ein großes Interesse für Philosophie entwickelt und viele philosophische Schriften gelesen, sowohl Sekundärliteratur, überwiegend der Philosophiegeschichte, als auch Primärliteratur von Philosophen, teilweise auch in der griechischen oder lateinischen Originalfassung mit nebenstehender deutscher Übersetzung. Wie aus der angeführten Erkenntnis der Scholastiker zu entnehmen ist, darf sich niemand einbilden, vollständig erfasst zu haben, was etwa ein antiker Philosoph gedacht hat. Dies gilt für meine Lektüre solcher Schriften in verstärktem Maße, da ich meinem Interesse zum größten Teil nur außerberuflich nachgehen konnte. Unter anderem habe ich mehrfach die aristotelischen Schriften: \"Über die Seele\" und die \"Metaphysik\" sowie Kants \"Kritik der reinen Vernunft\" gelesen, was zu einem immer tieferen Verständnis der Werke führte. Beispielsweise habe ich anfänglich den aristotelischen Form-Begriff im Sinne der äußeren Gestalt aufgefasst, wozu ja auch das von Aristoteles selbst gebrauchte Beispiel einer Marmorstatue im Vergleich zum unbearbeiteten Marmor Anlass gegeben hat. Ein Durchbruch zum Verständnis des Form-Begriffs gelang mir erst, als ich herausfand, dass nicht die äußere Form, sondern die innere Form, die formende Form (forma formans) gemeint ist. Erst danach konnte ich die Definition der Seele verstehen: Anima est forma corporis/Die Seele ist die Form des Körpers, die von Aristoteles ausgehend, über Boethius zu Thomas von Aquin gelangte und schließlich in die Dogmatik der katholischen Kirche Eingang fand (Konzil von Vienne 1312).

Mein Interesse für Philosophie beruht jedoch nicht in erster Linie auf dem Studium philosophischer Schriften, wie man aus dem bisher Gesagten entnehmen könnte, sondern auf der Entwicklung eines eigenen Gedankensystems, mit dessen Hilfe ich meinen Lebensentwurf in eine innere Ordnung zu bringen versuche. Ich bin davon überzeugt, dass nur derjenige in die Tiefe der Gedanken eines Philosophen und generell von philosophischen Grundlagen einsteigen kann, der ein eigenes Gedankensystem besitzt, stets Vergleiche zieht und dabei bereit ist zu lernen.
Insofern können die beiden Bände über \"Das Lebensprinzip im Kosmos\" auch den Titel tragen: \"Mein Bild vom Menschen, von der belebten und der unbelebten Natur und vom Kosmos\". Mein Gedankensystem enthält eigene Ansätze, die sich aus dem beschriebenen Vergleich ergeben haben, größtenteils jedoch Denkansätze, die ich von Philosophen oder Naturwissenschaftlern übernommen habe. Die überzeugendsten und widerspruchfreiesten Elemente habe ich aufgegriffen und in mein Gedankensystem eingebaut.
Dabei entsteht nebem dem unaufhebbaren Defizit zwischen Kodierung der Philosophen und Wissenschaftlern und meiner Dekodierung eine wohl noch größere Problematik, nämlich dass die Bausteine aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgerissen und in einen neuen Kontext gebracht werden. Da ich mir dieser doppelten Problematik bewusst bin, bilde ich mir nicht ein, ein überragendes Verständnis z. B. der Definition zu haben, die ich von einigen Philosophen übernommen habe. Ich möchte aber dennoch versuchen aufzuzeigen, dass viele Fragen, die durch die moderne Biologie und Physik aufgeworfen worden sind, auch in der klassischen Philosophie gestellt wurden. Außerdem bin ich der Meinung, dass die außerordentlichen Forschungserfolge auf naturwissenschaftlichem und technischem Gebiet der letzten Zeit den Blick für die Weiterentwicklung und Anpassung philosophischer Denkweisen verbauen. Neben dem zentralen Ziel der inneren Ordnung meines Lebensentwurfs ist es deshalb mein Anliegen, die in der klassischen Philosophie gefundenen Antworten in unser heutiges Denken zu übersetzen. Eine dieser Fragen lautet: Wie kommt es, dass aus dem Samen, der von einem Baum herabfällt, wieder der gleiche Baum heranwächst? Die altindische und die klassische Philosophie beantworten die Frage folgendermaßen: Im herabgefallenen Samen muss das Ziel (gr. telos), nämlich der ausgewachsene Baum, der selbst wieder Samen produziert, enthalten sein. Aristoteles spricht von einer Entelechie, die altindische Philosophie nennt dies Atman (mit unserem Wort Atem verwandt) und allgemein wird dies mit dem Begriff Seele bzeichnet. Da die Materie eines Lebewesens sich ständig ändert, die Seele aber gleich bleibt, wird sie meistens als nicht stofflich-materiell charakterisiert. Die Seelenlehre ist Bestandteil der Metaphysik. Kant bekämpft die alte Metaphysik und erklärt, dass der Gedanke der Seele zwar eine nützliche Fiktion sei, dass dem aber nichts der Realität entspreche. Diese Ansicht ist in der heutigen Zeit so weit verbreitet, dass sie nicht mehr kritisch hinterfragt wird. Es liegt ihr die folgende dogmatisch vorgetragene Behauptung zu Grunde, die von allen Phänometalisten, Empiristen, Positivisten und Konstruktivisten vertreten wird: Es gibt keine Erkenntniss, die über die Sinneswahrnehmung hinausgeht. Damit würde der alten Metaphysik der Boden entzogen. Aber es lässt sich zeigen, dass diese Behauptung einen inneren Widerspruch enthält und daher falsch ist: Die vorgetragene Erkenntnis selbst, nämlich dass man die Sinneswahrnehmung nicht übersteigen könne, ist empirisch (durch direkte oder indirekte Sinneswahrnehmung) nicht erklärbar oder gar beweisbar, daher den Rahmen der selbst gesteckten Grenzen der Erkenntnis übersteigend und in der eigenen Logik also keine wahre Erkenntnis (Argument gegen Retorsion).

Die Leugnung einer realen Kausalität beruht auf der gleichen falschen Voraussetzung. Kant hat vom Empiristen Hume den Standpunkt übernommen, wir könnten nur das Nacheinander von Ereignissen erfassen, die kausale Verknüpfung sei etwas rein Gedankliches, sie sein ein Element der Ordnung in uns, nicht der Ordnung außerhalb des denkenden Menschen. Allerdings ist das Gedankliche bei Hume ein psychologischer Mechanismus (Assoziation), während es bei Kant Element des reinen Denkens (apriorischer Begriff) ist. Die evolutionäre Erkenntnistheorie (Lorenz, Vollmer) hat dagegen überzeugend nachgewiesen, dass sich das kausale Denken als angeborene Eigenart des menschlichen Erkenntnisapparates nicht im Verlauf der Stammesentwicklung hätte durchhalten können, wenn es keine Entsprechung in der Realität gäbe.

Trotz dieser fundamentalen Kritik an der Position Kants habe ich an vielen Stellen meiner Erörterungen Querbezüge zu den entsprechenden Stellen in der Kritik der reinen Vernunft hergestellt, weil er ein ungemein scharfsinniger und konsequenter Denker ist und weil er der Sinneswahrnehmung eine zweite Erkenntnisquelle (den mundus intelligibilis) zuordnet. Im Gegensatz zu Kant und zu allen Phänomenalisten, Positivisten und Konstruktivisten gehe ich von realen Ursachen aus. In einem komplizierten System und vor allem in einem Systemkomplex gibt es viele Teilursachen. Lassen sich die Teilursachen auf eine einheitliche Ursachen zurückführen, hat man das (reale) Prinzip gefunden. Ich begreife die Seele des Menschen als sein Prinzip und Gott das Prinzip des Kosmos. Da ich mein Welt- und Menschenbild aus der Perspektive der Systemtheorie betrachte und dabei beachten muss, dass Systeme nicht von selbst entstehen, unterscheide ich immanente Ursachen eines Systems und solche, die außerhalb von ihm liegen. Die Perspektive der Systemtheorie ist für mich der Weg, auf dem ich den klassischen Ansatz mit dem heutigen Kenntnisstand der biologischen und der kosmischen Evolution zu verbinden versuche. Die oben gestellte Frage, wie es kommt, dass aus dem Samen ein Baum der gleichen Art heranwächst, beantwortet man heute mit dem Hinweis auf die Erbinformation, die in den Genen im Zellkern gespeichert ist. Dabei wird allerdings häufig übersehen, dass der Informationsbegriff eine Beziehungsgröße (Relation) ist. Informieren heisst Ordnung übertragen. Man muss daher zwischen dem Informierenden, bzw. dem Ordnenden, und dem, was die Information, bzw. Ordnung, empfängt, unterscheiden. Der materielle Träger des Subjekts dieser Relation (= des Teils der Beziehungsgröße, von dem die Beziehung ausgeht) sind die Basen in der DNA. die Erbinformation selbst ist aber - wie alle Informationen - nicht materiell, sondern höchstens als eine bestimmte Sequenz in der Kette des Erbmoleküls greifbar. Das Genom als Summe aller Erbinformationen hat einen wesentlich größeren Umfang als die Gene im engeren Sinne, die in der Lage sind, baugleiche DNA-Stränge zu erstellen. Auch die Programme aller Teilsysteme eines Lebewesens (Zellen, Organe) sind als Meta-Information darin gespeichert, und wie ich zeigen werde, muss es bei Tier und Mensch außerdem ein höchstes Meta-Programm geben, das die Koordination der Teilprogramme gewährleistet. Ich setze dieses mit dem Lebenstrieb gleich, er im Drang zur artspezifischen Gestaltung der Selbst- und der Arterhaltung beobachtbar ist.
Das Verhältnis zwischen dem Ordnenden und dem Geordneten gilt in meinem Gedankensystem nicht nur innerhalb eines Lebewesens oder allgemein innerhalb eines realen Systems, sondern auch in der gesamten Welt. Das geordnete All heißt Kosmos (gr.= Ordnung, Geordnetes), die einheitliche Ursache dieser Ordnung, das Urprinzip, heisst Gott. Das Lebensprinzip des Einzelmenschen ist untrennbar mit der geordneten Materie, das ist sein Körper, verbunden und bildet so ein Ganzes (gr. Synholon), das im Sinne der Systemtheorie mehr ist als die Summe seiner Teile und das man Leib oder beseelten Körper nennen kann. Damit ist klargestellt, dass ich jeden anthropologischen Dualismus ablehne, der von zwei getrennten und mithin trennbaren Elementen im Menschen ausgeht. Dies gilt auch für das Prinzip des Menschseins, dessen Träger der Genpool der Menschheit ist und das Aristoteles als Zweite Substanz gegenüber der Ersten Substanz des Einzelmenschen bezeichnet. Schließlich ist auch das Verhältnis zwischen dem (transzendent) Ordnenden und dem Geordneten, zwischen dem Urprinzip und dem Kosmos oder traditionell gesprochen zwischen Gott und der Welt so zu verstehen, dass sie aufeinander bezogen sind und ein gemeinsames Ganzes, nämlich das Universum bilden (lat.= versus unum - auf eines gerichtet). Den kosmologischen und metaphysischen Dualismus, den man auch Supranaturalismus bezeichnet, lehne ich ab, weil er innere Widersprüche enthält (Argument vom dritten Menschen). Insofern übernehme ich den aristotelisch-scholastischen Ansatz des Ideenrealismus (Ideen in, nicht vor oder nach den Dingen), weil ich ihn für am widerspruchsfreiesten halte.

Damit komme ich nun zu einem zusammenfassenden Überblick er Grundgedanken, auf denen mein Menschen- und Weltbild beruht. Sowohl der Mensch als auch die gesamte Natur und das Universum haben zwei sich durchkreuzende Dimensionen:

                            eine horizontale, immanente, physische Dimension
                            eine vertikale, transzendente, metaphysische Dimension.

Der Begriff Dimension ist dabei nicht im gleichen Sinne wie etwa die drei Dimensionen des Raumes zu verstehen, denn diese sind Bestandteile der horizontalen Dimension. Gemeint sind aber mehr als nur zwei verschiedene Aspekte, sondern zwei fundamentale Bestandteile alles Seienden. Alles, was existiert, ist ein physisches Seiendes, das aber ein metaphysisches Sein hat. Das metaphysische Sein ist außerhalb von Raum und Zeit, es transzendiert das Seiende, so wie das Prinzip der Menschheit das Lebensprinzip des Einzelmenschen übersteigt. Erst wenn das metaphysische Sein seine aktive Potenz, sich zu verwirklichen, umsetzt, indem es sich in ein immanentes Prinzip umwandelt, wird es existent (lat. ex-sistere = heraustreten; es tritt aus dem allgemeinen Sein heraus). Nur konkrete Einzeldinge, nur reale Systeme existieren; aber sie stehen stets im Zusammenhang mit Ursachen, die außerhalb von ihnen liegen, und dieser Zusammenhang ist nicht rein gedanklich, sondern bis zu einem gewissen Grad empirisch nachweisbar, wie z. B. die Identität von über 99% des Genoms aller Menschen oder die Universalität des genetischen Kodes aller Lebewesen, vom Bakterium bis zum Menschen.

Wenn ich von Gott als dem Prinzip des Kosmos spreche, ist damit der philosophische Gottesbegriff gemeint; theologisch gesprochen befinde ich mich dabei im Vorhof des Glaubens. Aspekte des Glaubens, die in das Innere des Glaubens verweisen, werden nur angedeutet oder vorbereitet. Im zweiten Band werden diese Ansätze aufgegriffen und weitergeführt.

 

Erschienene Rezensionen

Publik-Forum, Torsten Habbel, 22.04.2005

Die Moderne in die Scholastik intergrieren?

Der Autor nimmt sich die Zeit, sein Menschen- und Weltbild in zwei Bänden darzulegen. Und diese Ruhe merkt man den Büchern an. Wollscheid geht von einer \"erweiterbaren Schnittmenge der inneren Ordnung im Menschen und der Ordnung in der Natur\" aus. Band 1 liest sich wie eine zugespitzte Philosophiegeschichte der Erkenntnistheorie, wobei sich der Autor auf Aristoteles und Kant konzentriert. Gelungen zeigt Wollscheid Grenzen naturwissenschaftlichen Denkens auf. Band 2 führt die Gedanken theologisch weiter, indem Wollscheid sein Modell der Psyche, fünf Weltbilder und sechs Kreise der Lebensgestaltung entfaltet. Mit Hilfe der Systemtheorie will der Autor die aristotelisch-scholastische Lehre von der Seele und den Glauben an den Schöpfer in das heutige Menschen- und Weltbild integrieren. Beide Bände zeugen von einer enormen Weite des Autors, viele Grafiken - die manchmal an ein Tafelbild erinnern - erläutern das Gesagte sinnvoll. Und doch: Bei aller Darlegung des persönlichen Weltbildes Wollscheids geht manchmal der \"rote Faden\" verloren, die zentrale Aussage bleibt letzlich unklar.

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