Die Rente im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Demographie

Datenbasierte Überlegungen zur Zukunft der gesetzlichen Rente

Günter Eder

Kurzübersicht

Die Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung wird äußerst unterschiedlich beurteilt. Viele Menschen sehen eine demographische Katastrophe auf das umlagefinanzierte Rentensystem zukommen, andere halten gute Renten (wegen der steigenden Produktivität) auch in Zukunft für problemlos finanzierbar. Die jeweilige Einschätzung erfolgt (mangels verlässlicher Daten) allzuhäufig aus dem Bauch heraus und nicht auf Basis solider, nachvollziehbarer Fakten. Die vorliegende Studie schafft hier Abhilfe. Sie gibt dem interessierten Leser (in allgemein verständlicher Form) Daten und Fakten an die Hand, die ihm die Möglichkeit geben, sich ein Bild davon zu machen, wie es um die gesetzliche Rente steht und wie diese sich bis 2050 weiterentwickeln könnte. Die weitere Entwicklung wird abgeschätzt an Hand realitätsnaher Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen zur wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung. Aufbauend auf den Ergebnissen arbeitet der Autor Einfluss und Bedeutung der Politik für die gesetzliche Rente heraus. Er zeigt auf, wie das Rentensystem nachhaltig gestärkt werden kann und mit welchen Renten (je nach Rentenpolitik) zukünftig zu rechnen ist.

ISBN: 978-3-944101-47-7
Veröffentlicht: September 2018, 1. Auflage, Einband: Hardcover, Abbildung und Tabellen: zahlr., Seiten 146, Format DIN A4, Gewicht 1 kg
Lieferzeit: Nicht mehr lieferbar. 2. erweiterte Auflage ist in Vorbereitung.
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Günter Eder

Die Rente im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Demographie

Datenbasierte Überlegungen zur Zukunft der gesetzlichen Rente

146 Seiten. Format DIN A4. Hardcover-Umschlag. Zahlreiche Abbildungen und Tabellen. Preis: 24,80 Euro. ISBN 978-3-944101-47-7. Rhombos-Verlag, Berlin 2018.
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Hinweis: Die erste Auflage ist vergriffen. Für das Buch wird derzeit eine zweite und erweiterte Auflage vorbereitet. Diese wird voraussichtlich zum Jahreswechsel 2019/2020 erscheinen.

Zum Buch

Die Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung wird äußerst unterschiedlich beurteilt. Viele Menschen sehen eine demographische Katastrophe auf das umlagefinanzierte Rentensystem zukommen, andere halten gute Renten (wegen der steigenden Produktivität) auch in Zukunft für problemlos finanzierbar. Die jeweilige Einschätzung erfolgt (mangels verlässlicher Daten) allzu häufig aus dem Bauch heraus und nicht auf Basis solider, nachvollziehbarer Fakten. Die vorliegende Studie schafft hier Abhilfe. Sie gibt dem interessierten Leser (in allgemein verständlicher Form) Daten und Fakten an die Hand, die ihm die Möglichkeit geben, sich ein Bild davon zu machen, wie es um die gesetzliche Rente steht und wie diese sich bis 2050 weiterentwickeln könnte. Die weitere Entwicklung wird abgeschätzt an Hand realitätsnaher Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen zur wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung. Aufbauend auf den Ergebnissen arbeitet der Autor Einfluss und Bedeutung der Politik für die gesetzliche Rente heraus. Er zeigt auf, wie das Rentensystem nachhaltig gestärkt werden kann und mit welchen Renten (je nach Rentenpolitik) zukünftig zu rechnen ist.

Der Autor

Dr. Günter Eder, Diplom-Mathematiker mit langjähriger Erfahrung in der Bearbeitung statistischer Fragestellungen, zunächst an der TU Berlin, dann in freiberuflicher Tätigkeit. Arbeitsschwerpunkte in den  Bereichen  Umwelt, Gesundheitswesen  und  Elektrizitätswirtschaft. Zu seinen Entwicklungen zählen Prognosemodelle, mit denen zukünftige Abfallmengen auf Basis allgemeiner Produktions- und Verbrauchsstatistiken abgeschätzt werden können. Darüber hinaus entwickelte er ein neuartiges Prognoseverfahren für Standardlastprofile auf zeitreihenanalytischer Grundlage.

Vorbemerkung

Das Thema Rente verunsichert viele Menschen. Die meisten machen sich Sorgen um die Zukunft der gesetzlichen Rente. Wird diese in 20 oder 30 Jahren noch ausreichen, um einen finanziell gesicherten Lebensabend zu ermöglichen? Oder wird das Rentenniveau auf ein rudimentäres, unzureichendes Basisniveau herabsinken?

In politischen Talkshows wird die Problematik gerne und häufig prominent diskutiert. Dabei erstaunt, wie wenig differenziert vielfach argumentiert wird, aber wie nachhaltig und unerschütterlich jeder seinen Standpunkt vertritt. Im Prinzip lassen sich die Diskutanten in zwei Gruppen einteilen. Zum einen die Schwarzmaler, die die Meinung vertreten, dass die gesetzliche Rente wegen des demographischen Wandels (sprich: der Überalterung der Gesellschaft) von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt werden müsse, um auf lange Sicht bezahlbar zu bleiben (Stichwort: private Vorsorge). Zum anderen die Optimisten, die davon sprechen, dass der Anstieg der Lebenserwartung kein neues Phänomen darstellt, sondern die Bundesrepublik seit ihrer Gründung im Jahr 1949 begleitet und durch die Steigerung der Produktivität stets aufgefangen werden konnte, und dass dies auch künftig so sein werde (Stichwort: Produktivität schlägt Demographie).

Welche dieser beiden Positionen die zukünftige Situation treffender beschreibt, soll mit Hilfe allgemein zugänglicher statistischer Daten überprüft werden. Wichtigste Datenquellen in diesem Zusammenhang sind die Veröffentlichungen des Statistischen Bundes-amtes (StaBuA) und der Deutschen Rentenversicherung.

Das Ziel der Studie lässt sich kurz gefasst wie folgt beschreiben: Es soll anhand (realitäts-naher) Szenarien aufgezeigt werden, wie sich die gesetzliche Rente unter bestimmten wirtschaftlichen, demographischen und politischen Rahmenbedingungen bis zum Jahr 2050 entwickeln könnte oder entwickeln wird. Das Bestreben ist dabei nicht so sehr, die Höhe der zukünftigen Rente für einen bestimmten Zeitpunkt möglichst exakt vorauszusagen, als vielmehr allgemeine Entwicklungstendenzen herauszuarbeiten und zu quantifizieren.

Ist in den kommenden Jahrzehnten unter bestimmten wirtschaftlichen Bedingungen mit (real) steigenden Renten zu rechnen oder wird man sich eher auf stagnierende Renten einstellen müssen? Gibt es Zeitabschnitte, in denen die Rentensituation relativ entspannt betrachtet werden kann oder in denen sie aufgrund stark wachsender Rentnerzahlen besonders problematisch sein wird? Welche Rolle spielen Geburtenraten und Zuwanderungszahlen für die Rente? Und welchen Einfluss hat die Politik auf die Entwicklung der gesetzlichen Rente?

Zentraler Baustein des Rentensystems in Deutschland ist die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung (GRV). Beim Umlageverfahren wird kein individueller Kapitalstock angespart, aus dem später die Rente gezahlt wird, wie bei der privaten Rentenversicherung, sondern die Beitragszahlungen werden direkt dazu verwendet, die aktuellen Renten zu bezahlen. Das Verfahren hat den Nachteil, dass der Einzelne keinen Anspruch auf eingezahlte Gelder hat, also beispielsweise nicht darüber verfügen kann, ob der Betrag vorzeitig ausgezahlt wird oder für Rentenzahlungen verwendet wird. Die Gelder werden grundsätzlich für Rentenzahlungen verwendet (Ausnahme: Reha-Maß-nahmen). Auf der anderen Seite hat das Umlageverfahren natürlich auch Vorteile: es ist weitgehend unabhängig von Entwicklungen auf dem Kapitalmarkt (Stichwort: Banken-krise), es kommt ohne Provisionszahlungen an einwerbende Versicherungsvertreter aus und es muss keine Gewinne erwirtschaften, die als Dividende an Aktienbesitzer aus-geschüttet werden. Darüber hinaus ist es, wie die Eingliederung von Millionen DDR-Rentnern nach der Vereinigung gezeigt, sehr flexibel.

Trotz seiner Stärken steht das Umlageverfahren immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Bezweifelt wird vor allem die Zukunftsfähigkeit des Systems angesichts stark steigender Rentnerzahlen. Dabei gerät allzu leicht aus dem Blick, dass auch private Rentenversicherungen Schwächen haben und nicht per se sicher und renditestark sind. Ein Nachteil ist beispielsweise die meist fehlende Dynamisierung der Rente. Das hat zur Folge, dass die Rente während der gesamten Laufzeit nicht ansteigt, sondern auf dem Anfangszahlbetrag verbleibt. Bei einer angenommenen Inflationsrate von 2% p.a. bedeutet dies, dass die Rente innerhalb von 20 Jahren etwa ein Drittel an Kaufkraft einbüßt. Trotz dieser Sachlage (d.h. des kontinuierlichen Wertverlustes der Rentenzahlung) haben private Versicherungen aufgrund der niedrigen Zinsen in den zurückliegenden Jahren zunehmend Schwierigkeiten, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Bisher beschränken sich die negativen Auswirkungen noch auf die Kürzung der Überschussbeteiligung, aber Insolvenzen können mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen werden. Aufgrund von negativen Erfahrungen, die viele Menschen in den vergangenen Jahren mit der Riesterrente gemacht haben, ist hier mittlerweile ein gewisses Problembewusstsein entstanden.

Die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rente ist in der vorliegenden Studie auf gesetzlich Versicherte beschränkt, die aus Altersgründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden und eine Altersrente beziehen. Andere Rentenarten, wie beispielsweise die Hinterbliebenenrente oder die Erwerbsminderungsrente, werden nicht in die Betrachtung einbezogen.

Die Höhe der Rente, die die GRV durchschnittlich zahlen kann, hängt im Prinzip von zwei Faktoren ab: Von der Höhe der Einnahmen einerseits und von der Zahl der Rentner andererseits. Je nachdem wie sich die beiden Größen in Relation zueinander verändern, muss mit steigenden oder sinkenden Renten gerechnet werden. Steuerbar ist der Prozess über den Rentenbeitragssatz und über das Renteneintrittsalter.

Seit 2012 wird das Renteneintrittsalter, das bis dahin über viele Jahre konstant bei 65 Jahren lag, schrittweise angehoben. Ab 2030 werden Arbeitnehmer erst mit 67 Jahren regulär in Rente gehen können. Vereinzelt sind Stimmen zu hören, die eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters fordern (vgl. [1]). Wegen der zu erwartenden höheren Lebenserwartung der Menschen und weil ein Großteil der geburtenstarken Jahrgänge dann in Rente geht, sollte das Eintrittsalter ab 2030 stufenweise auf 70 Jahre angehoben werden. Ob solche Forderungen gerechtfertigt, für die Stabilität des Rentensystems vielleicht sogar unabdingbar sind oder ob die Situation übertrieben alarmistisch dargestellt wird, wird im Weiteren zu untersuchen sein.

Bei Fragen zur gesetzlichen Rente bzw. zur konkreten Höhe der Rente ist es üblich, die Standardrente (auch Eckrente genannt) zu betrachten. Die Standardrente ist definiert als die Rente, die ein Arbeitnehmer nach 45 Beitragsjahren erwarten kann, wenn er stets ein Einkommen gehabt hat, das dem allgemeinen Durchschnitt entsprach. Er scheidet dann mit 45 Rentenpunkten aus dem Arbeitsleben aus. Der Wert der Entgeltpunkte wird mit Hilfe der Rentenformel berechnet und lag Ende 2015 bei 28,91 Euro (brutto) bzw. 25,84 Euro (netto).

Als Resultat politischer Entscheidungen ist die Wertentwicklung der Entgeltpunkte in den zurückliegenden Jahren mittels Kürzungs- und Dämpfungsfaktoren, die in die Rentenformel eingearbeitet wurden, von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt worden. Diesem Zweck dienten und dienen der Riesterfaktor, der Nachhaltigkeitsfaktor und der modifizierte Bruttoentgeltfaktor (2006). Das Einfügen des (zeitlich befristeten) Riesterfaktors in die Rentenformel war eine Maßnahme, um die Rente zwischen 2002 und 2013 spürbar abzusenken. Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde 2005 eingeführt und ist auf Dauer angelegt. Er soll dazu beitragen, das abgesenkte Rentenniveau zu erhalten. Mit der Dämpfung und Kürzung der Rente wird das Ziel verfolgt, den Rentenbeitragssatz niedrig zu halten und die Wirtschaft vor höheren Kosten zu bewahren. Als obere Grenze ist im Rentenversicherungsnachhaltigkeitsgesetz von 2005 ein Beitragssatz von 20% bis 2020 und von 22% bis 2030 festgelegt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestätigte 2016 die 22%-Obergrenze und empfiehlt eine obere Haltelinie von 25% bis zum Jahr 2045 (vgl. [2]).

Die Standardrente selbst weist als Rentenkenngröße Stärken und Schwächen auf. Sie ist sehr nützlich, wenn es darum geht, die Rente, die man individuell erhält oder voraussichtlich erhalten wird, angemessen einordnen und bewerten zu können. Weniger geeignet ist sie als statistisches Kriterium zur allgemeinen Beurteilung der Rentensituation. Das liegt vor allem daran, dass sich mit dem ausgewiesenen Wert keine Information über die statistische Verteilung der einzelnen Renten verbindet. Wie hoch ist der Anteil der Personen, die eine Rente in Höhe der Standardrente beziehen? Sind es 80% oder eher 50% oder vielleicht nur 20%? Man weiß es nicht. Aufschluss darüber würden erst genauere Kenntnisse über die Beitragszeiten und die durchschnittliche Höhe der Einzahlungen erbringen. Das gilt in gleicher Weise für Angaben zum Rentenniveau, da diese Größe auf der Standardrente basiert.

Durchschnittswerte sind diesbezüglich deutlich ehrlicher und aussagekräftiger. Von einem Rentendurchschnittswert weiß man – zwar nicht genau, aber zumindest überschlägig –, dass etwa die Hälfte der Rentner weniger als den ausgewiesenen Betrag erhält und die andere Hälfte darüber liegt. Er hat folglich einen höheren Informationsgehalt als eine Größe wie die Standardrente. Ein Nachteil des Durchschnittswertes ist, dass alle Rentenbezieher in die Berechnung eingehen, also auch die, die (aus welchen Gründen auch immer) nur wenige Jahre in die GRV eingezahlt haben und sehr geringe Renten beziehen. Damit ist der Wert wenig repräsentativ für langjährig versicherte Beitragszahler.

Grundsätzlich kann die Rentenproblematik aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtetet werden: von der Einnahmenseite her oder von der Ausgabenseite. Im Unter-schied zu den meisten Studien, die sich mit Fragen zur Zukunft der gesetzlichen Rente befassen, liegt der Schwerpunkt der vorliegenden Studie nicht bei den Ausgaben, sondern bei den Einnahmen der GRV. Erst nachdem die Einnahmeseite ausführlich behandelt worden ist, wird der Frage nach der zukünftigen Höhe der Rente nachgegangen. Diese Reihenfolge im Vorgehen ist wichtig, da die Höhe der Einnahmen entscheidend ist für die Höhe der Renten, die ausgezahlt werden können. Diesem Aspekt wird in den meisten Untersuchungen viel zu wenig Beachtung geschenkt. Es wird meist lediglich die Höhe der Rentenbeitragssätze thematisiert, auf eine Abschätzung der Einnahmen dagegen verzichtet. Dabei ist die Einnahmesituation neben der demographischen Entwicklung der Dreh- und Angelpunkt für jede fundierte Abschätzung zukünftiger Renten, und damit für die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit des umlagefinanzierten Rentensystems insgesamt.

Verwaltungskosten und Verfahrenskosten, die im Jahr 2015 knapp 1,4% der Einnahmen ausmachten (vgl. [3]), werden in allen Berechnungen nicht gesondert berücksichtigt.

Die Studie selbst ist unterteilt in sieben Kapitel. Im nachfolgenden Kapitel 2 wird zunächst die Einnahmeentwicklung zwischen 1991 und 2015 ausführlich dargestellt. Dabei werden Begriffe, die für das Verständnis der Studie wichtig sind, herausgearbeitet und erläutert.

In den Kapiteln 3 und 4 werden die wirtschaftlichen und demographischen Rahmen-bedingungen für die Prognoseszenarien beschrieben und diskutiert. Ein zentrales Element dieser Kapitel ist die Verknüpfung der demographischen Entwicklung mit der angenommenen wirtschaftlichen Entwicklung über den Erwerbstätigenbedarf als vermittelnder Größe.

Auf Grundlage der getroffenen ökonomischen und demographischen Annahmen werden verschiedene Prognoseszenarien für die gesetzliche Rente durchgerechnet (Szenario A bis Szenario F). Das Szenario A steht im Mittelpunkt der Auswertung und dient als Referenzmaßstab für die Beurteilung der Ergebnisse der anderen Szenarien. Die Ergebnisse der Prognoseszenarien werden in den Kapiteln 5 und 6 präsentiert. Im Kapitel 5 wird die Rentenentwicklung unter Einnahmegesichtspunkten dargestellt, im Kapitel 6 steht der Ausgabegesichtspunkt im Vordergrund.

Der zentrale Begriff zur Charakterisierung der Einnahmesituation ist die Normrente. Sie wird im Kapitel 2 eingeführt und genauer erläutert. Der Begriff ist etwas verwirrend, da er nicht, wie der Name vermuten lässt, Auskunft über die durchschnittliche Höhe der Rentenzahlungen gibt, sondern über die Höhe der Einnahmen der GRV bezogen auf die Zahl der Rentner. Es ist eine rein theoretische Größe, die in Rentenstudien bisher nicht verwendet worden ist. Sie beschreibt die Einnahmesituation in pauschaler Form, ohne näher darauf einzugehen, für welche Renten oder Rentenarten die Einnahmen verwendet werden, ob zur Zahlung von Altersrenten, Hinterbliebenenrenten oder Erwerbsminderungsrenten.

Als Maßzahl ist die Normrente vergleichbar mit dem Altersquotienten (vgl. Kap. 5.2.1.1). In beiden Fällen geht es nicht so sehr darum, eine Rentensituation mit Hilfe eines Einzelwertes (punktuell) zu beschreiben, als vielmehr darum, Entwicklungstendenzen, die für die Rente wichtig sind, herauszuarbeiten und darzustellen. Während mit Hilfe des Altersquotienten die demographische Entwicklung quantitativ abgebildet wird, dient die Normrente dazu, die Entwicklung der Finanzsituation der GRV zu beschreiben.

Das Kapitel 5 bildet den Schwerpunkt der Studie. Hier werden anhand der Normrente und weiterer, auf die Normrente bezogener Kenngrößen die Ergebnisse der verschiedenen Prognoseszenarien präsentiert, darunter je ein Szenario mit einem angenommenen Renteneintrittsalter von 65 Jahren bzw. von 70 Jahren (vgl. Tab. 1.1).

Aufgrund der zentralen Rolle, die die Standardrente in der allgemeinen rentenpolitischen Diskussion besitzt, wird im Kapitel 6 die mögliche Entwicklung dieser Kenngröße aus den Ergebnissen des Kapitels 5 abgeschätzt. Das Kapitel 6 ist das einzige Kapitel der Studie, in dem die Rentensituation sowohl unter Einnahmegesichtspunkten (Normrente) als auch unter Ausgabegesichtspunkten (Standardrente) betrachtet wird. Um den grundsätzlich unterschiedlichen Charakter dieser beiden Sichtweisen auch im Begrifflichen zum Ausdruck zu bringen, wird zur Beschreibung der Einnahmesituation im Kapitel 6 nicht der Begriff der „Normrente“, sondern die Bezeichnung „Einnahmen pro Rentner“ oder „Pro-Kopf-Einnahmen“ verwendet.

Der Schritt hin zur Abschätzung der Entwicklung der Standardrente ist nicht ganz unproblematisch, da die Standardrente eine Größe ist, die insgesamt stärkeren politischen Einflüssen unterliegt als die Einnahmeentwicklung. Das erschwert verlässliche Prognosen. Die Abschätzung der Entwicklung der Standardrente erfolgt auf Grundlage der Ergebnisse des Prognoseszenarios A. Für die anderen Szenarien wird diese Berechnung nicht durchgeführt.

Im abschließenden Kapitel 7 werden ausgewählte Prognoseergebnisse noch einmal unter politischen Gesichtspunkten dargestellt und diskutiert.

Inhaltsverzeichnis

1            Vorbemerkung 1

2            Die gesetzliche Rente zwischen 1991 und 2015  7

3            Zur wirtschaftlichen Entwicklung            26

4            Zur demographischen Entwicklung         34

5            Prognoseszenarien für die Normrente   49

5.1         Anmerkungen zu den Szenarien              49

5.2         Szenarien für ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren      52

5.2.1     Fester BIP-Zuwachs und variierende Produktivitäts-steigerung  52

5.2.1.1  Szenario A  (mittlere Produktivitätssteigerung)  53

5.2.1.1.1             Entwicklung bei unreduzierten GRV-Einnahmen             56

5.2.1.1.2             Entwicklung bei Lebensstandard sichernden GRV-Einnahmen              58

5.2.1.1.3             Entwicklung bei reduzierten GRV-Einnahmen    60

5.2.1.1.4             Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse 62

5.2.1.1.5             Normrente bei unterschiedlicher Lohnentwicklung        65

5.2.1.2  Szenario B  (schwache Produktivitätssteigerung)             67

5.2.1.3  Szenario C  (starke Produktivitätssteigerung)     68

5.2.1.4  Die Szenarien A, B und C im Vergleich    69

5.2.2     Variierender BIP-Zuwachs bei fester Produktivitätssteigerung    74

5.2.2.1  Szenario D (schwaches BIP-Wachstum) 75

5.2.2.2  Szenario E (starkes BIP-Wachstum)        76

5.2.2.3  Die Szenarien A, D und E im Vergleich    77

5.3         Szenarien mit unterschiedlichem Renteneintrittsalter    79

5.3.1     Szenario F  (Rente mit 65 Jahren)            80

5.3.2     Szenario G  (Rente mit 70 Jahren)           81

5.3.3     Die Szenarien A, F und G im Vergleich    82

6            Prognoseszenarien für die Standardrente           86

6.1         GRV-Einnahmen und Standardrente      86

6.2         Ausschöpfung des Beitragspotentials und Standardrente            97

6.3         Versuch einer Gesamtprognose für die Standardrente   104

7            Resümee           108

Literatur             111

A  N  H  A  N  G  113

Stichwortverzeichnis     139

 

Stichwortverzeichnis

Altersquotient 5, 16, 53
Altersquotient (modifiziert) 54 f
Anrechnungszeiten 87
Arbeitnehmerentgelt 29 f
Arbeitslosenbeiträge 11, 13, 49, 97, 99
Ausbildungszeiten 87, 89
Babyboomer-Generation 35, 45, 55
Beitragsäquivalenz  7, 109
Beitragseinnahmen vgl. Einnahmen der GRV
Beitragsjahre 87
Beitragspotential 13, 97 ff
Betriebsrentenstärkungsgesetz 101
Bruttoentgeltfaktor 3, 90
Bruttoinlandsprodukt 24 ff
Bruttolohnentwicklung 22
Bruttolohnquote vgl. Lohnquote
Bruttolohnsumme 9, 50
Bundesmittel 7 f, 89
Bundeszuschüsse vgl. Bundesmittel
Dämpfungsfaktoren 3, 89, 90, 109
Demographiezuschuss 107
Durchschnittsrente 4, 16, 87
Eckrente vgl. Standardrente
Einheimische Bevölkerung 34, 43
Einnahmen der GRV 4, 8 ff
Entgeltpunkt 3, 87
Entgeltumwandlung 11 f, 20, 49, 97, 101
Erwerbsminderungsrente 89, 90, 93
Erwerbstätigenbedarf    32 f, 39 ff
Erwerbstätigenpotential    34, 40 f
Erwerbstätigenquote 34
Frühverrentung 89
Geburtenentwicklung 35
Geringverdiener 89, 93, 99, 101
Gesetzliche Rentenversicherung 2, 7
Grundrente 93
Haltelinien    3, 61, 73, 107
Hinterbliebenenrente    94
Immigranten 34, 36 ff, 46, 54, 73
 
Koalitionsvertrag 2018 92 f, 101
Lebensstandard sichernde Rente 18, 21 ff
Lebensstandard sichernder Beitragssatz 18, 19
Lohnquote 30, 65 f
Mindestentgeltpunkte 89
Minijobs 11
Mütterrente 90, 93
Nachhaltigkeitsfaktor 3, 90
Niedriglohnsektor 49
Niveausicherungsklausel 106
Normrente 5, 16 f, 50, 57 ff, 88
Österreich 109
Pensionsfond 12, 20, 101
Private Rentenversicherung 2
Produktivität 31 f
Prognoseszenarien 52, 74, 80
Regelaltersgrenze 3
Rente mit 63 90
Rente mit 65/67/70 vgl. Renteneintrittsalter
Rentenbeitragssatz 13 f, 19, 51
Rentenbezugsdauer 48
Renteneintrittsalter 3, 14, 38, 46 ff, 79 ff, 90
Rentenformel 3, 90 f, 109
Rentenniveau 17, 86, 96, 105 Rentenpunkt vgl. Entgeltpunkt
Rentenquote 18, 19, 50, 59 ff
Rentenversicherungsnachhaltigkeitsgesetz 3, 106
Rentner (Anzahl) 15, 45 ff
Riesterfaktor 3, 89
Riesterrente 12
Standardrente 3, 86 ff, 95, 105
Sterbealter 44
Umlageverfahren 2, 7
Umrechnungsfaktor 91, 92, 94
Versicherungsfremde Leistung 7, 90 ff, 110
Verwaltungskosten 4
Zuwanderung vgl. Immigranten

Pressemitteilung

Berlin (19. Juni 2019). Seit 1991 ist das Niveau der gesetzlichen Rente um sechs Prozentpunkte zurückgegangen, von 54 Prozent des Durchschnittslohns auf mittlerweile 48 Prozent. Viele Arbeitnehmer, für die die gesetzliche Rente die wichtigste Absicherung im Alter darstellt, machen sich Sorgen. Wird das Rentenniveau weiter zurückgehen, wird es sich möglicherweise stabilisieren oder vielleicht wieder ansteigen? Welche Bedingungen müssen gegeben oder erfüllt sein, damit die gesetzliche Rente sich in die eine oder in die andere Richtung verändert? Im Juni-Heft der renommierten Fachzeitschrift Wirtschaftsdienst befasst sich der Autor Günter Eder mit diesen Fragen und zeigt auf, wie unterschiedliche Maßnahmen und Entwicklungen sich auf die Rente ausgewirkt haben beziehungsweise auswirken werden. Er kommt zu dem Schluss, dass eine nachhaltige Rentenpolitik das gesetzliche Rentensystem wieder in den Mittelpunkt der Alterssicherung rücken muss. Sie sollte sich an Grundsätzen orientieren, die bis zu Beginn der Kanzlerschaft Gerhard Schröders Gültigkeit besaßen und die für die große Zahl der Rentenbezieher zufriedenstellende Renten garantierte.

Die Grundlagenstudie von Dr. Eder, die Ende 2018 unter dem Titel „Die Rente im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Demographie“ im Berliner Rhombos-Verlag erschienen ist, und aus der im Wirtschaftsdienst-Artikel einige Ergebnisse vorgestellt werden, belegt die zentrale Rolle der Politik für die Entwicklung der gesetzlichen Rente. Danach ist der Einfluss der Politik weitaus größer als der Einfluss, der von den demographischen Veränderungen ausgeht. In der Hand von Politikern liegt es, ob zukünftige Rentner unter sonst gleichen Bedingungen, das heißt bei gleichem wirtschaftlichen Wachstum, gleicher demographischer Entwicklung, gleichem Renteneintrittsalter und gleichem Rentenbeitragssatz, im Jahr 2050 mit einem Rentenniveau von 57 Prozent rechnen können oder ob das Rentenniveau auf einen Wert von 38 Prozent herabsinkt. Letztgenanntes wird eintreten, wenn der Anteil versicherungsfremder Leistungen, der aus Beitragseinnahmen zu bezahlen ist, weiter ausgeweitet wird und sich gleichzeitig die Einnahmesituation des gesetzlichen Rentensystems durch zunehmende Förderung der privaten Vorsorge mittels Entgeltumwandlung sowie durch Ausweitung des Niedriglohnsektors mit abgesenkten Sozialbeiträgen verschlechtert.
Seit Jahren behaupten Lobbyisten der Finanz- und Versicherungswirtschaft, dass auskömmliche Renten wegen des demographischen Wandels bald nicht mehr finanzierbar seien, zumindest nicht auf Basis des gesetzlichen Umlageverfahrens. Für Renten, die den Lebensstandard sichern, solle das System deshalb (teilweise oder vollständig) auf Kapitaldeckung umgestellt werden. Denn nur das Kapitaldeckungsverfahren erwirtschafte genug Rendite, um auch in Zukunft auskömmliche Renten bezahlen zu können. Diese Einschätzung teilen mittlerweile viele Menschen und sie ist besonders in der jüngeren Generation weit verbreitet. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussage kann es die Finanz- und Versicherungswirtschaft als großen Erfolg verbuchen, dass sich dieses Denken in die Köpfe vieler Menschen tief eingeprägt hat.
Doch worauf beruhen diese „Erkenntnisse“? Basieren sie auf aktuellen wissenschaftlichen Studien, die von unabhängigen Forschungsinstituten erarbeitet wurden und die eine solche Entwicklung in nachvollziehbarer Form als gesichert und zwangsläufig belegen? Man wird vergeblich nach solchen Studien suchen. Warum sollte sich auch ein System, das den demographischen Wandel zwischen 1950 und 2000 problemlos bewältigt hat (und nebenbei Millionen DDR-Rentner integrierte), von einem bis 2050 zu erwartenden demographischen Wandel in gleicher Größenordnung plötzlich vor unlösbare Probleme gestellt sehen?
„denn eins ist sicher: Die Rente“ plakatierte der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm im Jahr 1986 und erntete dafür Hohn und Spott von seinen Gegnern. Zu Recht und gleichzeitig zu Unrecht. Zu Recht, weil die kommende Rentenentwicklung ihn eines Besseren belehrte. Zu Unrecht, weil die Aussage im Prinzip richtig war, nur hätte sie eines ergänzenden Nachsatzes bedurft: „… wenn die Politik es will“.
Dr. Eder macht in seiner Studie deutlich, dass der zu beobachtende Rückgang des Rentenniveaus in erster Linie Resultat einer Rentenpolitik ist, die bereitwillig den Interessen und Wünschen der Wirtschaft nachgekommen ist und gleichzeitig einen steigenden Anteil der Beitragseinnahmen für versicherungsfremde Leistungen verwendet hat. Sollte diese Politik nicht grundlegend revidiert werden, wird das Rentenniveau zwangsläufig weiter zurückgehen und das Problem der Altersarmut wird sich – in einem der reichsten Länder der Welt – weiter verschärfen. Politiker sollten nicht länger die Augen vor dieser Entwicklung verschließen. Im Interesse der Menschen sollten sie den Mut aufbringen, die Fehlentwicklung zu korrigieren, hin zu einer echten Stärkung der gesetzlichen Rente. Eine solche Korrektur ist dringend erforderlich und sollte gegebenenfalls auch gegen die Interessen einflussreicher Akteure durchgesetzt werden.

Hinweise für Journalisten:

Eder, Günter: Die Rentenpolitik bedarf einer Kurskorrektur. In: Wirtschaftsdienst, Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, 99. Jahrgang, 2019, Heft 6, S. 425-431. ISSN: 0043-6275 (Print). Eine „Full-Text View-Only Version“ finden Sie unter dem Springer-Link: https://rdcu.be/bHEVt
Herausgegeben wird die Zeitschrift von der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften/Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, Hamburg.

Eder, Günter: Die Rente im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Demographie. Datenbasierte Überlegungen zur Zukunft der gesetzlichen Rente. 146 Seiten. Format DIN A4. Hardcover. Zahlreiche Abbildungen und Tabellen. Preis: 24,80 Euro. ISBN 978-3-944101-47-7. Rhombos-Verlag, Berlin 2018.
Link zur Homepage: https://rhombos.de/shop/buecher/die-rente-im-spannungsfeld-von-politik-wirtschaft-und-demographie.html

Rezension:

Reiners, Hartmut: Rezension in Gesundheits- und Sozialpolitik, GuS, Jahrgang 73 (2019), Heft 3, Seite 56. Online einsehbar: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/1611-5821-2019-3-56/rezensionen-jahrgang-73-2019-heft-3?page=1


Der Autor

Dr. Günter Eder, Diplom-Mathematiker mit langjähriger Erfahrung in der Bearbeitung statistischer Fragestellungen, zunächst an der TU Berlin, dann in freiberuflicher Tätigkeit. Arbeitsschwerpunkte in den  Bereichen  Umwelt, Gesundheitswesen  und  Elektrizitätswirtschaft. Zu seinen Entwicklungen zählen Prognosemodelle, mit denen zukünftige Abfallmengen auf Basis allgemeiner Produktions- und Verbrauchsstatistiken abgeschätzt werden können. Darüber hinaus entwickelte er ein neuartiges Prognoseverfahren für Standardlastprofile auf zeitreihenanalytischer Grundlage.

Dr. Günter Eder erreichen Sie unter folgender E-Mailadresse: eder-revers@t-online.de

Der Rhombos-Verlag genehmigt die unentgeltliche Nutzung dieses Pressetextes für redaktionell-journalistische Veröffentlichungen. Im Falle einer Veröffentlichung wird um einen Beleg gebeten.

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