Als die Götter noch jung waren

Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage

Norbert Lönnendonker

Kurzübersicht

Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage
ISBN: 978-3-930894-92-5
Veröffentlicht: 2003, -. Auflage, Einband: Broschur, Seiten 340, Format DIN A5, Gewicht 0.45 kg
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Als die Götter noch jung waren

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Details

Debatte über die Entstehung des Nibelungenliedes

Seit der Wiederentdeckung der Nibelungenlied-Handschriften Ende des 18. Jahrhunderts ist bis in die neueste Zeit hinein viel nach den historischen Grundlagen des Sagenstoffs geforscht worden. Die Suche erstreckt sich auf die Völkerwanderungszeit sowie die Entstehungszeit des Liedes um das Jahr 1200.  Über die Suche nach dem sogenannten historischen Kern der Nibelungensage hat nun Matthias Schulz (Spiegel Nr. 20; 14. Mai  2005) einen Diskussionsbeitrag geliefert, der unter dem Titel: »Forscher suchen nach dem historischen Kern der Nibelungensage« eben dieser These breiten Raum gibt. Norbert Lönnendonker, von Haus aus Chemiker, vertritt in seinen Veröffentlichungen eine völlig gegensätzliche These.

Für ihn ist die Nibelungensage aber keine ‘nur’-literarische Fiktion, sondern er sammelt Belege dafür, dass Grundlage der Nibelungensage die germanische Göttersage ist. Als Antwort auf Heinz Ritter-Schaumburgs Buch „Die Nibelungen zogen nordwärts“, das sich mit den besonders  zahlreichen Ortsangaben in der Thidrekssaga,  (der Dietrichssage), beschäftigt, hat er eigene Forschungen angestellt und ist dabei zu einer Fülle interessanter Entdeckungen und Ergebnisse  gekommen.   

Grundsätzlich teilt er Ritter-Schaumburgs These, dass die Nibelungen um Siegfried, Gunther und Etzel, die auch in der Thidrekssaga eine große Rolle spielen, sich in einem sehr viel kleineren Radius bewegt haben müssen als bisher angenommen, nämlich vom Eichsfeld im Osten bis zu den Bördelandschaften von Soest Warburg und Zülpich sowie westlich bis nach Trier und den Niederlanden. Dass die zahlreichen Ortsnamen der Thidrekssaga von manchen Autoren – primär wohl aus Unkenntnis – von den späteren Erzählern und Bearbeitern häufig mehrere Hausnummern zu groß interpretiert wurden, ironisiert er als kaiserzeitlichen Größenwahn eben dieser Autoren. Die zahlreichen Ungereimtheiten, die Lönnendonker Ritter-Schaumburg aufgrund ausführlicher Recherchen in Handschriften und einschlägigen Werken nachweist, haben ihn allerdings nicht entmutigt, sondern zu weiteren bemerkenswerten Entdeckungen geführt, nämlich dass der Kern der Sage nicht während der Völkerwanderungszeit entstanden sei, sondern in der vorrömischen Eisenzeit, etwa im 5. Jahrhundert vor Christus. In dieser Zeit, so der leidenschaftliche Forscher, seien die Götterkulte noch im Umbruch gewesen. Ein Vergleich der Attribute der Götter und der ‘Helden’ der Nibelungensage fördert eine Reihe verblüffender Ähnlichkeiten zutage. Folgerichtig nennt Norbert Lönnendonker sein im Rhombos Verlag, Berlin 2003 (ISBN 3-930894-92-0) erschienenes Buch „Als die Götter noch jung waren“.

Dass er sich dabei ausführlich mit der Frage nach Siegfrieds Hornhaut auseinandersetzt und Siegfried damit in die Nähe des keltisch/germanischen Eberkultes bringt und dass er sich dabei auch um Erklärungen für sprechende Vögel und andere zauberische Elemente bemüht, ist interessant, wenn auch manchmal erst auf den zweiten Blick überzeugend.

Lönnendonkers Werk ist mit Sicherheit eine Fundgrube für neue Denkansätze; die Schwäche – wenn man das Schwäche nennen soll – liegt darin, dass die Lektüre von Ritter-Schaumburgs Buch, mindestens aber der Dietrichsage vorausgesetzt wird, Zusammenfassungen wären hier hilfreich gewesen, auch fehlt eine Karte, mit Hilfe derer man die Bewegungen der Nibelungen (Niflungen) hätte nachvollziehen können, und schließlich hätte man sich auch klare Schlussfolgerungen am Ende jedes Kapitels gewünscht. (Lönnendonker verspricht jedoch, dass Karten in seinem geplanten neuen Buch zur Entschädigung der Leser reichlich vorkommen  werden). Für den Kenntnisreichen und Wissensdurstigen ist die Lektüre gerade dieses Buches allerdings ein großer Gewinn.  

 

Dr. Norbert Lönnendonker

"Thidrekssaga und Nibelungenlied sowie deren Vorlagen sind die möglicherweise kümmerlichen Reste einer ‘Schlüsseldichtung’, die von einem Streit unter den germanischen Götterfamilien handelt."

"Die kleinräumige Interpretation der toponymischen Angaben der Thidrekssaga schließlich ergab starke Hinweise, dass der Ursprung der Sagen, zu denen natürlich  auch das Nibelungenlied, der Waltharius und das Kudrunlied gehören, in einem Raum zu suchen ist, welcher nahezu deckungsgleich mit demjenigen Raum ist, innerhalb dessen Prof. J. Udolph aufgrund namenkundlicher Untersuchungen die Entstehung der germanischen Sprachen lokalisiert. Insofern ist das, was ich vereinfacht „die Nibelungensage“ zu nennen pflege, nicht nur das Nationalepos der Deutschen, sondern sämtlicher germanischsprachigen Völker. Das hat zur Konsequenz, dass der Behauptung, die Sage habe ihren Ursprung in der Zeit der Völkerwanderung, ganz entschieden widersprochen werden muss."

Norbert Lönnendonker:
Als die Götter noch jung waren
Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage
ISBN 3-930894-92-0. 340 Seiten. 2003. Preis: 25,30 Euro

  
Das völlig unwiderlegbare Resultat meiner Nachforschungen, die ich in dem Buch mit dem Titel "Als die Götter noch jung waren" präsentiere, ist die große Ähnlichkeit in Attributen von Helden der Sagen, die ich vereinfacht Nibelungensagen nennen will, und einigen germanischen Göttern.
Die Beziehungen zwischen der germanischen Götterdichtung und der germanischen Heldendichtung sind weitaus vielfältiger als ich bisher gedacht hatte. Spuren finden sich sowohl im Nibelungenlied als auch in der Thidrekssaga und im Waltharius, obwohl kein einziger Name der alten Götter in den aufgeführten Sagen genannt ist. Vereinfacht könnte man sagen, dass die germanischen Götter in den Liedern nicht genannt werden, weil die Sage von den Göttern selbst handelt:

  •  Siegfried ist die Inkarnation oder Fleischwerdung des Frô/Freyr/Ing, möglicherweise als letzte Inkarnation dieses Gottes. 
  • Hagen ist Odin/Wotan, möglicherweise Grund und Ursache des Aufstiegs dieses Gottes
  • Dietrich von Bern ist Sohn oder Enkel Thors (in der Thidrekssaga wird sein Großvater Samson genannt) mit der Bartlosigkeit, welche von frühen Darstellungen des griechischen Zeus berichtet wird. Um zu erklären, warum der Großvater Thidreks in der Thidrekssaga Samson heißt, stelle ich immer zunächst folgende Frage: "Wer ist Samson in der Bibel?" Wenn ich merke, dass mein Gegenüber nicht bibelfest ist, frage ich weiter: "Ist das nicht der biblische Kraftprotz?" Wenn ich ein Aufleuchten in den Augen sehe, frage ich ganz schnell: "Wer ist der Kraftprotz unter den germanischen Göttern?" Meistens erhalte ich dann von Leuten, die in germanischer Mythologie bewandert sind, die richtige Antwort.
  • Brunhild endlich ist die Geliebte des germanischen Gottes Frô oder seiner Inkarnation.

Thidrekssaga und Nibelungenlied sowie deren Vorlagen sind die möglicherweise kümmerlichen Reste einer ‘Schlüsseldichtung’, die von einem Streit unter den germanischen Götterfamilien handelt.

 

Als Beispiel für die Seriösität des Unternehmens habe ich hier lediglich den Text eines von mir verfassten Exzerpts über verschiedene Namen wiederzugeben:  

Der Name Siegfried
Vor einigen Jahren erschien Jakob Grimms Deutsche Mythologie in einer Neuauflage. Ich las dieses Buch in der Absicht durch, etwas zu meinem Thema zu finden. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich anfangs zu hoffen gewagt hatte, dieser Kelch möge an mir vorübergehen aber dann stellte sich heraus, dass ich an einer Lektüre nicht vorbei kam. Ich stieß dort tatsächlich auf einige Zeilen, welche mich in Bezug auf die Bedeutung des Namens 'Siegfried' stutzig machten. Grimm äußerte sich für mich überraschend über die Stelle der Vilk. saga cap. 319: hans horund var svâ hart sem sigg villigaltar, die Ansicht: „vielleicht bezeichnet sigg die borstige haut“? Hatte ich damit den richtigen Schlüssel schon gefunden? Wohl kaum! Für sich alleine reichte dies noch nicht aus. Andererseits hatte sich Roswitha Wisniewski mit den Namensformen der Thidrekssaga beschäftigt und dort mehrere abweichende Formen des Namens Siegfried festgestellt: Diese Form Sigisfrod; ist nicht so einfach wie die obenerwähnte Form Sigfrœdr als nordisiertes Sigfred zu erklären. Zumindest müßte sie auf ein dt. Sigisfred zurückgehen. Der Stamm Sigis- ist aber nur selten in Namensformen zu finden und fast nur im ostgerm Raum. Gerade die Form Sigisfrid ist jedoch für das 11. Jh. für den ndd. Raum bezeugt.

Wir würden also ein ndd. Sigisfred als Vorstufe der Form Sigisfrod ansetzen können. Aber wie ist das -o- in -frod zu erklären? Mb schreibt zwar o statt (Zeichen wird nicht richtig wieder-gegeben);, aber ø ist immer durch œ bezeichnet. Sollte also eine Verschreibung vorliegen (o statt œ)? [Wie o zu ie wird erläutere ich an anderer Stelle]

Man benötigt nicht die Annahme einer Verschreibung. Aller Wahrscheinlichkeit nach bedeutet Siegfried nichts anderes als etwa Sigg-frodi, was ungefähr auf ein „borstig durch [die Gnade des Gottes] Frô“ herausliefe. Nun war dem germanischen Gott Frô, dessen Funktionen später zum Teil von Odin/Wodan [Wotan] übernommen wurden, der Eber heilig, und Eber wurden in keltischen Kleinplastiken mit charakteristischem Borstenmuster auf dem Rücken dargestellt. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, auch germanische Kleinplastiken kennen zu lernen, doch in der deutschen Erde ruhten tatsächlich ähnliche Stücke. Der anlässlich der Ausstellung über die Alemannen erschienene Katalog zeigt ein solches Stück, einen Eber aus Ton, welcher etwas an unsere Sparschweine erinnerte, wäre da nicht diese charakteristische Borstenleiste auf dessen Rücken. Auch in der Nähe von Soest hat man unlängst eine kleine Eberplastik gefunden, welcher allerdings die Borsten augenscheinlich abgefeilt worden sind. Waren diese beschädigt? Dass die Eberplastik ganz ähnlich aussieht wie die bei Orange im heutigen Frankreic h bgefundene, beweist noch nicht unmittelbar ihren keltischen Ursprung. Es könnte auch eine Gussform in die Nähe von Soest gelangt sein und dort von

germanischer Hand gegossen worden sein. Zeitlich eingeordnet werden alle Funde in Herwitte in die vorrömische Eisenzeit.

 

  •  
    • Ist Siegfrieds vom Drachenblut gehärtete Haut in Wirklichkeit auf eine Erbkrankheit zurückzuführen?  Das Bild zeigt eine männliche, an Ichthyosis vulgaris erkrankte Person. Das Krankheitsbild der X-chromosomal rezessiven Ichthyosis zeigt eine stärkere und dunklere Schuppung. Sonst ähnelt es dem der Ichthyosis vulgaris sehr. Ein solches Bild war nur nicht zu bekommen; dies sollte auch schwierig sein, weil die meisten von einer solchen Krankheit betroffenen Personen sich in Behandlung befinden und eine Behandlung das äußere Erscheiningsbild beträchtlich verändert. Die Schuppung geht in der Regel zurück bzw. wird aufgelöst.

Grimm hat noch einen anderen Personennamen zu erwähnen und zwar Epurhelm, Eparhelm, den er mit Frôhelm vergleicht, worin das d auch in der Tat nicht auftaucht, während die moderne Form ‘Friedhelm’ das d enthält. Aber was soll Friedhelm bedeuten? Was dieser Name heute bedeuten sollte, wäre blühender Blödsinn. Hält ein ‘Friedhelm’ den Kopf etwa zu immer aufs Neue herabprasselnden Schwerthieben hin? Eine reale Bedeutung gewinnt der Name nur, wenn er

ursprünglich Frôhelm geheißen hat. Zu erinnern sei auch noch an den Namen Tyrshelm, der ebenfalls von J. Grimm ) erwähnt wird: "Dem kriegsgotte gebührt außer dem schwerte ein helm, wie schon der pflanzenname Martis galea Tyrshialm (s. 165) bezeugt." Anscheinend gebührte also mehreren alten Göttern ein Helm.

Über den Namen und die Toponymie des Segardr der Thidrekssaga
Ja dieses Segardr! Brunhilds ‘Burg’ ist wahrlich nicht leicht zu finden. Ich suchte es von vorneherein südlich des Harzes, im Hinblick darauf, dass Watterich hier die  südlichen Hermunduren-Sueven (s.o.) lokalisiert. Heinz Ritter-Schaumburg lokalisiert es zwar ganz in der Nähe, aber fälschlich nördlich des Harzes und identifiziert es anders, mit einem Namen, der aber nicht so ‘spricht’, wie der, welchen ich zu identifizieren wage. Ritter behauptet, dass Sægard nach der Ths. nördlich des Harzes bei Heimburg läge. Die Fußnote zeigt, dass ich ausnahmsweise einer durch die Handschriften A und B nahegelegten Lokalisierung zuneige. Vor dem Nordgebirge und dem südlichen Land bedeutet keinesfalls, dass Segard nur nördlich des Harzes aufzufinden sei. Der Harz als 'nördlichstes' Mittelgebirge ist das ‘Nordgebirge’ und wenn Segard ‘davor’ liegt, kann es auch südlich des Harzes liegen.

Zur Zeit las ich gerade in einem Werk von Helmut Schröcke eine Beschreibung der Verwandtschaft des altnordischen Wortes 'gardr', welches sich durch die den slavischen Sprachen eigentümliche Metathese in eben diesen zu 'grad' entwickelt habe. Im Deutschen werde dies häufig durch ‘burg’ wiedergegeben. Man nenne ja Petrograd im Deutschen Petersburg usw.! Da ich die genaue Stelle im Moment nicht mehr finden kann, sei auf etymologische Wörterbücher des Deutschen und das Stichwort Garten verwiesen. Und jetzt zur Wahrheit, da ich inzwischen die Literaturstelle wiedergefunden habe. Sie lautet: "Das beweisen unter anderem viele tausende altnordische Wörter in der slowenischen Sprache, deren Endsilben aber meistens verstümmelt sind oder sich den sprachlichen Eigentümlichkeiten des osteuropäischen Sprachraumes angepaßt haben, so z.B. die Wörter .... torg trg (Markt), vingaard vinograd (Weingarten) usw. Die Wurzeln vieler slowenischer Wörter nordischen Ursprungs sind auch durch Metathese verändert, z.B. melk mleko (Milch), berg breg (Berg), valdari vladar (Herrscher), mylnar mlinar (Müller)."

Hier ist nichts von Petrograd, Petersburg, dennoch stimmen die Schlussfolgerungen zweifelsohne. Die Gäule meiner Phantasie waren mit mir durchgegangen und ich hatte die fehlenden Wörter im Geiste ergänzt. Es ist also kein Wunder, dass ich sofort intuitiv erkannte, dass dieses Segard der Thidrekssaga im Deutschen Seeburg (s.u.) heißen müsse.

 

Julius Leithaeuser führt noch eine Fußnote zum Stichwort Garten auf, die das Wort in mehreren alten Sprachen nennt: Aus der Grundbedeutung der Umfriedung fussend, bezeichnet das Wort in O.- u. F.N. eingefriedetes Land, Umhegung, eingehegte Pflanzung.

Gerade in diesem speziellen Moment, wo ich mich geistig mit diesem Thema auseinandersetzte, stöberte ich in einen gewöhnlichen Autoatlanten und stieß auf einen Ort mit Namen Seeburg am Seeburger See, südlich des Harzes. Die Erkenntnis traf mich wie ein Schock. Seeburg musste das Segardr der Thidrekssaga sein. Der (die) Verfasser der Thidrekssaga hatten augenscheinlich Rückübersetzungen aus dem Deutschen ins Nordische vorgenommen und dabei die Bezeichnung Segardr konstruiert. Dass bei der allgemeinen Konfusion des deutschen Wortes See, welches im Deutschen je nach Geschlecht entweder einen Binnensee oder das Meer bezeichnet, während es mancherorts ausschließlich zu der Bezeichnung für Meer geworden ist (s.a. Englisch Meer = sea; See = lake) dieses Seeburg dann zwangsläufig ans Meer verlegt wurde, nimmt nicht mehr wunder.

Paff äußert sich zu diesem Problem ebenfalls: "Under Sváva I discuss the relationship between the two (Sigurðr and Brynnhilldr) and the question of their localization in Sváva-land in þiðriks saga. In ON Segarðr could mean 'fortress city by the sea', whereas in MHG it would be more likely to mean 'enclosure by a lake'."

Eigene Übersetzung:
Unter Sváva diskutiere ich die Beziehung der beiden (Siegfried und Brunhild) und die Frage ihrer Lokalisierung in ‘Suáva-land’ in der Thidrekssaga. Im Altnordischen kann es ‘Befestigte Stadt an der See’ bedeuten, während es im Mittelhochdeutschen eher ‘Umzäunung an einem (Binnen)see’ lauten könnte

Paff hat die richtige Idee bis auf den zwanghaft süddeutschen Begriff „Schwaben“. Im heutigen Schwaben aber habe die Sueven nie gelebt. Sie sind dort überhaupt nicht fassbar. 

Der Beiname Hagens ein Ortsname?
Der tabellarische Vergleich der Schreibweisen von kelt. Truncinas in romanischer Form und germ. Form, die zu nndl. 'Drongen' geführt hat und die beide mit Schreibweisen des Beinamens Hagens in den Handschriften A, B und C korrespondieren, ließ sich hier nur schlecht realisieren. Nur soviel sei gesagt: Die Fassung des Namens in Handschrift A (Tronyn, Tronie, Trony) korrespondiert überdeutlich mit Truncinas (frz. Tronchiennes) während das 'Tronege' in Handschrift C/(B) gut durch das Neuniederländische 'Drongen' (Ortsteil des heutigen Gent) wiedergegeben wird.

Es ist an anderer Stelle wahrscheinlich gemacht worden, dass sich Hagens Beiname auf einen realen Ortsnamen bezieht und nicht auf einen sagenhaften, wie den Trojas. Auch die neuesten Ausgrabungen in Schliemanns Troja beweisen nach Ansicht einiger Archäologen nicht, dass Troja wirklich existiert hat, da es außer der Ilias keine einzige Stelle gibt, die Troja erwähnt. Während der schon über einhundert Jahre andauernden Ausgrabungen hat sich innerhalb und außerhalb der Stadtmauern Trojas keine einzige Inschrift finden lassen, die auch nur entfernt an den Namen Troja erinnert. Ich finde, da sind wir in Bezug auf Tronje in einer bedeutend besseren Lage.

Damit aber nicht genug. In unmittelbarer Nähe zu Drongen/Tronege liegen Orts- oder Geländebezeichnungen wie Wulpe (weiter entfernt Wulpen) und eine Moere (Moor).
Was soll das heißen? Die angeblich verschiedenen Hagen (irischer König und Vasall der 'BURGUNDER') der zwei deutschen Sagenkreise (Kudrun- und Nibelungenlied) finden sich traut vereint in der Toponymie wieder. Als Kind habe ich den Hagen des Kudrunliedes für eine jugendliche Ausgabe des Hagen des Nibelungenliedes gehalten. Sollte mich das Gefühl meiner Kindheit nicht getrogen haben?

Das eigentliche Wesen des Dietrich von Bern 
Wer aber nun - um alles in der Welt - ist Dietrich von Bern? Dazu muss man zuerst eine ganz andere Frage stellen:

Wer ist in der Thidrekssaga Dietrichs Großvater? Der biblische Name Samson in der Ths. verrät den Kraftprotz, der Thor in der germanischen Göttersage in der Tat ja auch ist. Die schiere Kraft Thors ist sein Charakteristikum. Allerdings beweist die Wahl des Namens auch, dass der Autor dieses Abschnitts der Thidrekssaga bzw. deren hypothetischer Vorlage, ganz genau über die Götternatur des (Groß-)Vaters bescheid wusste. Hätte er nicht gewusst, dass Thor der (Groß-)Vater gewesen war, so hätte er keinesfalls einen derart sprechenden Namen gewählt. Ihm den Namen Thor zu lassen, verbot sich, da man jeden Bezug zu den germanischen Göttern vermeiden wollte. Ihm den Namen Herkules zu geben verbot sich ebenfalls, da dies zu offensichtlich gewesen wäre; schließlich war Thor in der interpretatio romana ja schon mit Herkules identisch. Dies zu verschleiern, ist den Autoren der Thidrekssaga zu einem erheblichen Teil gelungen. Nur die Bartlosigkeit des alten Donnerers [Zeus] blieb auch dem Enkel oder Sohn erhalten. Man sieht wie vorsichtig man mit Genealogien von Göttern sein muss.

Es ist also klar: Die Verteufelung Dietrichs rührt nicht von seinem Arianertum her, sondern von seiner Abstammung vom germanischen Gott Thor/Donar. Ob nun

Sohn oder Enkel Thors ist nicht so entscheidend. Der Vorwurf Hagens kann aber auch so nur sehr später Zeit entstammen, als man jemandem die Abstammung von einem germanischen Gott vorwerfen konnte. Jetzt erst klärt sich die Lage. Dietrich wirft Hagen die Abstammung von einem keltischen Gott vor und Hagen tut desgleichen, indem er ihm die Abstammung von Thor zum Vorwurf macht.
Die Götternatur verschiedener (oder aller [?]) Personen der Handlung war es, die den frühesten Verfasser oder Interpreten dazu zwangen Tarnnamen zu erfinden, war  doch die Beschäftigung mit heidnischen Themen von der Kirche strengstens verboten. Da die "Story" aber so gut war, konnte man auf sie nicht verzichten. Das  bedingte geradezu konspirative Tugenden im Verlauf des Verschriftlichungsprozesses.

Die aufgeführten Ausschnitte umfassen nur einen geringen Teil der hier angeschnittenen Themen des Buches. Es beschäftigt sich auch eingehend mit dem Eberkult des Frô, dem Gebrauch wahrscheinlich ursprünglich im Kultus des Frô benutzter Drogen, nämlich dem Fliegenpilz und einer zwar bis jetzt endlichen, doch nichts desto weniger äußerst unterhaltsamen Kette von Missverständnissen, der sowohl die Verfasser der Thidrekssaga als auch die des Nibelungenliedes aller Wahrscheinlichkeit nach unterlegen sind.

 

Man sage nicht es habe keine Gelegenheit für Missverständnisse gegeben.  Da, wo Sprache betroffen ist, hat es immer schon Anlässe für Missverständnisse gegeben.
Die Verwechslungsmöglichkeiten gibt es nicht nur innerhalb einer Sprache beim Wechsel von Hochsprache zu Gossensprache. Entsprechende Möglichkeiten gibt es auch beim Wechsel innerhalb zweier eng verwandter Sprachen, nämlich dem Englischen und dem Amerikanischen. Churchill erwähnt diese Verwechslung, die beinahe zu einem Zerwürfnis zwischen den Alliierten geführt hätte, in seinem Buch ‚Der Zweite Weltkrieg’. „To table a paper” heißt nämlich im Englischen ‚ein Papier auf den Tisch bringen’ während es im Amerikanischen ‚ein Papier in der Schublade verschwinden lassen’ bedeutet. Man kann sich gut vorstellen, wie die Mitglieder der betroffenen Miltärkommission sich beinahe in die Haare geraten sind. Um wie viel weiter gingen wohl die Möglichkeiten sich innerhalb und bei Gelegenheit des Wechsels des Altniederdeutschen ins Althochdeutsche und umgekehrt zu täuschen?

Seite des Autors: http://www.nibelungensage.dietrich.toutiorix.page.ms/

Auswahl von weiterführenden Links zum Thema des Autors

Link zu einer Mythologie-Seite, auf der mein Buch beziehungsweise manche Thesen des Buches – für eine Internet-Rezension recht ausführlich – besprochen werden:
http://www.sungaya.de/schwarz/literatur/000498.htm

Link zu einer Seite von Avram Kokhaviv mit einer Internet-Rezension
http://www.kokhavivpublications.com/2003/newcatch/avram_kokhaviv/20031025_166.html

Mein Beitrag zum Stichwort „Heldensage“ der Wikipedia-Enzyklopädie ist Teil der Seite, die unter der folgenden Url zu erreichen ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heldensage

Zum Stichwort „Dichtersprache“ unter der angegebenen Url die letzten beiden Absätze:
http://www.jenskleemann.de/wissen/bildung/wikipedia/d/di/dichtersprache.html

Unter dem Stichwort „Held“ unter der angegebenen Url der letzte Absatz vor der Liste mit bekannte Helden:
http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/h/he/held.php

Seite über Dietrich von Bern:
http://www.linuxmaniac.de/keyword/Theoderich_der_Gro%DFe.php

Seite über Hagen von Tronje:
http://www.sportgate.de/lexikon/h/ha/hagen_von_tronje.html

„Der völlig andere Siegfried“:
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Siegfried_der_Drachent%F6ter.html

Unter der Abschnittüberschrift „Einige abweichende Bemerkungen zum germanischen Gott Baldur (Palthar)“ stehen einige Bemerkungen zu dem Namen Baldur:
http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/b/ba/balder.php

Stichwort SAMSON:
http://www.daswillichwissen.de/Samson (Heldensage)

Unter dem Abschnitt „Parallelen zur nordischen Sagenwelt“ ein Beitrag zum Stichwort „Walter von Aquitanien“:
http://www.infomia.com/wiki,index,goto,Walther_von_Aquitanien.html

Unter der Abschnittüberschrift „Abweichende Interpretation“ mein Beitrag zum Stichwort „Odin“:
http://www.infomia.com/wiki,index,goto,Odin.html

Links zur Nibelungen-Forschung:

Das Nibelungenlied, Universitätsbibliothek, FU Berlin
http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_lmno/nibel.html

Wikipedia:
http://wiki.netbib.de/coma/NibelungenLied

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort 7
Erläuterung 10
Kapitel 1: Fragen über Fragen 13
Kapitel 2: Namen von Germanen, keltisierten Germanen, Kelten und Hunnen 33
Kapitel 3: Gewässernamen 59
Kapitel 4: Kleinräumige Toponymie der Thiderkssaga 69
Kapitel 5: Die der Thidrekssaga eigentümlichen Stammesnamen 115
Kapitel 6: Das Wesen der Helden 131
Kapitel 7: Die Frauen 207
Kapitel 8: Götter 221
Kapitel 9: Irrungen und Wirrungen 253
Kapitel 10: Die Merowinger 283
Kapitel 11: Fazit 295
Anhang I: 323
Anhang II: 325
Literatur: 331
Abkürzungen: 340

Zitierte Literatur
Barth, Erhard, Die Gewässernamen im Flußgebiet von Sieg und Ruhr, Wilhelm Schmitz Verlag Giessen, 1968.
Baur, Erwin; Fischer, Eugen; Lenz, Fritz; „Dreimännerbuch“, Grundriss der Menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene, 1921 (gemeint sind die Auflagen nach 1933!).
Beck, Heinrich, Das Ebersignum im Germanischen, Ein Beitrag zur Germanischen Tier-Symbolik, in: Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker, begründet von Bernhard ten Brink und Wilhelm Scherer, Neue Folge herausgegeben von Hermann Kunisch 16 (140), Walter de Gruyter & Co. Berlin, 1965.
Binsfeld, Wolfgang, Zum Namen der Treverer und der Stadt Trier, Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete, Trier 33. 1970.
Böhner, Kurt: Artikel „Childerich“, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 2. Auflage, hg. von H. Beck u.a., Band 4, Berlin-New York 1981, S. 441 460.
Boor, Helmut de (Hrsg.), Das Nibelungenlied, Zweisprachig, herausgegeben und übertragen von demselben, Parkland Verlag, ISBN 3-88059-985-8.
Botheroyd, Sylvia u. P.F., Lexikon der keltischen Mythologie, Diederichs, München 1992, ISBN 3-424-01077-4.
Brasse, E., Urkunden und Regesten zur Geschichte der Stadt und Abtei Gladbach, M. Gladbach 1914 und 1926, 2 Bde.
Bremer in Pauls Grundriß 1, 949. (loc. cit. Meyer, Altgermanische Religions-geschichte)
Brockhaus-Enzyklopädie: in 24 Bd. 19., völlig neu bearb. Auflage. Mannheim Der große Brockhaus, ISBN 3-7653-1100-6.
Bruckner, Sprache der Langobarden, (loc. cit. Meyer, Altgermanische Religions-geschichte).
Büchel, Kurt G., Die Jagd, 1999 Könemann Verlagsgesellschaft mbH, Köln, ISBN 3-8290-1560-7.
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Cato der Ältere, berichtet bei Gellius X, 23.
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Droege, Zur Geschichte der Nibelungendichtung und der Thidrekssaga, Zeitschrift für deutsches Altertum, 58, 1921.
Eisele, Irmgard, geb. Boesche aus Deinste (Hannover), Inaugural Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades einer Hohen Philosophischen Fakultät der Universität zu Tübingen (1946).
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Frazer, J.G., The Golden Bough. A study in magic and religion. London 1911/15, 1965, 1, 4.
Gail, A.J., „Vishnu als Eber in Mythos und Bild.“
Galatos, exepto sermone graeco, quo omnis oriens loquitur, propriam linguam eandem paene habere quam Treviros, Hieronymus in Gal. 2., Migne PL 26, 357, vgl. Sofer 1937, 148 - 158. (loc. cit. J. Wathmough)
Gerlach, Gudrun, Zu Tisch bei den alten Römern, Sonderheft der Zeitschrift »Archäologie in Deutschland«, Theiss Verlag, Stuttgart, 2001, ISBN 3-8062-1353-4.
Goethe an Zelter, zit. Nach Ernst Cassirer, Zur Einsteinschen Relativitätstheorie, Berlin 1921.
Golther, Wolfgang, Handbuch der Germanischen Mythologie, Athenaion, Phaidon Verlag GmbH Essen, ISBN 3-88851-138-0.
Gottschald, Max, Deutsche Namenkunde, Walter de Gruyter, Berlin 1954.
Gregor von Tours, Fränkische Geschichte, nach der Übersetzung von W.v.
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Grimm, Jakob, Deutsche Mythologie, I.- III. Band, Um eine Einleitung vermehrter Nachdruck der 4.Auflage, besorgt von Eduard H. Meyer, Berlin 1875-78. 1986 by Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz, Lizenzausgabe für VMA-Verlag, Wiesbaden, Druck und Bindung: Graphischer Großbetrieb Pößneck GmbH, ISBN 3-922383-68-8.
Größler, Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, 7. Jahrgang 1874; Die Bedeutung des Hersfelder Zehntverzeichnisses für die Ortskunde und Geschichte der Gaue Friesenfeld und Hassegau.
Grünewald, Thomas, Tolbiacum: Zur Geschichte Zülpichs in römischer Zeit, in: Chlodwig und die Schlacht bei Zülpich Geschichte und Mythos, Aus-stellungskatalog, ISBN-Nr.: 3-9802996-7-8.
Gysseling, Maurits, Toponymisch Woordenboek Van Belgie, Nederland, Luxemburg, Noord-Frankrijk en West-Duitsland, (vóór 1226), Deel 1 - 3, uitgegeven door het Belgisch interuniversitair Centrum voor Neerlandistik met de Steun van het Belgisch Ministerie van openbaar onderwijs, 1960. 
Hachmann, Rolf; Kossag, Georg; und Kuhn, Hans; Völker zwischen Germanen und Kelten; Schriftquellen, Bodenfunde und Namengut zur Geschichte des nördlichen Westdeutschlands um Christi Geburt, 1962, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster.
Heinzle, J., Das Nibelungenlied, Artemis-Verlag 1987, München, Zürich, ISBN 3-7608-1335-6.
Hentrich, Konrad, in Thüringisch-Sächs

 

Rezensionen:
 
Wer waren die Gestalten der Nibelungensage wirklich? Was ist der historische Kern dieses bekanntesten deutschen Epos? Dr. Norbert Lönnendonker hat sich dieses Themenkreises angenommen und kam dabei zu erstaunlichen Schlußfolgerungen.

Als Auslöser für seine Forschungsarbeit nennt Lönnendonker das Buch Die Nibelungen zogen nordwärts von Heinz Ritter Schaumburg, worin dieser, gestützt auf Handschriften der Thidreksaga, Herkunft und Weg der Nibelungen auf neue Weise interpretierte und vor allem durch Untersuchungen der genannten Orts- und Personennamen zu dem Ergebnis kam, der Nibelungen Ende habe nicht irgendwo in Ungarn am Hofe des Königs der Hunnen stattgefunden, sondern in Norddeutschland.

Von den Personennamen, keltischen, germanischen und hunnischen sowie Gewässer-, Orts und Stammesnamen, geht auch Norbert Lönnendonker aus und macht dabei manche überraschende Entdeckung, zum Beispiel, daß der Name Siegfried nicht die bekannte Herleitung von Sieg und Frieden haben müsse, sondern auf eine borstige Haut (nämlich die eines Ebers) anspielen könnte oder, wie schon Ritter erkannt hatte, mit dem Fluß Duna nicht die Donau, sondern das Flüsschen Dhünn gemeint sei.

Nachdem auf diese Weise reichlich Zweifel an der herkömmlichen Interpretation des Nibelungenliedes aufgekommen sind, widmet sich Lönnendonker dem Wesen der Helden, allen voran Siegfried und bei ihm insbesondere die Geschichte seiner Herkunft und Jugend und die Überlieferung von seiner hürnenen Haut. Hier gelingt Lönnendonker ein regelrechter Paukenschlag und die Wahl des Titelbildes (siehe rechts) des Buches spiegelt es wieder: Siegfried habe nämlich gar nicht im Blute eines Drachen gebadet und auf diese Weise seine Haut gepanzert, sondern er soll an einer seltenen Hautkrankheit gelitten haben, welche seiner Haut nicht allein ein schuppiges Erscheinungsbild verlieh, sondern obendrein zu einer borstenähnlichen Behaarung. Darauf aufbauend spekuliert Lönnendonker nun, daß der Kult des altgermanischen Gottes Frô, dessen heiliges Tier der Eber war, mit genannter Hautkrankheit zusammenhängen könnte und die Überlieferung des Heldennamens Sigisfrod dann als „Der borstige des Frô” zu lesen sein.

In ähnlicher Weise „seziert” Lönnendonker im Anschluß die Namen weitere Gestalten der Nibelungensage, auch hier erwarten den Leser einige Überraschungen.

Sodann wendet sich der Autor Namen und Wesen der nordischen Gottheiten zu. Wesentliches Ergebnis dabei ist, daß Odin/Wotan frappierende Ähnlichkeiten mit Hagen aufweise, während Siegfried dem Frô/Freyr nahestehe. Der Schluß liegt nahe, daß die Tötung des Siegfried durch den Hagen ein Anklang an die Überlieferung des Sieges der asischen Götter (Odin) über die Vanen (Freyr) darstellt.

Im vorletzten Kapitel geht Lönnendonker noch auf die Überlieferung von dem sagenumwobenen Königsgeschlecht der Merowinger ein, welchen auch Hautbesonderheiten nachgesagt wurden, wie sie für Siegfried genannt sind.

Aus alledem schließt der Autor, daß die ursprüngliche Nibelungensage weder aus dem Mittelalter stammt noch aus der Zeit der Völkerwanderung, sondern weit in die Vorgeschichte hineinreicht.

Insgesamt handelt es sich um eine sehr lohnende und für den Interessierten spannende Lektüre. Ob sich indes die Fachwelt den Schlußfolgerungen des Autors anschließen wird, bleibt abzuwarten.
Quelle: „Das Schwarze Netz”
http://www.sungaya.de/schwarz/literatur/000498.htm

 

Erec statt Nibelungen

GermanistInnen der Universität Salzburg untersuchten Stift Zwettler Handschriftenfragmente

Auch ein Stück vom Nibelungenlied sei dabei! So vermutete Charlotte Ziegler, Bibliothekarin und Archivarin im niederösterreichischen Zisterzienser Stift Zwettl, zu den Handschriftfragmenten, die sie bereits vor rund fünf Jahren bei Katalogisierungsarbeiten gefunden hatte.

Andererseits gehören einige der Pergamentstücke, so erkannte die Stiftsbibliothekarin, in den Stoffkreis des „Erec“. Letzteres wird nun durch die Salzburger AltgermanistInnen Margarete Springeth und Ulrich Müller bestätigt. Allerdings handle es sich hier um eine Fassung des Artus-Romans, die nicht der uns bekannten Version des Hartmann von Aue entspricht. „Nibelungisches“ konnten die beiden Nibelungenlied-ExpertInnen der Universität Salzburg in den auf Grund von Leimspuren teilweise extrem schwer lesbaren Fragmenten nicht entdecken.

Die auf Pergament geschriebenen mittelalterlichen Fragmente waren später zur Verstärkung des Rückens eines umfangreichen Folianten verwendet und in den 1960er Jahren dann wieder herausgelöst worden. Seither zusammen mit anderer „Makulatur“ in einer Schachtel aufbewahrt, hatte Charlotte Ziegler die Reste entdeckt und untersucht. Als sie  2003 ihre Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit vorlegte, war das Medieninteresse sehr groß. Vor allem in den deutschsprachigen Medien wurde die Frage „Nibelungenlied, ja oder nein?“ intensiv diskutiert. Auch Springeth und Müller wurden in dieser Auseinandersetzung als Auskunftspersonen herangezogen. Ihre Meinung damals: Bevor über die Nibelungenlied-Hypothese zuverlässig diskutiert werden kann, müssten die Fragmente noch einmal genau untersucht werden.

Nun legten Margarete Springeth und Charlotte Ziegler erstmalig eine unter Mitarbeit von Kurt Gärtner (Universität Trier) und Ulrich Müller erstellte Edition der Textfragmente vor. Sie enthält eine Transkription der Textstücke samt Beschreibung und damit eine verlässliche Textgrundlage für weitere Untersuchungen. Publiziert wurde der Beitrag in Heft Nummer 127, 2005/1, der angesehenen Fachzeitschrift „Geschichte der deutschen Sprache und Literatur“, die im Verlag Max Niemeyer, Tübingen herauskommt. 

Wie Müller betont, konnten sich die Autorinnen und Mitautoren des Beitrags zwar auf die kodikologische-palaeographische Beschreibung der Fragmente einigen. Was die inhaltliche Deutung betrifft, gibt es bisher keine Einigung. Charlotte Ziegler wird ihre Sicht der Stift Zwettler Fragmente demnächst in einer eigenen Publikation darlegen, wobei sie sich zusätzlich auf neue fototechnische Ergebnisse stützt.

Kontakt: Dr.Margarete Springeth: margarete.springeth@sbg.ac.at
Dr. Charlotte Ziegler:  bibliothek@stift-zwettl.at
Prof.Dr.Kurt Gärtner:  gaertnek@staff.uni-marburg.de
Prof. Dr. Ulrich Mueller:  ulrich.mueller@sbg.ac.at

Auf Wunsch kann der Artikel über die Stift Zwettler Fragmente per e-mail übermittelt werden.

Quelle: Universität Salzburg/heidegottas

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