Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
15.06.2019
Kategorie: Weltraum

BDI legt Grundsatzpapier zur Weltraumpolitik vor

Staat soll privatwirtschaftliche Vorhaben für Weltraumbergbau, orbitale Müllabfuhr und Satellitensysteme fördern

Berlin. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) appelliert an die Bundesregierung, umfassend „öffentliche Ressourcen und Mechanismen" und rechtliche Grundlagen bereitzustellen, um "private Investitionen und Innovationen in die Raumfahrt" zu fördern. In einem Ende Mai 2019 veröffentlichten Grundsatzpapier erklärt der Verband den Weltraum zu einem "Zukunftsmarkt", der für das Industrieland Deutschland eine „große Chance und ein ungeheures Wachstumspotenzial“ darstelle. So werde sich der weltweite Raumfahrt-Umsatz von zurzeit etwa 260 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2040 "auf bis zu 2.700 Milliarden US-Dollar mehr als verzehnfachen".  Im Jahr 2018 umfasste das deutsche nationale Programm für Weltraum und Innovation den Angaben zufolge 285 Millionen Euro. Im Vergleich dazu verfügte beispielsweise Frankreich im selben Zeitraum über ein Budget von 726 Millionen Euro. Angesichts der steigenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der Raumfahrt sollte das Raumfahrtbudget in Deutschland mindestens auf das Niveau von Frankreich angehoben werden, so der BDI.

Der BDI nennt mehrere konkrete Weltraumvorhaben, bei denen die deutsche Industrie künftig eine führende Rolle spielen könnte. An erster Stelle stehe hier die Expansion auf den Mond. Der Industrieverband will hier trotz der Betonung auf autonome deutsche und europäische Entwicklungen auch mit dem Konkurrenten USA zusammenarbeiten. Diese hatten angekündigt, ab dem Jahr 2024 auf den Mond zurückkehren zu wollen. Die europäische Industrie verfüge über die entsprechenden technischen Kompetenzen und solle sich den USA als zentraler Partner anbieten, auch im Hinblick auf eine weitere Expansion zum Mars, bei der der Mond als "Zwischenstation" fungieren könne, schreibt der BDI. Der Industrieverband möchte außerdem eine orbitale Müllabfuhr realisieren, die den exzessiv zunehmenden Weltraumschrott auf der Erdumlaufbahn beseitigen soll, der Satelliten, Raumstationen und Raketenstarts von der Erde bedroht. Weltraummüll, auch Debris genannt, gefährdet den Zugang und die Nutzung des Weltraums. Simulationen zufolge befinden sich laut BDI 750.000 Trümmer im Orbit, die größer als einen Zentimeter sind, und etwa 150 Millionen Teile, die größer als einen Millimeter sind. Die Bundesregierung sollte sich in den internationalen Diskussionen zur Vermeidung und Beseitigung von Weltraummüll stärker einbringen. Deutschland verfüge über die entsprechenden „Technologien zur Beseitigung von Weltraumschrott" und deutsche Unternehmen seien hierbei „führend“. Darüber hinaus ist es dem BDI zufolge wichtig, das Augenmerk auf den Weltraumbergbau zu richten, dieser würde wegen "rasanter technologischer Innovationen" in den "Bereich des Möglichen" rücken. Laut BDI könnten Metalle, die von Asteroiden abgebaut wurden, perspektivisch sogar die "Industrieproduktion im All ermöglichen". Dazu müsse die Bundesregierung schon heute die Weichen stellen und "Forschungsvorhaben für den Weltraumbergbau" fördern.

DLR-Marsmaulwurf hämmert sich erstmals in den Untergrund des Roten Planeten
Foto: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Darüber hinaus gelte es, dringend eine internationale Lösung für die Fragen des Eigentums an Rohstoffen aus dem Weltraum zu finden. Einige Länder hätten aufgrund der international unklaren Lage nationale Gesetze und Regelungen erlassen und damit versucht, das Eigentum an Rohstoffen im Weltraum national zu regeln, so der BDI. Dies sei rechtlich umstritten. Eine internationale Regelung brächte Rechtssicherheit und könnte Streitigkeiten zwischen Staaten und Unternehmen vermeiden.

Bereits 2018 hatte der BDI in einem Positionspapier zum Rohstoffabbau im Weltall gefordert, die Bundesregierung müsse umgehend ein "Weltraumgesetz" verabschieden und darin auch den Abbau von Rohstoffen im All regeln. Für den Weltraumbergbau sollten lauf BDI "ungebundene Finanzkredite" zur Verfügung gestellt und Obergrenzen für die Haftung bei Schäden festgelegt werden, die beispielsweise "durch den Einschlag von Raketenteilen" auf der Erde entstünden. Ohne Haftungsobergrenzen seien die Risiken für die Nutzung des Alls durch private Firmen zu groß.

Quellen

Grundsatzpapier des BDI zur Raumfahrtpolitik:
Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (Hrsg.): Zukunftsmarkt Weltraum – Bedeutung für die deutsche Industrie. GRUNDSATZPAPIER, RAUMFAHRTPOLITIK, NEW SPACE. (Autoren: Matthias Wachter, Katharina Will, Henry von Klencke), BDI-Dokumentennummer: D 1045, Berlin, Mai 2019

Im Internet zu lesen und herunterzuladen unter: https://bdi.eu/publikation/news/zukunftsmarkt-weltraum/

Positionspapier des BDI zum Weltraumbergbau:
Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (Hrsg.): Weltraumbergbau: Potenziale und Handlungsempfehlungen. POSITION, ROHSTOFFPOLITIK, ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN (Autoren: Matthias Wachter, Katharina Will, Henry von Klencke). BDI-Publikations-Nr. 0079, Berlin, August 2018. Im Internet zu finden und herunterzuladen unter: https://bdi.eu/publikation/news/Weltraumbergbau/

 

Kontakt:

Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI e.V.)

Katharina Will, Abteilung Sicherheit und Rohstoffe, Bereich Raumfahrt

Breite Straße 29, D-10178 Berlin

Tel. +4930 20281451, eMail: K.Will@bdi.eu, Internet: https://bdi.eu/