Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
16.01.2019
Kategorie: Life Sciences

Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin reguliert das Essverhalten

Magen-Darm-Trakt kontrolliert mit Belohnungsreizen das Verlangen nach Essen

Köln. Wenn es um die Nahrungsaufnahme geht, dann unterliegt das Essverhalten nur bedingt der bewussten Kontrolle des Menschen. Am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln konnten Wissenschaftler zeigen, dass der Magen-Darm-Trakt des Menschen im ständigen Austausch mit dem Gehirn steht und mit Belohnungsreizen das Verlangen nach Essen kontrolliert. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse Ende 2018 in der Onlineausgabe der Fachzeitschrift Cell Metabolism.

Als wichtigster Botenstoff des Belohnungssystems im Gehirn des Menschen wird Dopamin ausgeschüttet, wenn zum Beispiel lang angestrebte Ziele erreicht werden und ein Verlangen oder die unmittelbare Aussicht auf Belohnung zu einer Handlung motivieren. In ihrer Studie sind Forschungsgruppenleiter Marc Tittgemeyer und Heiko Backes der Frage nachgegangen, wie die Nahrungsaufnahme im Körper kontrolliert wird. Die Wissenschaftler haben Studienteilnehmern Milchshakes angeboten und parallel dazu mit einer neuartigen Methode die Ausschüttung von Dopamin im Gehirn gemessen.

Die Messergebnisse zeigen demnach, dass das Gehirn bereits die ersten Dopamin-Moleküle ausschüttet, wenn die Teilnehmer den Shake im Mund schmecken. Sobald das Getränk den Magen erreicht, wird erneut Dopamin freigesetzt. „Frühere Experimente mit Mäusen haben ergeben, dass es dem Gehirn gemeldet wird, wenn Nahrung den Magen erreicht. Unsere Ergebnisse zeigen, dass dies auch beim Menschen geschieht und, darüber hinaus, welche Hirnareale dabei beteiligt sind“, erklärt Tittgemeyer.

Die Forscher haben zudem einen Zusammenhang zwischen dem subjektiven Verlangen und der Dopamin-Ausschüttung festgestellt: Die Gehirne von Teilnehmern, die ein besonderes Verlangen nach einem Milchshake hatten, setzten mehr Dopamin frei, wenn das Getränk im Mund war. Sobald es aber den Magen erreichte, wurde weniger Dopamin ausgeschüttet. „Unsere Daten zeigen, dass unser Verlangen eng mit Dopamin verbunden ist. Bleibt die zweite, durch den Magen vermittelte Dopamin-Freisetzung aus, essen wir möglicherweise weiter, bis diese erfolgt“, erläutert Backes.

Die Nahrungsaufnahme dient in erster Linie dazu, den Körper mit Energie und Nährstoffen zu versorgen. Idealerweise stehen Energieverbrauch und Nahrungsaufnahme im Gleichgewicht. Nahrung besitzt allerdings auch einen Belohnungswert: „Wenn die Belohnungssignale stärker als das Gleichgewichtssignal sind, essen wir mehr als notwendig. Dies kann dann zu Übergewicht und Fettleibigkeit führen“, sagt Backes.

Lässt sich Fettleibigkeit also durch die Kontrolle der Dopamin-Freisetzung verhindern? „So leicht ist das leider nicht“ antwortet Tittgemeyer. „Wie unsere Körpersignale unsere Handlungen beeinflussen, und wie man zum Beispiel durch kognitive Kontrolle darauf Einfluss nehmen kann, das ist noch nicht wirklich verstanden. Da ist noch einiges an Forschung nötig.“ ( Dr. Annegret Burkert)

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Originalveröffentlichung

Thanarajah, Sharmili Edwin; Backes, Heiko; DiFeliceantonio, Alexandra G.; Albus, Kerstin; Cremer, Anna Lena; Hanssen, Ruth; Lippert, Rachel N.; Cornely, Oliver A.; Small, Dana M.; Brüning, Jens C.;  Tittgemeyer, Marc: Food intake recruits orosensory and post-ingestive dopaminergic circuits to affect eating desire in humans. In: Cell Metabolism, Published online: December 27, 2018 (in print 2019) DOI: https://doi.org/10.1016/j.cmet.2018.12.006

https://www.cell.com/cell-metabolism/pdf/S1550-4131(18)30743-5.pdf

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Kontakt

Heiko Backes

Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung

Gleueler Str. 50, 50931 Köln

eMail: backes@nf.mpg.de

URL: https://www.sf.mpg.de/forschung/backes

https://www.mpg.de/153760/stoffwechselforschung


Dr. Marc Tittgemeyer

Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung

Gleueler Str. 50, 50931 Köln

eMail: tittgemeyer@sf.mpg.de

URL: https://www.sf.mpg.de/forschung/tittgemeyer

https://www.mpg.de/153760/stoffwechselforschung