Rhombos-Online-Nachrichten (RON)
22.01.2019
Kategorie: Rohstoffe

Alternative Antriebe steigern Bedarf an Lithium, Kobalt und Nickel

Öko-Institut prognostiziert globale Rohstoffnachfrage und -versorgung der Elektromobilität bis 2050

Freiburg/Berlin. Im Jahr 2050 könnten weltweit 80 Prozent aller neu zugelassenen PKW mit alternativen Antrieben auf den Straßen unterwegs sein, bei ambitionierten Klimaschutzzielen sogar 100 Prozent. Mit dem Zuwachs an elektrischen Fahrzeugen steigt auch der globale Bedarf an Batterien – mit notwendigen Jahreskapazitäten von bis zu 6.600 Gigawattstunden. 220 Gigafabriken sind notwendig, um diese Batteriemengen herzustellen. Zugleich wird die Nachfrage bei Lithium, Kobalt und Nickel rasant steigen. Dies geht aus Zahlen hervor, die das Öko-Instituts Freiburg am 22. Januar 2019 vorstellte.

Auf Basis der neuesten Mobilitätsszenarien und der aktuellen Entwicklung bei Batterietypen und -kapazitäten hat das Öko-Institut im Rahmen des Forschungsprojektes „Fab4LiB“ den Rohstoffbedarf der Schlüsselmaterialien für Lithium-Ionen-Zellen bis 2050 berechnet. In der Annahme, dass die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens im Mobilitätssektor umgesetzt werden, prognostiziert Dr. Matthias Buchert, Bereichsleiter Ressourcen & Mobilität am Öko-Institut, bis zum Jahr 2030 einen erheblichen Anstieg der Nachfrage für Lithium, Kobalt und Nickel. Falls die Lithium-Ionen-Zellen auch langfristig die Speichertechnologie der Wahl für Elektrofahrzeuge bleiben, wird der Bedarf bis zum Jahr 2050 noch weiter wachsen.

Angesichts der aktuell bekannten globalen Reserven für Lithium (16 Millionen Tonnen), Kobalt (7,1 Millionen Tonnen) und Nickel (74 Millionen Tonnen) erwartet der Experte nicht, dass sich diese Rohstoffe verknappen werden. „Bei der dynamischen Entwicklung der Elektromobilität, kann es für einzelne Rohstoffe aber zu zeitlich begrenzten Engpässen kommen“, so Buchert.
Welche Anteile der Wertschöpfung der Elektromobilität zukünftig in Europa – und vor allem – in Deutschland realisiert werden, ist Buchert zufolge eine politische Frage, „die sowohl die EU-Kommission als auch die Bundesregierung zügig beantworten müssen“.

Batteriesysteme werden in Europa auch von deutschen Unternehmen hergestellt. Wie aus dem Bericht des Öko-Instituts hervorgeht, müssen die Unternehmen die dafür notwendigen Batteriezellen vorwiegend von asiatischen Herstellern zukaufen. Europäische wie auch deutsche Unternehmen sind daher von externen Zulieferern und deren Rohstoffversorgung abhängig. Gleichzeitig bestimmt die Batteriezelle maßgeblich über die Leistungsfähigkeit des Batteriesystems und ist das entscheidende Differenzierungsmerkmal in batteriebetriebenen Fahrzeugen.
Um Deutschland als Leitmarkt für Elektromobilität zu etablieren, müsse auch die Wertschöpfung überwiegend hierzulande angesiedelt werden, betont Buchert. Eine Zellfertigung in Deutschland hänge jedoch mit einer sicheren Rohstoffversorgung zusammen. Dabei dürfe der Recyclingaspekt nicht vernachlässigt werden. „Beim ambitioniertem Ausbau der Recyclinginfrastruktur für Lithium-Ionen-Batterien können im Jahr 2030 rund 10 Prozent und im Jahr 2050 sogar 40 Prozent des weltweiten Bedarfs dieser Rohstoffe für die Elektromobilität durch Batterierecycling gewonnen werden“, so Buchert.

Das Projekt Fab4Lib

Unter der Projektleitung der TerraE Holding GmbH erarbeiten 17 Forschungsinstitute und Industrieunternehmen im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt Fab4Lib  innovative Lösungen entlang der Wertschöpfungskette Lithium-Ionen-Technologie, die unmittelbar in eine Groß-Serienfertigung von Batteriezellen einfließen werden. Mittelfristig strebt TerraE eine Zellproduktion in Deutschland mit einem jährlichen Volumen von acht Gigawattstunden an.

Originalveröffentlichung:

Buchert, Matthias; Dolega, Peter; Degreif, Stefanie: Gigafactories für Lithium-Ionen-Zellen. Rohstoffbedarfe für die globale Elektromobilität bis 2050. Kurzstudie erstellt im Rahmen des BMBF-Verbundprojektes Fab4Lib - Erforschung von Maßnahmen zur Steigerung der Material- und Prozesseffizienz in der  Lithium-Ionen-Batteriezellproduktion über die gesamte Wertschöpfungskette. Darmstadt 2019. URL: https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Fab4Lib-Rohstoffe-Elektromobilitaet.pdf

Kontakt:

Dr. Matthias Buchert
Bereichsleiter Ressourcen & Mobilität
Öko-Institut e.V.
Rheinstraße 95
D-64295 Darmstadt
eMail: m.buchert@oeko.de
Internet: https://www.oeko.de/das-institut/team/matthias-buchert/


Peter Dolega
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Öko-Institut e.V.
Ressourcen & Mobilität
Büro Darmstadt
eMail: p.dolega@oeko.de